Geschichte Ninives



Alte Geschichte

Es ist schon oftmals angeregt worden, in der Altentagessstätte in Niedereimer etwas Heimatkunde zu betreiben. Wenn ein Gespräch von der Heimat, von dem Leben unserer Ahnen, von alten Sitten und Gebräuchen Zweck haben soll, ist die Mitarbeit der einzelnen Zuhörer erforderlich. Frage und Antwort müssen sich ergänzen. Erst dann kann ein kurzer Vortrag einen Sinn haben, eine Anregung geben und ein Nachdenken vermitteln, über die alte Zeit. Wir müssen auch im alten Germanen- bzw. Sachsentum beginnen und anschließend die Geschehnisse der folgenden Jahrhunderte weiter aufzuhellen versuchen. Machen wir einen Versuch.

Allgemeines

Unsere Heimat war schon in alten Zeiten von den Germanen bewohnt. Das Urvolk der Germanen, die Indogermanen, stammt aus A s i e n. Der Gesamtname "Indogermanen" besteht für viele europäische Völker, wenn sie auch nicht abstammungsmäßig zusammen gehören, wohl aber sprachlich verwandt sind. Dazu gehören fast alle europäischen Sprachen. Langsam dehnten sich die Germanen aus und wohnten schon 500 Jahre vor Christus zwischen E l b e und W e i c h s e l .

Aber auch hier reichte der Boden nicht aus, um das Volk sesshaft zu machen. Sie betrieben fast nur Viehwirtschaft. Eine ausgedehnt wirkende, e x t e n s i v e Wirtschaft. Sobald sie Ackerbau betrieben hätten, wären sie zur Sesshaftigkeit gezwungen gewesen. Folglich dehnten sie sich immer weiter nach Westen aus.

Das Land zwischen der Sieg und der Lippe wurde ursprünglich von dem Germanenstamm der S u g a m b r e r bevölkert. Viele S u g a m b r e r wurden später von den Römern zwangsweise am westliche Niederrhein angesiedelt. In die freigewordenen Gebiete drangen von Norden und Osten kommend germanische Sachsenstämme ein. Diese Sachsenstämme hatten eigene, überlieferte aber ungeschriebene Eigentums- und Rechstbegriffe. Diese Rechtsbegriffe fanden später ihren Niederschlag im "S a c h s e n s p i e g e l" ,dem ältesten deutschen Rechtsbuche in niedersächsischer Sprache, welches E i k e vom R e p c h o w zwischen 1222 und 1224 verfasste.

Landrecht und Lehnsrecht

Die Römer versuchten immer wieder die Germanen zu unterwerfen. Dieses Vorhaben gelang den Römern in einem Zeitraum von vielen Jahrhunderten nicht. Schon im Jahre 9 nach Chr. erlitten sie im Teutoburger Wald eine schwere Niederlage. Die Römer konnten sich nur im linksrheinischen Gebiet niederlassen. Viele Städte, u. a. M a i n z, K o b l e n z, K ö l n , (usw) wurden schon von bzw. gleich nach Christi Geburt von den Römern als militärische Stützpunkte gegründet. Sobald sich die Römer über den Rhein wagten, stießen sie auf den erbitterten Wiederstand unserer Vorfahren. (Kein Wunder, dass es auch heute noch in unserer Heimat recht streitbare Herren gibt). Über die Organisation der Germanen, den Kult, die Gerichtsbarkeit, die Blutrache und die Einführung des Christentums kann nur in einem besonderen Vortrag gesprochen werden. Der Stoff ist zu umfangreich.

Durch die dürftigen Ertragsverhältnisse der Böden bedingt, blieb die Lebenshaltung der Germanen sehr einfach. Die Ernährung bestand aus Fleisch und Brot. Es wurde Wasser, Milch und Met getrunken. In den ersten Jahrhunderten bestand auch noch keine Schrift. Die notwendigen Mitteilungen gingen von Mund zu Mund, bis die Runenschrift entstand. Ursprünglich wurden die Buchstaben auf Buchenholzstäbchen geritzt.

Im 5. Jahrhundert und auch später noch, nutzten die Römer das Ausdehnungsbedürfnis der Germanen aus und ließen sogar einige Stämme über den L im e s - G r e n z w a l l in römische Lande einziehen. Zunächst wurde ihnen Land zugewiesen. Dann verpflichtete man die Germanen zum römischen Kriegsdienst. Später bestanden einige römische Heere größtenteils aus Germanen.

Nun folgten einige Jahrhunderte ohne wesentliche V e r ä n d e r u n g e n. Die alten germanischen Einrichtungen erfuhren erst eine Änderung, als Karl der Große im Jahre 772 begann, durch mehrere Feldzüge die vereinigten Germanenstämme, jetzt S a c h s e n genannt, zu besiegen. Die S a c h s e n wohnten in W e s t + O s t w e s t f a l e n, E n g e r n, usw. . Die Germanen wurden unterworfen. Karl der Große führte im Sachsenlande das Christentum ein. Er gründete das Bistum P a d e r b o r n., welches aber dem Erzbischof von Köln unterstellt war. Unsere Heimat gehörte bis 1821 zum Erzbistum K ö l n. Im Jahre 777 hielt Karl d. Große in Paderborn einen Ringertag ab. Weihnachten 800 krönte Papst L e o III. K a r l d e n G r o ß e n im P e t e r s d o m zu R o m zum deutschen Kaiser.

Überleitend will ich jetzt versuchen, einen Überblick zu geben über die Geschehnisse der damaligen Zeit in unserer sauerländischen Heimat, soweit sie ab dem 9. Jahrhundert hier bestanden haben.

Mit dem Sammelnamen A r n s b e r g e r W a l d wurden die großen Waldgebiete an der Ruhr, Möhne, Röhr und Wenne bezeichnet. In den Flusstälern der Ruhr und ihrer Nebenflüsse befanden sich die Niederlassungen der alten germanischen Bewohner unserer Heimat. Diese Niederlassungen waren Einzelhöfe, die vorwiegend im Schwemmlande (Alluvium) der Bäche und Flüsse entstanden. Also da, wo ein kleiner Fluss in einen größeren mündete.

M e s c h e d e - H e n n e; N i e d e r e i m e r - W a n n e ; H ü s t e n - R ö h r; N e h e i m - M ö h n e, usw. Hier war die Rodung mit den primitiven Werkzeugen der damaligen Zeit leichter durchzuführen als im Berglande. Die Einzelhöfe bestanden aus einfachen mit Lehm verschmierten Holzhütten. - Ö r l i n g h a u s e n - L i p p e - jede einzelne Familie hatte, wegen des Eindringens der Raubtiere einen eingefriedeten Hof. - Z ä u n e , u.s.w. - . In Hofesnähe war ein Teil des Landes bebaut. Es bestand Acker und Grasland. An Nutztieren wurden Schweine, Schafe und Rinder gehalten. Die Pferde wurden nur zum Reiten benutzt.

Das ganze Gebiet unserer Heimat war ursprünglich dichter, undurchdringlicher Wald. Der Wald lieferte den Bewohnern der Höfe das Brennholz, das Holz für die Wohnhütten und die Einfriedungen. Die Männer übten die Jagd aus. Das erlegte Wild lieferte das nötige Fleisch. Die Häute des Raubwildes dienten der Bekleidung der Bewohner des Landes. (Truernit (Modehaus in Arnsberg) gab es damals noch nicht) Von den wilden Bienenvölkern wurde der Honig genommen. Aus dem Honig stellte man im Gärungsverfahren ein brausendes Getränk, den Met, her. Mangels anderer Beleuchtungsmöglichkeiten, außer dem Kienspan, wurden aus dem Bienenwachs die Kerzen hergestellt.

Der weitere Aufbau in unserer Heimat vollzog sich in etwa so, dass aus mehreren Einzelhöfen eine Bauernschaft bzw. ein Markenverband gebildet wurde. An der Spitze dieser Vereinigungen stand ein Bauernrichter oder der Holzgraf. Nach sächsischem Recht hatte jeder Hofbesitzer das Recht zur Markennutzung. Die politische und wirtschaftliche Verfassung unseres Landes beruhte im wesentlichen auf den Marken, dem ältesten und wichtigsten Verbande germanischer Völker. Nicht an den Ort, sondern an die Mark knüpften sich die geschichtlichen Anfänge der späteren Gemeinden.

Die Marken waren die Reste, des zwischen den einzelnen Rodungen und Einzelhöfen verbleibenden Volkslandes, das noch nicht unter Kultur genommen und somit herrenlos war. Der Begriff Mark oder Markenverband kommt später immer wieder vor. Deshalb ist es notwendig, sich diesen Begriff einmal ganz klar zu machen.

Beispiel : In Niedereimer, in Neheim, in Körbecke, in Hirschberg wurde gerodet. Dort entstanden dann die Einzelhöfe. Der Urwald, der dazwischen lag, war die Mark oder der Markenwald. Der Arnsberger Wald bestend aus 4 Hauptmarkenabteilungen, den Ruhr-, Röhr-, Wenne- und Möhnemarken. Die Niedereimer Mark gehörte zu den Ruhrmaken. BANNFORST Gemarkung Stockum - Grafen 1077 - EB. 1368-

Die Markengenossenschaften - die ältesten Genossenschaften, die man sich überhaupt vorstellen kann - waren eine wirtschaftliche Vereinigung, die sich im 10. und 11. Jahrh. Neu bildeten und die Regelung der Nutzungen in den Marken ausübten. - AHRTAL - die Markenberechtigung war an die Hofstelle und nicht an den Besitzer gebunden. Der Hof war die Dominante, nicht der Name des jeweiligen Besitzers.

Maßgebend für die Nutzungsberechtigung war die Markenrolle, die in ihrer Bedeutung dem zeitigen Grundbuche entspricht. Bis auf den heutigen Tag führen noch viele Bauernfamilien zu ihrem Namen den Hofesnamen. Z.B. MÜLLER gt. (genannt) SCHULTE - Markengenossen waren alle in der Nähe des Urwaldes liegenden Grundherrschaften mit ihren Haupt- und Nebenhöfen und die altfreien Bauern.

Die Regelung des Holzbedarfes, des Weidenrechts, das Mastrecht, usw. erfolgte auf dem Holtdingen unter dem Vorsitz des Markenrichters oder Holzgrafen. Der Holzrichter wurde in seinem Amte durch die Scharmänner unterstützt. Die Scharmänner sind die Vorgänger der heutigen Förster. Der Holzrichter wurde aus den Scharmännern gewählt. Es konnte auch ein erblicher Titel sein, der an einem bestimmten Hofe haftete. Die Scharmänner hatten die Aufsicht in der Mark.- Anweisung der Holzer, Weidezeit, Einzäunung der Schweineherden, u.s.w.

Die Zahl der Morgen eines Hofes konnte durch Rodung im Markenwalde vergrößert werden. Dafür musste aber dann der Rottzehnte, oder auch der Neuaufbruchzehnte genannt, entrichtet werden. Bruchhausen: Flurbezeichnung Rottland vom niederdeutschen ROUREN -. Heute Rottlandstraße. LÜTKE BRUCHHAUSEN HÜTTENAUWER.

Nachdem die Rechte der Markengenossen einmal festgelegt und weitere Teilnehmer ausgeschlossen waren, konnten sich spätere Neusiedler NACHGEBORENEN SÖHNE , usw. nur als "Beilieger" anschließen. Die Beilieger mussten dafür an den Markenverband einen Zins zahlen. Als die Zahl der Beilieger größer wurde, machte man Unterschiede in der Markennutzung. Beilieger konnten einen Markenanteil kaufen, hatten aber weiterhin die Beiliegerabgabe zu zahlen, auch dann, wenn der Verkäufer dazu nicht verpflichtet gewesen war. Hieraus ist es zu erklären, dass es öfter Streit gab, zwischen Berechtigten und unberechtigten Bewohnern unserer Heimat und mit den Grenznachbarn aus den Nachbarorten.

Zur Sicherung der Grenzen der einzelnen Marken wurden die Schnade - GRENZZÜGE - eine ernste sachliche Angelegenheit. Die damaligen Schnadezüge hatten die Aufgabe, die heute durch die Kataster- und Grundbuchämter erfüllt werden. Die jungen Teilnehmer der Schnadezüge wurden an besonders wichtigen Grenzstellen mit Nachdruck auf die Grenzsteine gesetzt, damit sie sich die Grenzstelle und den Vorgang an dieser Stelle merken sollten. Den Vorgang nannte man "stutzesen". Es gab aber nicht überall Grenzsteine. Die Markengrenzen waren auch teilweise durch besonders markierte Schnadebäume und aufgeworfene Grenzgräben kenntlich gemacht (Bäche und Flussläufe).

Das Kataster wurde in unserer Gegend erst um 1806 durch die hessische Regierung eingeführt und im Jahre 1834 unter der preußischen Verwaltung als Steuerkataster vorerst abgeschlossen. Seit 1834 gab es bei den Amtsgerichten die sog. Hypthekenbücher. Die Grundbücher entstanden in Preußen erst 1872. Auch die ersten Sparkassen entstanden hier erst ab 1830. Vorher wurden die Kredit- und Beleihungsgeschäfte fast nur mit jüdischen Händlern und Kaufleuten getätigt.

Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. 3.007.03 (Referat gehalten für den VdK)