Geschichte Ninives



Die bäuerlichen Verhältnisse im Mittelalter

Q u e l l e n:
Das Lehnsrecht des Sachsenspiegels von etwa 1224/1228 übersetzt von E I k e v o n R e p c h o w . Herausgeber Karl August E c k h a r d t 1955 - Schriften der Stadt Werl - Herausgeber Oberstudiendirektor R u d o l f P r e i s i n g . - Nachrichten aus dem Kirchspiel Büderich im Amte Werl -

L e h n s w e s e n i m M i t t e l a l t e r

181 des L e h n s r e c h t e s Hw: Wer auch immer Lehnrecht kennen will, der folge dieses Buches Lehre. Zu allererst sollen wir uns merken, dass die Herrschaft bei dem Könige beginnt und bei demselben aufhört.

Oberster Lehnsherr ist der König. Wer als Landesherr vom König belehnt ist, kann den ihm übertragenen Besitz an andere verlehnen, der so Belehnte wiederum an andere. Dafür ist dem jeweils übergeordneten Lehnsherren vom untergeordneten Lehnsträger eine Abgabe in Geld oder Naturalien zu entrichten. Wer durch Belehnung einen Besitz erhielt, durfte ihn nutzen und mit Zustimmung des Lehnsherren sogar verpfänden oder verkaufen, nur das Lehnsverhältnis durfte dabei nicht gestört werden. Beim Tode des Lehnsherren musste man das Lehen anmelden und sich neu belehnen lassen. Der Vater durfte das Lehen an den Sohn weitergeben. Letztere musste sich aber von dem Lehnsherren neu belehnen lassen, wobei dann der Lehnskanon (E r b p a c h t z i n s) entrichtet werden musste.

Wichtig ist zu erfahren, wer für einen Hof oberster Lehnsherr war, wichtig auch, an wen dieser das Lehen vergab und wer von diesem weiter belehnt war (A f t e r l e h e n).

Die Wachsdienstpflicht war eine besonders hoch geachtete Form der Hörigkeit. Sogar freie Höfe gaben ihre Höfe einem kirchlichen Grundherren und traten in dessen Wachszinsigkeit und empfingen den alten Besitz als Pachtgut zurück. Nur wenige Höfe waren freien Standes. Ein unfreier Mann zahlte den Heerschilling, währen der freie Mann dem Landesfürsten mit der Waffe diente.

In der Regel mussten die Höfe alle 12 Jahre neu gepachtet werden. Es gab auch Pachtungen auf Lebenszeit. Nach Ablauf der Pacht war ein sogenanntes Gewinngeld abzuführen. Das Kunibertstift in Köln behielt sich in einem Falle vor, nach dem Tode des Pächters den Hof wieder einzuziehen, damit die Kinder keinen Erbanspruch stellen konnten.Diese Kautel (V o r s i c h t s m a ß r e g e l) führte zu Auseinandersetzungen zwischen dem Stifte und dem Pächter. Zuletzt bekam der Pächter sein Recht. Wenn das Stift wegen Zahlungs- oder Ablieferungsverzögerungen einen Mahnboten schickte, musste dieser auf dem Hofe während seiner Anwesenheit verpflegt werden. War es ein Stiftsherr, mussten auch die Kosten für die Hin- und Rückreise bezahlt werden. Die Abgaben wurden meistens durch eine Naturalpacht entrichtet: z.B. die dritte Garbe, oder 10 Scheffel Roggen; 10 Scheffel Gerste; 10 Scheffel Hafer; ein Schuldgewinn nächst dem Besten; das halbe Obst, usw. Meistens musste auch noch eine sogenannte Pfarrabgabe - eine Art Kirchensteuer - gezahlt werden.

In Büderich bei Werl lag die Verwaltung des Kirchenvermögens nicht in den Händen des Pfarrers allein, sondern auch bei dem für die Vermögensverwaltung gewählten Kirchmeister. Als Kirchenmeister gewählt zu werden, bedeutete eine große Ehre. Die Überprüfung der Kirchenrechnung erfolgte durch die Aufsichtsbehörde. Das Stellenvermögen und das Kirchenvermögen ist nicht eins. Die Naturalabgaben der einzelnen Höfe wurden getrennt :
A) Abganbe für den Lebensunterhalt des Pfarrers
B) Abgaben für die Bedürfnisse der Kirchen.

Der Kölner Erzbischof Ernst von Bayern duldete keinen Protestanten als Pächter auf einem Erzbischöflichen Lehnsgute. Als Lehnsherren für die Höfe im Kurkölnischen Amte Werl wurden unter anderem folgende Namen genannt:
Stift Corvey, Grafen von Arnsberg
Kunibertstift Köln
Stift Oelinghausen
Stift Scheda
Kloster Himmelforten
Stift Fröndenberg
Stift Deutz
Stift Meschede

Stift = geistliche Körperschaft

V e r s c h i e d e n e s aus dem Grenzamte Werl - Kurköln und der Grafschaft Mark

Das Büdericher Zollhaus hatte eine kurkölnische Besatzung. Als die Soester am 12. 8. 1444 ihren neuen Schutzherren, den Herzog Johann von Cleve in Büderich abholen wollten, wurden sie durch die Zollhausbesatzung daran gehindert. Es entstand eine starke Auseinandersetzung mit Waffen. Das Zollhaus wurde vollständig zerstört. Die Bewohner von Büderich und Werl waren treue Untertanen des Erzbischofes von Köln.

In alter Zeit begnügte sich der Bauer eines Hofes schlicht mit dem Taufnamen (Hennig auf dem Wulfhofe = Henning Wulf). Der Name des Hofes wurde auch sofort als Nachname angenommen, wenn ein Mann mit fremden Namen auf einem Hofe einheiratete. Wer auf einem angesehenen Hofe um die Hand einer Tochter anhalten wollte, musste im gesicherten, mehr noch in guten Verhältnissen leben.

An der westlichen Grenze und Kreisgrenze Holtum lag früher ein Wirtshaus "A m B e r k e n- b o e m e - B i r k e n b a u m. Mit dieser Stelle ist die alte Sage von der Schlacht am Brikenbaum verbunden. Nach der Sage soll ein Fürst im weißen Gewande am Morgen der Schlacht in Bremen die Messe lesen, von der linken Seite aufs Pferd steigen und die Schlacht gewinnen. -Holtum hatte eine alte Gerichtsstätte = Ting. In Holtum war auch Ministerialadel begütert. Die Herren von Holtum waren Dienstmannen der Grafen von Arnsberg.

In den Grenzdörfern des Herzogtums Westfalen gegen die Grafschaft Mark kommt sehr oft die Bezeichnung "Landwehr" vor, das heißt Verteidigungsanlage. Diese Erdbefestigungen waren in Schlückingen oben in der Krone 7 m breit. Mit den, an beiden Seiten verlaufenden Gräben war die Anlage 12m breit und 1,5m hoch.

Wenn auf fremden Gut und Boden Vieh angetroffen wurde, sperrte man die Tiere ein. Es musste zuerst ein Schüttegeld , d.h. eine Lösesumme von etwa Taler gezahlt werden, um das Vieh auszulösen. Es ist auch von einer sogenannten Kniesense = S i n g e d e = zum Abmähen der Ränder und Grabenböschungen und schwerer Arbeit die Rede. (Sichel ? = Sense mit kurzem Baum ?)

Von der Entlohnung des Gesindes wird nur in einem Falle geschrieben. Dem Schäfer des Schultenhofes in Schlückingen wurde als Entlohnung gestattet, in der Schafherde des Hofes 50 eigene Schafe "in der Ausfütterung mitgehen zu lassen".

Im Siebenjährigen Kriege 1759 - 1762 durchzogen zunächst alliierte Truppen unter Herzog Ferdinand von Braunschweig die Werler Gegend, bald aber auch die Franzosen. Sie beanspruchten Quartiere für Mann und Pferde, sowie Hand- und Spanndienste. Das Militär lebte nur aus der Landschaft, in der es sich gerade befand und frage nicht, wovon die Bauern mit ihrem Vieh leben sollten. Die Dorfeinwohner wurden geplagt und geschlagen ohne jeden Grund. Hohe Kriegskontributionen trieb man rücksichtslos ein. Bei Arm und Reich herrschte die größte Not.

Am 15. Januar 1775 wurde Caspar Habbes, gt (genannt) Milies von Schlückongen gewaltsam fortgeführt und nach Hamm gebracht. Er war preußischen Werbern in die Hände gefallen. Sein Vater legte sich mit Hilfe des Probstes von Scheda kräftig ins Zeug um seinen Sohn, der nicht preußischer Untertan war, zurückzuholen. Die Auslösesumme ist 2 Jahre später unter dem Namen Abschiedsgeld erstattet worden. - 4 R e i c h s t a l e r = 1 G o l d g u l d e n -

Bei Aufgabe einer Pachtung im Jahre 1762 kostete ein 10jähriges Pferd 16 - 20 RTL (Reichstaler); eine gute Milchkuh 9-10 Rtl; ein mittleres Schwein = 4 Rtl. Ein Pfund Schinken kostete 4 Stüber (= Münze); 1 Pfund Speck war teuer und kostete 71/2 Stüber. Man aß noch aus Holznäpfen oder aus der gemeinsamen Schüssel. Die gute alte Zeit ist im allgemeinen ein harte Zeit gewesen.

Bei dem Mawickshof in Holtum war ein Spanndienst zum Steinkohlefahren nach Himmel-pforten vermerkt (1770). Vollen Dienst, d.h. Tagesdienst mit Pferden. Nach der Bauernbefreiung Martini 1810 konnten die alten Lehnsverhältnisse, die Erb- und Pachthörigkeit beseitigt werden, weil sie unzeitgemäß geworden waren. Die Ablösung (Allodifikation) der Naturalabgaben o. ä. (oder ähnliches) (25fache des jährlichen Grundzinses) brauchte die Bauern nicht auf einmal zu bezahlen. In der Regel musste Kapital aufgenommen werden, welches aber mit 4% zu verzinsen war. Diese Ablösung ist vielen Bauern sehr schwer, einigen sogar unmöglich geworden.

Durch die oft harten Entscheidungen der preußischen Domänenverwaltung (Regierung Arnsberg / Säkularisation) von 1824 wurden die Bauern misstrauisch gegen die Preußen. Bei den klösterlichen Grundherren hatten sie mehr Gehör für ihre Klagen gefunden. Außerdem hatten sie bei der Ablieferung zum Kloster Essen und Trinken erhalten, welches bei der Domänenverwaltung fortfiel.

Das Stift Meschede wurde um das Jahr 1000 in den U r b a r e n der Klöster Werden an der Ruhr genannt. Die Ministerialität eines Mannes schloss meistens ein Lehnsverhältnis ein -B u r g m a n n i n W e r l o d e r a n d e r s w o.

Im Jahre 1835 kostete ein gutes Pferd = 80 Rtl., ein Kuh 20 Rtl. Die Herren von Papen - Loh ; von Papen -Köningen; von Lilien u.a. waren Erbsälzer. Die Nachfrage nach alten Unterlagen z.B. Pachtbriefen u.a. sind auf den meisten Höfen völlig nutzlos. Unsere Bauern leben vielfach völlig traditionslos, an die Großeltern vermag man sich noch zu erinnern, dann hört es meistens auf.

Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. -3.007.07 Die bäuerlichen Verhältnisse im Mittelalter