Geschichte Ninives



Entstehung und Entwicklung der Gemeinden und Gemeindeverbände

Schon in frühester Zeit war die Mark Eigentum der Markgenossenschaft. Die M a r k umfasste die Feld-, Wald-, Wiesengrundstücke und Gewässer, die zwischen den einzelnen Siedlungen lagen. Sie wurden gemeinsam benutzt. Es zeichneten sich schon der erste Umfang und die Grenzen der Gemarkung ab. Die Sippe herrschte mit einem Oberhaupte. Aus mehreren Sippen entstanden die Hundertschaften mit etwa 100 - 120 Kriegern.

Es gab Freie und Unfreie. Unter den Freien bildete sich zunächst kein geschlossener Stand. Sie hatten nur einen größeren Besitz an Vieh und dadurch eine größere Nutzung in der Gemarkung. Auch im Gau hatten sie eine größere Achtung.

Der Gau war eine Unterabteilung des Stammes unter einem Gaufürsten mit einem Gauthing - V e r s a m m l u n g - und Gaugericht. Alle Freien übten die Staatsgewalt aus. Die Beschlüsse wurden auf einer Versammlung, dem T h i n g, gefasst. Der Ort, an dem Gericht gehalten wurde hieß D i n g s t ä t t e.

Zu den Unfreien gehörten Knecht, Kriegsgefangene und solche, die ihre Freiheit verloren hatten.

Der Bauer war der eigentliche Siedler des deutschen Volkes. In der weiteren Entwicklung entstanden zunächst die sog. (sogenannten) Weiler. Eine Siedlung von 2 - 10 Häusern. Die Bewohner eines Weiler bildeten eine B u r s c h a f t (Bauernschaft). Die späteren Besitzer hießen N a c h g e b u r e n, d.h.(das heißt) Nachangebaute, woraus der Begriff N a c h b a r n geworden ist. Wenn die Einwohnerzahl weniger wurde, wurde im Einvernehmen mit dem Holzgrafen oder Bauernrichter ein Stück des Markenwaldes gerodet. Was ein jeder durch Rodung des Waldes an Kulturland schuf, war sein persönliches Eigentum.

Die alten Weiler entstanden meistens aus den Einzelhöfen in den Niederungen, da, wo kleine Nebenflüsse oder Bäche in größere Flüsse mündeten. (M e s c h e d e - H e n n e, N i e d e r e i m e r - W a n n e, H ü s t e n - R ö h r, N e h e i m - M ö h n e). Im Schwemmland eines Flussdeltas - A l l u v i u m - war die Rodung leichter. Auch die Wasserversorgung für Mensch und Tier war schneller und einfacher sicher zu stellen. Aus diesen Umständen ist zu ersehen, dass die neueren Ortsteile uns späteren Dörfer meistens auf Höhen oder Anhöhen liegen. Die Rodung in der Gemarkung war aber nur bis zu einem gewissen Zeitpunkt möglich. Mit Hilfe des Vaterhofes konnte sich ein nachgeborenen Bauernsohn im eigenen Dorf ansiedeln. Ebenso ein langjähriger Knecht, mit Hilfe des Haupthofes noch Kötter werden. Durch den Bevölkerungszuwachs bei Bauern und Beiliegern wurde die Bildung neuer Besitzungen immer mehr erschwert bzw. verboten. Eine Kolonisation (Landerwerb durch Rodung) hörte auf. Infolgedessen wurde die Hufe (Ackerwahrung für eine Familie) durch Erbteilung immer kleiner. Die überschüssige Bevölkerung, die keinen Grund und Boden mehr bekam, wurde völlig abhängig - l e i b e i g e n -. Die sozialen Gegensätze wurden immer größer. Bei einem Zuzug von Ortsfremden Handwerkern usw. erhoben die Dörfer ein sehr hohes Einzugsgeld, welches der gewöhnlich sterbliche aus eigenen Mitteln nicht aufbringen konnte.

Der Schnadegang war zu dieser Zeit ein wichtiges Beginnen. Die Gemarkung wurde nicht nur umgangen, es musste auch über Markenrechte, über Grenz- und Wegerechte gesprochen werden. Wenn die Rechte nicht geltend gemacht wurden, nahmen die Nachbargemeinden diese für sich in Anspruch. Die Väter mussten die Söhne aufklären, da das geschriebene Wort sehr selten war. Die Jagd war frei. Jeder Markengenosse konnte in der Mark jagen. Die Bauernforsten waren für die Fürsten bestimmt.

S t o c k u m

Karl der Große hatte mit großem Weitblick die Zustände der damaligen Zeit erkann. Er gab mehrere Verwaltungsanordnungen heraus, durch die die Ordnung und die Lebensform der Bevölkerung geregelt wurden. Die sogenannten Königsboten (ein Geistlicher und ein Laie) zogen durch das Land und überwachten die Verwaltung und prüften, ob die Anordnungen des Königs durchgeführt wurden. Es entstanden in den Markenverbänden schon sehr viele Unkosten für die Gemeinschaft. Es mussten Abgaben für den Unterhalt der Kirchen, Pfarrer, Küster, Lehrer, Flurschützen, Nachtwächter, Förster, usw. geleistet werden. Wege und Brücken erforderten lfd. (laufende) Unkosten. Es entstanden die Sprengel der Kirchspiele - Kiäspel genannt. Wegen der geringen Besiedlung waren die Pfarrbezirke sehr groß. Eine Pfarrei wurde von etwa 120 freien Familien getragen. Zur Pfarrei Hüsten gehörten ursprünglich die Orte: Arnsberg, Bremen, Enkhausen, Hellefeld, Neheim, Rumbeck, Sundern, Voßwinkel. Die Unkosten wurden aus der Nutzung der Markenforsten, besonders aus dem Erlös der Holzkohle bestritten. Das Wohlfahrtswesen zeigte viele Schattenseiten. Die Armen und Kranken waren auf die Liebestätigkeit der Kirche und der besser gestellten Nachbarn angewiesen.

In dieser Zeit hat der Genossenschaftsgedanke in den Markenverbänden das westfälische Volksleben beherrscht. Schon unsere Vorfahren, die alten Sachsen, haben den Aufbau ihres Gemeinwesens von unten nach oben vollzogen. Ohne den Gemeinsinn der Bürger und ihre Mitsprache und Mitverantwortung für die Geschicke der Gemeinschaft war die Gemeinschaft undenkbar.

Als Graf Gottfried der IV. 1369 die Grafschaft Arnsberg an das Erzstift Köln hier verschenkte, hier verkaufte, hörte in unserer Gegend die Grafenherrschaft auf. Die Erzbischöfe von Köln bildeten mit diesem Territorium das Herzogtum Westfalen. Die Hauptstadt war Arnsberg. Das Herzogtum hatte eine Ständeverwaltung. Auf dem Schlosse in Arnsberg tagten die Landtage. Die Dörfer blieben als Bauernschaften bzw. Markengenossenschaften bestehen.

Die Stände hatten sich in der Politik und Verwaltung des Herzogtums als bedeutendes Organ herausgebildet und behauptet. Der Erzbischof von Köln war Kurfürst des Herzogtums. Er war von den Landständen sehr abhängig und durch diese Verfassung in seinem Wollen sehr beschränkt. Die Stände hatten Vorschlags-, Petitions- (Bittrecht) und Abstimmungsrecht. Streitigkeiten blieben nicht aus. Zu den Ständen gehörten der Adel -Kurie - und das Stadtkollegium. Von diesem Forum waren ausgeschlossen der Klerus und die bäuerliche Bevölkerung außerhalb der Städte. Im Herzogtum gab es 25 Städte und 11 Freiheiten = 36. Die Hauptstätte Brilon, Rüthen, Geseke und Werl entsandten je 4 Abgeordnete zu den Landtagen - 4 x 4 = 16. Die übrigen (21) Städte und (11) Freiheiten je 2 Abgeordnete : 32 x 2 = 64 - Stimmenzahl: insgesamt 80 Vertreter. Jeder Ritter hatte nur eine Stimme. Die Stimmenzahl war bei den Rittern schwankend. Ursache: Verkauf von Gütern an bürgerliche Erwerber, oder umgekehrt. Die bäuerliche, dörfliche Bevölkerung führte ein armseliges Dasein. Wenn sie Erzeugnisse in die Stadt verkaufen wollten, mussten sie Zoll zahlen (Zollpöstchen). Wenn sie in der Stadt Waren kauften, mussten sie beim Verlassen der Stadt eine Verkehrssteuer - die sogenannte Akzise - entrichten. Außerdem hatten sie den größten Teil der Landessteuern zu zahlen, da Adel und Kirche steuerfrei waren. Das Verhältnis der Bauern zu den weltlichen Lehnsherren war schlecht. Besser schon zu den kirchlichen Lehnsherren.

Im Sept. 1802 ging das Herzogtum Westfalen in den Besitz von Hessen - Darmstadt über (Beschluss Reichsdeputation, Regensburg ) Der Herrschaftswechsel brachte auf der Gemeindeebene zunächst keine Veränderungen. Die Reform setzte erst später ein. Bei dem Eigentumsübergang von Westfalen an Hessen sollen zwei Millionen Reichstaler Schulden bestanden haben. Diese Schuldenlast soll durch die hohen Abgaben im sieben jährigen Kriege entstanden sein. Hessen-Darmstadt musste die Steuerschraube anziehen, war deshalb in unserer Gegend nicht sehr beliebt. Am 18. 06. 1808 übernahm in den Landgemeinden der Schultheiß den Ortsvorstand. Zum Schultheißenbezirk Niedereimer gehörten auch Breitenbruch, Wintrop und Uentrop. Zu ihrer Zuständigkeit gehörten: kl. Zivil- und Strafsachen, allgemeine Ordnung, Feuerlösch-, Gesundheits-, Wohlfahrts-, Strassen-, Wege-, Gewerbe-, Kirchen- und Schulangelegenheiten, Steuer- und Forstwesen. Der Schultheiß wurde teils aus den Gemeinden, teils aus der Staatskasse bezahlt. Dem Schultheißen zur Seite stand ein gewählter Gemeinderat von vier bis acht Personen. Wahlberechtigt waren alle Haus- und Grundbesitzer. Die Schultheißen haben im allgemeinen die Bewährungsprobe nicht bestanden. Wegen Mangel an Ausbildung wurden sie D e s p o t e n im Kleinen.

Von großem Wert für die hessische Regierung waren die großen Eichen- und Buchenwälder unserer Heimat. Für den Forstbereich war das Oberforstkollegium in Darmstadt zuständig. Die Zuständigkeit bezog sich auf Landes-, Gemeinde-, Marken- und Privatwaldungen. Die Waldungen in Westfalen wurden in die Oberforste Arnsberg und Brilon eingeteilt. Arnsberg verwaltete der Oberforstmeister August von Schwarzkoppen aus Obereimer.

Beim Übergang (Westfalen an Hessen) stellte der Bauernstand die größte Bevölkerungsschicht dar. Die Gruppe der unabhängigen Eigenbesitzer war sehr gering. Wegen der Unteilbarkeit der westfälischen Höfe (Anerbenrecht) hatte sich eine große Schicht sog. Beilieger gebildet, die als Besitz- und Rechtlose Untertanen Tagelöhnerarbeiten verrichteten (ohne Kost 130 Pfennig, mit Kost 55 Pfennig). Sie fristeten ein hartes Dasein. Am 05.11.1809 führte Hessen die unbeschränkte Güterteilung, vornehmlich im Erbfolgefalle ein. Die Ablösung der Grundrente mit den 25fachen Jahresbeträgen wurde gestattet. Die Bauern konnten somit Eigentümer der Höfe werden. Die hessische Regierung gab 1809 das Anerbenrecht auf. Preußen führte es später wiederein. Am 01. Oktober 1806 wurden die Landstände aufgehoben. Damit war auch deren Steuerbefreiung hinfällig (Fr. R.). Die Hessenherrschaft bestand in unserer Gegend nur 13 Jahre.

Der Wiener Kongress hatte am 01. August 1815 den Preußen das alte Herzogtum Westfalen zugesprochen. Die Besitzergreifung des Gebietes durch den Oberpräsidenten der Prov (Provinz) Westf. von Vincke (Blau Kittel) für den Preußischen Staat erfolgte erst im Sommer 1816 - Staatvertrag Preußen mit Hessen - . Es entstanden die Provinzen Rheinland und Westfalen mit den Provinziallandtagen (Ständevertretung). Die preußische Regierung baute die Verwaltung nach ihren Richtlinien neu auf. Auf die Eigenart der Westfalen wurde Rücksicht genommen. Die Provinz Westfalen erhielt die Regierungsbezirke Münster, Minden und Arnsberg.

Der Landkreis Arnsberg besteht seit dem 15. April 1817. Der erste Landrat des Kreises Arnsberg war Herr Thüsing. Dieser holte 1826 das Hirschberger Tor nach Arnsberg. Der Kreis Arnsberg hatte ursprünglich eine andere Form als heute. Von Wickede bis Velmede - Westen nach Osten - und von Werl bis Schöholthausen - von Norden nach Süden - . Schon 1818 wurden die Grenzen wieder geändert. Die am 13. Juli 1827 erlassene Kreisordnung baute weiterhin auf den ständischen Vorstellungen auf. Als Kreisstände wurden die Städte, Landgemeinden und die Gutsbesitzer angesehen. Dies Regelung wurde erst 1886 aufgehoben und durch die Kreisausschüsse abgelöst.

Im Jahre 1837 wurden die neuen Ämter gebildet. Aus den 16 Gemeinden der drei Kirchspiel Hüsten, Enkhausen und Voßwinkel entstand ein Verwaltungsbezirk mit dem Sitz des Bürgermeisters bzw. Amtmannes in Hüsten. Es waren die Gemeinden: Bachum, Bruchhausen, Echthausen, Enkhausen, Estinghausen, Hachen, Herdringen, Holzen, Hövel, Hüsten, Langscheid, Müschede, Niedereimer, Stemel, Wennigloh, Voßwinkel. Die damalige Vereinigung bestand bis auf die Gemeinden Hüsten und Echthausen bis zur Zusammenlegung 1975. Zu dieser Zeit (1837) hatte Bruchhausen 227 und Niedereiemer 240 Einwohner.

Aus dem Zusammenschluss der Gemeinden ist zu erkennen, dass die Kirchspiele und ihre Grenzen noch zu dieser Zeit eine große Rolle spielten und schon mehr als 1000 Jahre bestanden hatten.

In der preußischen Zeit hatten die Landgemeinden einen Gemeindevorsteher und eine Gemeindevertretung. Von 1849 bis Ende 1918 wurden die Vertreter der Gemeinde nach dem D r e i k l a s s e n w a h l r e c h t gewählt. In der ersten Klasse befanden sich jene Bürger, die am meisten Steuern zahlten (1/3). In der zweiten Klasse waren jene, die das 2. Drittel aufbrachten. In der 3. Klasse waren die vielen Kleinbürger und Arbeiter, welche zusammen das dritte Drittel beisteuerten. Durch das Gesetz vom 03. Dezember 1920 wurde das allgemeine und geheime Wahlrecht eingeführt. Das erste B u n d e s b a u g e s e t z machte die Gemeinden zum alleinigen Träger der örtlichen Planung. Die kleineren Gemeinden sind damit fast überfordert.

In Nordrhein Westfalen sind Reformen im Gange, die eine freiwillige und später eine gelenkte Zusammenlegung von Gemeinden zustande bringen sollen. Wir wollen hoffen, dass unsere Heimatgemeinde gut

Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. -3.007.04 (Referat gehalten für den VDK)