Geschichte Ninives



Gemeinde Niedereimer

Es ist meines Erachtens ein Gebot der Stunde, etwas über Niedereimer zu sagen. Alles was man über Niedereimer berichten kann, ist allerdings in einem Vortrage nicht zu sagen. Beginnen wir erst einmal mit dem Namen unseres Ortes.

Die Ortsnamen unserer Heimat sind nicht gleichzeitig durch Anordnungen der Obrigkeit entstanden. Eine Ortsbezeichnung wurde erst notwendig, als man die Lage der Einzelhöfe zur gegenseitigen Unterscheidung benennen musste. Für die Auswahl der Ortsnamen bediente man sich zunächst der besonderen Merkmale auf der Erdoberfläche. Die höhere, tiefere, sumpfige oder bergige Lage des Geländes fand für die Benennung der Orte öfter Verwendung. Die bestehenden Namen einen Fluss- oder Bachlaufes wurden ebenfalls gebraucht. Als die alten Ortsnamen entstanden, konnten die meisten Bewohner des Landes weder lesen noch schreiben. Nur von Mund zu Mund mussten die alten Ortsbezeichnungen überliefert, weitergegeben und bekannt werden. Dadurch sind auch die vielen Unterschiede in der Schreibweise der alten Namen zu erklären.

Unsere Heimatgemeinde wurde in alter Zeit Emmer, Embere oder Imbere genannt. Aus den weiteren Ausführungen geht hervor, dass diese Namen etwas mit Wasser und Feuchtigkeit zu tun haben. Die ersten Ansiedlungen - die Höfe - lagen in Niedereimer im Schwemmlande der Ruhr. Der alte Ortsname war also zutreffend gewählt. Die vorgenannten alten europäischen Wasserworte waren im Laufe der Jahrhunderte vielen Sprachänderungen unterworfen. Erst viel später entstand für die alten Bezeichnungen das Wort Eymer - Eimer.

Die Namen Embere oder Imbere bestanden für die Gesamtgemeinde. Seit dem 13. Jahrh. sind diese Namen durch Urkunden nachweisbar. Die unterscheidenden Zusätze Nieder und Ober wurden erst später hinzugefügt. Niedereimer und Obereimer waren eine Gemeinde bzw. eine Bauernschaft. Die Gesamtgemeinde gehörte schon zu alten Zeiten als Zubehör zum Kirchspiel Hüsten.

Eine Pfarrei wurde ursprünglich von etwa 120 freien Familien (Höfen) getragen. Somit waren die Höfe von Embere der Pfarrkirche in Hüsten zunächst zehntpflichtig. Die Trennung von Ober- und Niedereimer erfolgte erst, als im Jahre 1323 die Stadtkapelle in Arnsberg, die bis dahin eine Filialkirche der Hüstener Pfarrkirche gewesen war, in den vollen Besitz des Klosters Wedinghausen kam.

Zur Festlegung des neu entstandenen Pfarrbezirkes Arnsberg, gegen den alten Pfarrbezirk Hüsten, musste eine neue Abgrenzung gefunden werden. Der Berbkebach bildete bis zum Einfluss in die Ruhr und die Ruhr bis zum Wehr, ausschließlich von 25 Morgen auf dem unteren Teil der Hammerweide die neue Grenze. Damit schied der Ortsteil Obereimer und der größte Teil der Hammerweide aus dem alten Pfarrbezirk Hüsten aus. Diese Grenzen bestanden bis zur Eingemeindung der Orte Arnsberg und Niedereimer am 01. Januar 1975.

Die Ortsbenennungen Ober- und Unter- sind im Sauerlande und auch anderswo mehrfach festzustellen:

Ober - Mittel - Unter - Berge
Ober - Mittel - Nieder - Sorpe
Die Rheininseln : Oberwerth und Niederwerth, u.s.w.

In jedem Falle liegt der mit Ober bezeichnete Ortsteil höher an dem durchfließendem Wasserlauf, als der mit Unter oder Nieder bezeichnete Ortsteil. Um die Beurteilung und Deutung unseres Ortsnamen habe ich mich weiter bemüht. Unseren Ortsnamen von dem Getreidenamen Emmerweizen abzuleiten, ist nicht möglich. Diese Getreideart wird im Hochgebirge angebaut.

Von Herrn Mattner, dem Ortsheimatpfleger des Ortes Emmer an der Emmer bei Bad Pyrmont habe ich einige brauchbare Unterlagen erhalten. Dieser hatte einen Schriftwechsel mit dem Forschungsinstitut für deutsche Sprache der Universität Marburg geführt. Das Institut schrieb: die Worte Emmer, Ambra , Amper, Ammer stehen mit dem häufigen keltischen Wort Ambra und der Bedeutung Wasser oder Wasserlauf in Beziehung. Unser Ortsname lässt sich nur mit dem weit verbreiteten Gewässernamens Typ Ambra oder Ambria vergleichen. Dieser Typ ist nachzuweisen für den Flussnamen Emmer, die an Bad Pyrmont vorbei, zur Weser fließt. Dieser Fluss wurde früher Ambra genannt. Die Nette, die aus der Eifel an Mayen vorbei, in den Rhein fließt, wurde früher Ambra genannt. Mehrfach ist ein Flussname untergegangen und nur der davon abgeleitete Ortsname erhalten geblieben. So im Falle Amern im Kreise Kempen (Ndrh=Niederrhein).

Es ergibt sich die Frage: "Hat die Ruhr oder die Wanne früher auch einen anderen Namen gehabt?". Auch das Westf. Flussnamenarchiv in Münster vertritt die Ansicht, dass unser Ortsname Emmer oder Embere indogermanischen Ursprung hat und die Bedeutung Wasser und Feuchtigkeit hatte. Vergleiche im lateinischen - amis = Strom; gallisch - amber = Fluss. Die Flussnamenstypen sind ihrer Herkunft nach vorgermanisch. Der abgeleitete Siedlungsname Eimer oder Eymer muss jedoch keinesfalls vorgeschichtliches Alter haben. Er ist vielleicht erst im frühen Mittelalter gebildet worden.

Verwandt mit den genannten Namen ist der Flussname Emscher - ein Flussname im Ruhrgebiet - und die Stadt Emmerich am Niederrhein. Auch die Wüstungen - das sind verlassene Dörfer - Emmerke Kreis Warburg und Emmerke Kreis Höxter sind mit unserem Ortsnamenstyp verwandt. Aus dem vorhergesagten ergibt sich nochmal, dass der Ortsname Emmer, Embere - Eimer etwas mit Feuchtigkeit und Wasser zu tun haben wird, von einem Stammwort abgeleitet ist, welches zu den ältesten Wortbildungen Europas gehört. Die Begründungen für unseren Ortsnamen können und brauchen wir uns nicht zu merken. Wir dürfen uns aber merken, dass unser Heimatort an einer feuchten und wasserreichen Stelle begründet wurde.





Nachweisbares Alter der Gemeinde Niedereimer

Die Beweise für das Alter eines Ortes sind nur in Urkundenbüchern nachzulesen und festzustellen. Mir sind nur 2 Urkundenbücher bekannt. Das Seibertzsche Urkundenbuch und das Westf. Urkundenbuch . Bisher wurde angenommen, dass der älteste Beleg und Nachweis für das Alter des Ortes Niedereimer aus einer Urkunde von 1191 zu ersehen sei, in der Gerhard Probst des Klosters Werden a/d (an der) Ruhr, dem Kloster Wedinghausen in Arnsberg Güter zu Embere - Ober- + Niedereimer gegen die Fortentrichtung einer jährlichen Abgabe übereignete - Afterlehen - diese Urkunde ordnete der Historiker des Sauerlandes Landgerichtsrat Seibertz als im Jahre 1191 vollzogen ein. Durch Urkunden im westfälischen Urkundenbuche und deren Übersetzungen konnte aber der Beweis erbracht werden, dass diese Urkunde erst im Jahre 1217 vollzogen worden war. Somit ist diese Urkunde für den ersten urkundlichen Beweis des Ortes Niedereimer unbrauchbar.

Im westfälischen Urkundenbuche ist unter Nr. 54 eine Urkunde aus dem Jahre 1207 enthal-ten. Nach dem Wortlaut dieser Urkunde übergibt die Äbtissin Jutta von Meschede - es handelt sich um die Äbtissin des Klosters Galiläa - welches zwischen dem Dorfe Enste und der Benediktinerabtei - Königsmünster - in Meschede gelegen war - den Wetterhof - in Arnsberg dem Kloster Wedinghausen. Der Wetterhof besteht heute noch und liegt hinter der Landstrasse von Arnsberg nach Hellefeld im Hellefelderbachtal. Es gab in Arnsberg zwei Wetterhöfe, den großen und den kleinen. In dieser Urkunde sind u. a. auch abgabepflichtige Gehöfte in Imber et Imbere genannt. Ein Beweis dafür, dass für unseren Ort schon damals die Unterscheidung Ober- und Niedereimer bestand. Die Urkunde von 1207 ist damit der. älteste mir bekannte Beleg für das Bestehen der alten Bauernschaft Niedereimer. Es sei denn, dass in den um das Jahr 900 angelgten Urbaren - das sind Heberegister der Abtei Werden a. d. Ruhr abgabepflichtige Höfe aus der Bauernschaft Embere für die Pfarrkirche in Hüsten verzeichnet waren. Der geführte Schriftwechsel blieb bisher ohne Erfolg.

Jetzt berichte ich von weiteren Urkunden aus den 13. Jahrhundert, in denen die Bauernschaft Embere genannt wurde.

Westf. Urkundenbuch Urkunde Nr. 575

In dieser Urkunde bestätigte Graf Gottfried von Arnsberg am 22. Nov. 1244 den Verkauf des Brulerhofes bei Estinghausen an das Kloster Oelinghausen. Diesen Verkauf bestätigt auch der Thinggraf Ambosius. Der Gerichtsgraf wohnte auf Emmenlo, das ist heute Wennigloh. Zum Gerichtsbezirk der Thinggrafen gehörte lt. Urkunde auch der Ort Embere, heute Niedereimer. Unklar war, ob der Name Emmenloh mit dem heutigen Ortsnamen Wennigloh identisch war. Auf Anfrage bestätigte Herr Dr. Richlerling, Staatarchiv in Münster, die Richtigkeit.

Westf. Urkundenbuch Urkunde Nr.2333

Graf Ludwig von Arnsberg verkündete am 3. August 1295 das in Arnsberg ergangene Schlussurteil im Streite der Edlen vom Rüdenberge mit dem Provisor ( Verwalter/ Vertreter) der Kapelle in Arnsberg wegen gewisser Äcker, die im Dorfe Obereimer gelegen und zehntpflichtig waren. Das Urteil wurde auch bestätigt durch Arnoldus vom Untern Embere. Anwesend waren noch Helmich und Conradus und weitere Bürger von Embere . Weiter wurde gesagt: "Conrad von Embere wohnte auf einem Gute in Obereimer." Damit ist noch mal der Beweis erbracht, dass Nieder- und Obereimer ein Ort bzw. eine Bauernschaft waren.

Seibertz, Urkundenbuch - Urkunde Nr. 474

Am 7. August 1298 überlässt Graf Ludwig von Arnsberg einen seine Vogtleute und zwar den Helmich von Obereimer dem Ritter Quaterland. Der Ritter Quaterland war vermutlich der Besitzen des Rittersitzes Haus Bruchhausen auf der Klosfuhr - heute Forsthaus - Knaup - Hömberg -

Die vorgenannten Urkunden waren teilweise in lateinischer Sprache abgefasst. Auf meine Bitte war Herr Pater Rose sogleich bereit, die Übersetzungen ins Deutsche vozunehmen. An dieser Stelle sage ich ihm noch mal für seine wertvolle Hilfe herzlichen Dank.

Nun wollen wir unsere Gedanken von den Geschehnissen der alten Zeit in die heutige Zeit hinüber schweifen lassen. Durch die Gebietsänderungs- und Verwaltungsreform wurde tief in das Gefüge unserer alten Dorfgemeinschaft eingegriffen. Für den Bürger, die bestehenden Ortsvereine und die Verbände in den alten Gemeinden entsteht jetzt die große Aufgabe und Verantwortung, die alten Sitten und Gebräuche unserer Dorfgemeinschaft weiter zu pflegen und zu erhalten. Die Vereinsfeste, die Schnadegänge, die Seniorennachmittage, die Ausflüge der Senioren usw. sind in besonderer Weise geeignet, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken.

Auch als Stadtteil können die alten Gemeinden ihr örtliches Eigenleben weiterführen. Es hängt alles vom Einsatz der Bürger ab. Wir wollen hoffen, dass alle Bürger bereit sind, die entstehenden Probleme tatkräftig mitzulösen, um dadurch unser Heimatbewusstsein weiter zu stärken. Für die Heimat tätig zu sein, ist und bleibt eine schöne Aufgabe. Die Parole muss heißen: "Wir lassen unser altes "Ninive" nicht untergehen !

Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. 3.007.01 (Referat gehalten 07.03.1980 im Pfarrheim Niedereimer)