Geschichte Ninives



Die Notwendigkeit und der Weg der Hudegenossenschaft

Bis zum Kriege 1870/71 konnte die Gemeinde Niedereimer als eine reine Landgemeinde angesehen werden. Die Bevölkerung war bis dahin durchweg in er Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Nach und nach fanden zuerst einzelne und später die meisten arbeitsfähigen Einwohner in den Gewerbebetrieben der Nachbarorte Arbeit und Verdienst.

Die Entlohnung in den Gewerbebetrieben war zuerst sehr gering, aber immer noch besser wie in der Landwirtschaft. Um die Ernährung ihrer Familien sicher zu stellen, waren die Industriearbeiter gezwungen, Pachtland zu bewirtschaften. Die Nichtlandwirte aus Niedereimer konnten etwa bis zum Jahre 1885 noch ungefähr 30 Kühe in den fiskalischen ( staatlichen) Waldungen weiden. Diese Weidemöglichkeit wurde dann vollständig aufgehoben. Für Kulturland waren die Pachtpreise sehr hoch bemessen. So musste ein im Tagelohn arbeitender Fabrikarbeiter durchweg 6 - 8 zwölfstündige Arbeitsverdienste aufwenden, um einen Morgen Pachtland zu bezahlen. Dazu kamen dann noch die Unkosten für Gespanne, Pflügen, Dünger fahren, usw.

Die Höfe stellten zwar einige Länder, Gärten und Wiesen für die Verpachtung bereit. Dieses Angebot reichte aber für die Nachfrage nicht aus. Deshalb pachteten viele Einwohner Wiesen und Länder auf der Hammerweide, Berbke, Walbke und im alten Felde der Gemarkung Arnsberg. Dieser unhaltbare Zustand bestand noch nach der Beendigung des 1. Weltkrieges 1914/18. Aus dieser Zwangslage heraus ist es durchaus verständlich, dass mehrere einsichtige Ortseinwohner bestrebt waren, diesen Zustand zu ändern.

Vor dem ersten Weltkriege (1912 - 1916) wurde durch das Kulturamt in Arnsberg die Separation - Umlegung - des Kulturlandes usw. in Niedereimer durchgeführt. Bei dieser Gelegenheit machte der königliche Spezialkommissar Dr. Hill einige Ortseingesessenen auf einen bestehenden Erlass zum Zwecke der Landbeschaffung aufmerksam. In diesem Erlass war bestimmt, dass bei einer Separation, wenn ein Bedürfnis besteht, fiskalische Grundstücke für die Anlage einer Hudefläche ausgewiesen werden können. Dr. Hill wurde von vielen Einwohnern gebeten, auch in Niedereimer eine Hudefläche aus dem fiskalischen Walde auszuweisen. Ein Bedürfnis lag vor. Der Rindviehbestand der kleinen Leute musste wegen Futtermangels und der zu hohen Pachtpreise von Jahr zu Jahr verringert werden. Anscheinen ist dieser Antrag aus Kriegsbedingten Gründen (?) nicht wirksam geworden. Am 25. Februar 1916 richtete der Werkmeister Fritz König namens vieler Interessenten an die Gemeinde Niedereimer die schriftliche Bitte, sich für die Abtretung einer Hudefläche beiden zuständigen Stellen einzusetzen.

Als Ende Juli 1916 noch keine Antwort vorlag, richtete König ein weiteres Schreiben an die Regierung in Arnsberg und bat um Entscheidung des Antrages um Überlassung einer Hudefläche. Ob und wann eine Antwort eingegangen ist, lässt sich aus den noch vorhandenen Unterlagen nicht feststellen.

In Niedereimer bildete sich vorerst eine aus 40 Mitgliedern bestehende Hudegenossenschaft. Am 31. August 1917 stellten die Beteiligten die Satzungen für die Hudegenossenschaft auf. Diese Satzungen genehmigte der Regierungspräsident in Arnsberg am 2. Dezember 1918. Inzwischen hatte die Forstverwaltung ein 10,5 ha großes, mit dicken Buchen bestandenes Gelände, zur Rodung ausgewiesen.

Am 2.September 1919 wurde die Genossenschaft unter Nr. 25 beim Amtsgericht Arnsberg in das Genossenschaftsregister eingetragen. Die erste Generalversammlung der Genossenschaft fand am 20. Juli 1919 statt. Den Genossenschaftsanteil setzte man auf 50,- M (Mark) fest. In dieser Versammlung lag auch ein Schreiben der Oberförsterei in Obereimer zur Stellungnahme vor. Das Forstamt teilte mit, dass für die Abholzung der Hudefläche keine Waldarbeiter zur Verfügung wären. Wohl oder übel mussten sich die Hudegenossen bereit finden, die schweren Buchen selbst zu schlagen. An dem Holzfällen beteiligten sich aber nur ein Teil der Genossen. Deshalb kam es zu einer großen Auseinandersetzung. Schließlich gab man den Genossen, die eine Arbeitsleistung ablehnten, eine Bedenkzeit bis zum März 1920.

Zu der Generalversammlung am 28. März 1920 waren 24 Hudegenossen erschienen. Mit einer Stimmenmehrheit von 2/3 der anwesenden Genossen wurden elf Mitglieder aus der Genossenschaft ausgeschlossen.

Am 28. April 1920 schloss die Genossenschaft einen auf 30 Jahre befristeten Pachtvertrag mit der Forstverwaltung. Der Pachtpreis betrug 36,- M je Hektar.

Der Vorstand der Hudegenossenschaft bestand zunächst aus den Herren

Amtmann Thüsing, Hüsten, Hudevorsteher
Rentmeister Bigge, Hüsten, Kassierer
Werkmeister König, Niedereimer, Schriftführer
Schlossen Johann Rüther, Niedereimer, Beisitzer
Schlosser Arnold Sauerhoff, Niedereimer, Beisitzer

In der Generalversammlung vom 7. Mai 1922 wurde der Vorstand und Aufsichtsrat neu gewählt:

Fritz König Hudevorsteher
Josef Hagedorn Kassierer
Heinrich Kaiser Schriftführer
Johann Rüther Beisitzer
Arnold Sauerhoff Beisitzer

Anton Schmitz
Josef Schnettler
Josef Voss jr.

Die Rodungs- und Kultivierungsarbeiten liefen unermüdlich weiter. Nachdem die Abholzung durchgeführt war, musste das Nutzholz abgefahren und das Kleinholz verbrannt werden. Die Stämme wurden herausgesprengt. Dann begann die Rodung mit der Hacke. Gespanne konnte man wegen den noch vorhandenen Wurzeln und Stämmen nicht einsetzen. Die nach den Sprengungen noch im Erdreich verbleibenden Wurzeln mussten durch Handarbeit herausgehoben werden. Die ganze Fläche wurde etwa 20 cm tief umgehackt und eingeebnet. Zuerst wurden größere Flächen gemeinsam gerodet.

Wegen der unterschiedlichen Arbeitsleistung der Genossen ließ man diese gemeinsame Arbeitsleistung recht bald fallen. Jedem Hudegenossen wurde dann ca. 1/25 der Gesamtfläche zur selbstverantwortlichen Rodung und Kultivierung abgesteckt. Der unterschiedliche Fortschritt, die Gründlichkeit der Arbeit, war auf den einzelnen Plänen bald deutlich sichtbar.

In den Jahren 1920 bis einschließlich 1923 leisteten die Hudegenossen ca. 14.641 Arbeitsstunden. Den Wert einer Arbeitsstunde setzte man bescheiden mit 0,50 M (Mark) an. Schon im Jahre 1921 wurde der erste Teil der Hudefläche mit Grassamen eingesät.

Durch die Geldentwertung bedingt, erhöhte die Forstverwaltung den Pachtpreis von Zeit zu Zeit. Er betrug im Jahre 1923 = 5200,00 Mark je ha. Aus dem Fond zur Förderung der Landwirtschaft - S t a a t s m i t t e l - erhielt die Genossenschaft in den Jahren 1920 bis einschließlich 1923 den Betrag von 273.563,30 M (Papiermark). Von diesem Gelde kaufte man in der Hauptsache Sprengstoff, Kalk, Kunstdünger, usw.

Nach der Inflation war die Genossenschaft ohne Barmittel, die vorhandenen Gelder waren wertlos geworden.

Mit einem von jedem Genossen zu zahlenden Monatsbeitrag von 0,50 RM (Reichsmark) wurde wieder angefangen. Daneben mussten noch der Pachtpreis und noch erhebliche Mittel für Dünger, Kalk, Zäune usw. aufgebracht werden. Wildschaden wurde nicht ersetzt. Die Genossenschaft schloss mit der Forstverwaltung ab 1. April 1925 einen neuen Pachtvertrag ab. Der Pachtpreis betrug 36,00 RM je Hektar.

Die Kultivierungsarbeiten auf der Hude standen unter ständiger Aufsicht des Wiesenbau-meisters Heinemann, Siegen; später Kreiskulturmeister Knie, Arnsberg. Es wurde immer wieder gedrängt, die Hudefläche fertig zu stellen. Über den Fortgang der Arbeiten mussten laufend Angaben gemacht werden. Die Gewährung von Staatsbeihilfen wurde immer wieder von dem Stande der eigenen Arbeitsleistung abhängig gemacht. Die säumigen Genossen, die mit ihren Arbeiten auf den zugewiesenen Anteilen zurück blieben, mussten immer wieder gemahnt werden. Durch die schweren Rodungsarbeiten und den Einsatz erheblicher Eigenmittel bedingt, kamen die Hudegenossen immer mehr zur Überzeugung, dass sie ein Werk schufen, welches durch ein einfaches Pachtverhältnis mit der Forstverwaltung nicht abgegolten sein konnte. Es wurde versucht, das Hudegelände in Erbpacht zu bekommen. Die diesbezüglichen Verhandlungen verliefen im Sande.

Im Jahre 1928 legte der Hudevorsteher König wegen des vielen Ärgers, den er mit den säumigen Genossen hatte, sein Amt nieder. Johann Rüther wurde sein Nachfolger. Ein Jahr später stellte der Schriftführer Heinrich Kaiser sein Amt ebenfalls zur Verfügung. Neuer Schriftführer wurde Josef Stiefermann. Josef Schneider übernahm die Kassengeschäfte von Josef Hagedorn.

In den Jahren 1924 bis einschl. 1929 wurden von den Hudegenossen 10.515 Arbeitsstunden geleistet. An Staatsbeihilfen erhielt die Genossenschaft im gleichen Zeitraum 4100,00 RM. Für diese Mittel kaufte die Genossenschaft erhebliche Mengen Kalk, Kunstdünger usw. Diese Düngemittel mussten in den wenig ertragreichen Boden eingearbeitet werden. Jetzt konnte auch der Wunsch vieler Genossen erfüllt werden, die gesamte Fläche zu vermessen und zu bleibender Eigenbewirtschaftung in entsprechende Stücke aufzuteilen. Die Aufteilung ging so vor sich, dass jeder Genosse einen Teil vor dem Siepen und einen Teil hinter dem Siepen erhielt. In Form von Notstandsarbeiten wurden noch einige restliche Arbeiten auf der Hude erledigt.

Im Jahre 1934 stellte ein Mitglied an die Genossenschaft den Antrag auf Überlassung eines Bauplatzes. Diesem Antrage konnte nicht entsprochen werden, da die Genossenschaft kein Grundeigentümer war. Die Hudegenossen waren allgemein bestrebt, das Gelände käuflich zu erwerben. Mündliche Verhandlungen ergaben, dass die Forstverwaltung an einem Verkaufe des Geländes nicht interessiert war und an dem bestehenden Pachtvertrage festhielt. 1938 wurde Johannes Sonntag für Josef Schäfer zum Kassierer gewählt.

Die Verhandlungen über den Ankauf der Hudefläche setzte man zwar weiter fort, sie verliefen aber negativ. Trotzdem wurden die Genossen gebeten, für eine geldliche Rücklage Sorge zu tragen, damit der Kaufpreis nach Abschluss eines Kaufvertrages gezahlt werden konnte. Anstelle von Arnold Sauerhoff wurde Clemens Schmitz 1940 in den Vorstand gewählt. In Anwesenheit des Landratsvertreters Herrn Assessor von Engel, Kulturbaumeister Knie, Bürgermeister Happel, Ortsbauernführer Grüne musste in der Generalversammlung vom 17.11.1940 die von der Behörde geforderte Satzungsänderung vorgenommen werden Johann Rüther stellte sein Amt als Hudevorsteher zur Verfügung. Josef Stiefermann wurde sein Nachfolger, und Fritz König jr. Neuer Schriftführer.

Wegen des Krieges wurden in den Jahren 1941 - 1946 nur die dringend notwendigen Besprechungen abgehalten. Nach Beendigung des Krieges forderte die amtierende Militärregierung den Rücktritt des Vorstandes und Aufsichtsrates der Genossenschaft. In der Generalversammlung vom 6. Januar 1946 fanden die Neuwahlen statt. Die Militärregierung behielt sich die Anerkennung der Wahlergebnisse vor. Folgend genannte Genossen wurden gewählt und bestätigt:

Josef Stiefermann Hudevorsteher
Johannes Sonntag Kassierer
Fritz König jr. Schriftführer
Clemens Schmitz Beisitzer
Fritz Sonntag Beisitzer
Heinrich Hense Aufsichtsrat
Heinrich Vernholz Aufsichtsrat

In den Jahren 1947/48 waren Bestrebungen im Gange, das Hudegelände mit einer Siedlung zu bebauen. Die Genossenschaft lehnte dieses Vorhaben mit der Begründung ab, dass den Hudegenossen damit die Futtergrundlage für ihre Viehhaltung entzogen würde und sie außerdem um die Früchte ihrer schweren Arbeit und der erheblichen geldlichen Investierung gekommen wären. Zu dieser Zeit wurden von den Nichtlandwirten in Niedereimer 110 Ziegen und noch einige Kühe gehalten. Die Arbeitsleistungen der Hudegenossen konnte von keinem Siedlungsträger durch Geld ersetzt werden.

Bei einer Geschäftsprüfung durch den Genosssenschaftsverband Münster wurde festgestellt, dass die Genossenschaft gemäß § 8 der Satzungen nur für die Dauer von 30 Jahren bestehen sollte. Diese Zeit war am 31. August 1947 abgelaufen. Die Generalversammlung vom 25. April 1948 beschloss den § 8 wie folgt zu ändern: "Die Dauer der Genossenschaft wir auf unbestimmte Zeit festgelegt."

Der Pachtvertrag mit der Forstverwaltung lief am 31. März 1950 ab. Am 8. Mai 1950 wurde für die Zeit vom 1.4.1950 - 31.03.1962 ein neuer Pachtvertrag zu gleichbleibenden Bedingungen abgeschlossen. Die erforderlichen Düngemittel beschafften die Genossen wie in den Vorjahren gemeinsam durch einen Händler.

Immer wieder wurde durch Verhandlungen der Versuch unternommen, das Hudegelände käuflich zu erwerben. Es fanden auch zwei Rücksprachen mit dem damaligen Landesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten durch die Genossen Josef Stiefermann und Johannes Sonntag statt. Greifbare Erfolge waren aber nicht zu verzeichnen.

In der Generalversammlung vom 18. Januar 1951 stimmten die Genossen darüber ab, ob sie das Gelände als Anliegersiedlung oder im freien Verkauf erwerben wollten. Einstimmig beschlossen die Mitglieder, die Hude im freien Verkauf zu erwerben. Die weiteren Verhandlungen sollen durch Josef Stiefermann, Johanne Sonntag und Anton Kaiser (Vertreter seine Vaters) geführt werden.

Am 12. Februar 1951 richtete die Genossenschaft ein begründetes schriftliches Kaufgesuch über die Amts- und Kreisverwaltung an den Herrn Regierungspräsidenten in Arnsberg. Diese Eingabe beantwortete das Forstamt Obereimer mit der Mitteilung, dass der käuflichen Überlassung der gepachteten Fläche keine Bedenken mehr entgegen ständen. Als Kaufpreis wurden 3000,- DM je Hektar genannt. Wegen der erheblichen Eigenleistungen und mehreren mündlichen Verhandlungen war die Forstverwaltung schließlich bereit, den Kaufpreis auf 2000,- DM je Hektar herabzusetzen. Auch dieser Kaufpreis entsprach noch nicht den Auffassungen der Hudegenossen.

Die außerordentliche Generalversammlung beschloss, das zum Verkauf stehende Gelände durch den landwirtschaftlichen Sachverständigen Josef Maas-Hofschulte aus Westenfeld abschätzen zu lassen. Dieser hielt einen Durchschnittswert von 1680,- DM je Hektar für angemessen. Durch weitere Verhandlungen und Eingaben war es endlich gelungen, mit der Forstverwaltung einen Kaufpreis von 1850,- DM je Hektar festzulegen. Dazu kommen die Aufwendungen für Vermessung, Steuern, Notariats-, Gerichtskosten, usw. Die Forstverwaltung beanspruchte und behielt - ohne Vergütung - von der kultivierten Gesamtfläche von 10,5 ha = 1,5 ha zur Verwendung für eigene Zwecke. Einige Genossen waren mit dem vereinbarten Kaufpreise und dem Geländeverlust noch nicht zufrieden. Die Generalversammlung vom 28. August 1953 beschloss aber, den Kauf zu dem festgesetzten Preise, usw. anzunehmen. Die Hilfe bei den Vermessungsarbeiten übernahmen ältere Hudegenossen. Um einen festen Übergang von der ersten auf die zweite Hudefläche zu schaffen, soll das Siepen verrohrt und ein Erddamm mit 4 m Kronenbreite aufgeschüttet werden. Auch diese Unkosten müssen die Genossen zu gleichen Teilen tragen.

Mit der Feststellung der Umringsgrenzen der zum Verkauf stehenden Hudefläche wurde das Kreiskatasteramt in Arnsberg beauftragt. Die Vermessung ergab eine Gesamtfläche von 8.11.91 ha . Der reine Kaufpreis für den Grund und Boden betrug 15.020,34 DM.

Diese Fläche musste nun in zweckdienlicher Form, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bodengüte des Geländes, auf die 25 Hudegenossen aufgeteilt und weiter vermessen werden. Um die Mitglieder der Genossenschaft über eine zweckdienliche Aufteilung unterrichten zu lassen, hatte der Vorstand zu der außerordentlichen Generalversammlung am 5. November 1953 einen Fachmann eingeladen. Dieser schlug der Versammlung vor, die Fläche in 25 Anteile d.h. für jeden Genossen an einem Stück aufzuteilen. Damit war die Versammlung nicht einverstanden. Die Genossen wünschten, einen Anteil vor dem Siepen und einen Anteil hinter dem Siepen zu erhalten. Die Kuhweide soll auf der geringer wertigen Hütungsfläche, entsprechend größer ausgewiesen werden. Die Einzelvermessung wurde in dieser Form ausgeführt. Nachdem die endgültigen Vermessungsergebnisse vorlagen, konnte die Flächenverteilung erfolgen.

Zur Verlosung und Zuweisung der einzelnen Anteile waren in der Generalversammlung vom 24.März 1954 alle 25 Hudegenossen erschienen. Die Verteilung ging wie folgt vor sich: ein Hut enthielt 25 Zettel mit den Namen der Hudegenossen, der zweite die Nummern der einzelnen Stücke. Eine neutrale Person zog aus dem einen Hut einen Zettel mit einem namen und gleichzeitig aus dem 2. Hut einen Zettel mit den Flurstücksnummern. Ohne Zwischenfall konnte auf diese Weise die Flächenverteilung vorgenommen werden.

Der außerordentlichen Generalversammlung vom 23. Juni 1954 lag ein Kaufvertragsentwurf der Forstverwaltung vor. Der Entwurf wurde verlesen, beraten und wie folgt ergänz: die landwirtschaftliche Nutzung der im Eigentum der Forstverwaltung verbleibenden Parzelle 73 = (1,5 ha) wird insofern sicher gestellt, als die Anfuhr von Dünger und die Abfuhr der landwirtschaftlichen Erzeugnisse über den Hudeweg (Parzelle 97) gestattet wird. Die Holzabfuhr aus dem Staatswalde über die Parzelle 62 ist ausgeschlossen. Die Wegerechte sollen beiderseitig im Grundbuch gesichert werden (§ 11).

Auf die Ausübung des Verkaufsrechtes seitens des Verkäufers, oder dessen Techtsnachfolger wird bei der Übertragung des Eigentums an die einzelnen Hudegenossen verzichtet (§12). Nachdem der Kaufpreis für das Gelände von den einzelnen Hudegenossen entrichtet war, konnte der Eigentumsübergang der Grundstücke erfolgen. Am 19. Juni 1956 kam der Notar Dr. Lübke zum Abschluss der Kaufverträge nach Niedereimer. Den Hudegenossen wurde angeraten, für die Zahlung der Grunderwerbssteuer, Barmittel bereit zu stellen. Die Jagt auf dem Hudegelände gehört jetzt zur Gemeindejagd. Der Jagdpächter Salmen haftet ab sofort für den etwa entstehenden Wildschaden.

Nachfolgend genannte Hudegenossen erhielten einen Anteil aus der angekauften Fläche:

1. Heinrich Glaremin, Wannestraße
2. Johannes Glaremin, Oberstraße
3. Adolf Hagedorn, Mittelstraße
4. Heinrich Henkelmann, Oberstraße
5. Josef Hense, Oberstraße
6. Wwe. Elisabeth Kaiser, Mittelstraße
7. Franz Kaiser, Wannestraße
8. Heinrich Kaiser, Schulstraße
9. Fritz König, Schützenstraße 10. Ewald Lichte, Surkhahn
11. Wwe. Paula Lichte, Mittelstraße
12. Fritz Molitor, Mittelstraße
13. Engelbert Osterhaus, Oberstraße
14. August Reuther, Mittelstraße
15. Christoph Reuther, Oberstraße
16. Hermann Reuther, Oberstraße
17. Josef Rüther, Oberstraße
18. Franz Schäfer, Oberstraße
19. Clemens Schmitz, Oberstraße
20. Fritz Sonntag, Mittelstraße
21. Johannes Sonntag, Oberstraße
22. Josef Stiefermann, Mittelstraße
23. Josef Wendel, Mittelstraße
24 Heinrich Vernholz, Oberstraße
25 Emmi Zander, Mittelstraße

Es stellet sich heraus, dass in dem erworbenen Gelände noch eine größere Entwässerungs-anlage eingebaut werden musste. Unter Vorlage eines entsprechenden Planes beantragte die Genossenschaft durch das Kreiskulturbauamt bei der Regierung einen Zuschuss. Die Regierung bewilligte 2600,- DM. Mit diesem Zuschuss konnten die notwendigen Materialien, Rohre, Kies, usw. gekauft werden. Sämtliche anfallenden Erdarbeiten, usw. mussten die Hudegenossen selbst ausführen, oder auf ihre Kosten ausführen lassen. Der oben genannte Betrag wurde gezahlt, sobald die Arbeiten fertig gestellt waren. Zur Vorfinazierung nahm die Genossenschaft bei der Sparkasse in Arnsberg ein Darlehen auf.

Die Generalversammlung vom 24. April 1958 wählte für den verstorbenen Kassierer Johannes Sonntag den Schlosser Josef Rüther als Nachfolger. Weiter beschloss die Versammlung, die noch nicht verteilten steilen Siepenböschungen an die Anlieger gegen die Übernahme der Messung = Gerichtskosten aufzulassen. Außerdem wurde die Versammlung davon in Kenntnis gesetzt, dass der Genossenschaftsprüfer aus Münster den ‚Vorschlag gemacht habe, die Hudegenossenschaft aufzulösen. Die Versammlung war damit einverstanden.

Mit der politischen Gemeinde wurden Verhandlungen geführt, zwecks kostenloser Übernahme der Wege im Hudegelände in das Eigentum der Gemeinde. Der Amts- und Gemeindedirektor stellte dabei an die Genossenschaft das Ansinnen, sich schon jetzt bereit zu finden, auch die Wegeflächen kostenlos zur Verfügung zu stellen, die bei einer evtl. späteren Aufteilung der Hude als Baugelände in Anspruch genommen würden. Da eine Benutzungs-änderung des Geländes in absehbarer Zeit nicht in Frage kommen kann, wurde diese Forderung einstimmig als unzumutbar abgelehnt.

Auf Antrag des gesetzlichen Prüfungsverbandes für Genossenschaften wurde die Hudegenossenschaft gemäss §3 des Gesetzes vom 9. Oktober 1934 (RGB I. Seite 214) von Amts wegen am 18. November 1960 im Genossenschaftsregister des Amtsgerichtes Arnsberg gelöscht. Durch die Auflösung der Hudegenossenschaft ist in unserer Heimatgemeinde ein Gemeinschaftswerk aufgegeben worden, wofür unsere Väter gekämpft, gestrebt und schwer gearbeitet haben.

Die Hoffnungen, welche die Hudegenossen in dieses Gemeinschaftswerk gesetzt hatten, wurden erfüllt. Besonders in den Krisenjahren der Arbeitslosigkeit 1929/33 und im 2. Weltkriege, war die Futtergrundlage für eine intensive Viehhaltung vorhanden und gesichert. Es ist anzunehmen, dass das Werk der Väter für uns und auch für weitere Generationen noch viele Früchte tragen wird.

Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. -3.007.06 Die Notwendigkeit und der Weg der Hudegenossenschaft