Referate von Anton Kaiser   (Archivnr.: VRN-3.009)

Referat Nr. 3.009.04  Salz – Salinen und die Erbsälzer zu Werl

 

 

Salz - Salinen und die Erbsälzer zu Werl

 

Im Markenteilungsverfahren machten die Erbsälzer von Werl ihre Nutzungsberechtigung an der Niedereimer Holzmark geltend. Es ist leicht möglich, dass unsere Vorfahren in frühester Zeit den Erbsälzern eine Holznutzung im Niedereimer Walde eingeräumt und gegen Holz Kochsalz eingetauscht haben. Das Salz war der Menschheit schon seit Urzeiten bekannt und unentbehrlich. Ganze Straßenzügen wurden von den Salzorten ausgehend, als Salzstraßen benannt. Über schlechte Wege und über weite Strecken musste das Salz ins Land gefahren werden. Wohl dem, der wie wir, verhältnismäßig nahe bei den Salzorten wohnte.

 

 

Geschichtliches

 

In ältester Zeit reichte ein Meerbusen, die „Bucht von Münster“ bis an den Nordrand des Haarstranges. Das Meer hatte in vielen tausend Jahren an den Randgebieten möchtige Salzbänke abgelagert. Nach und nach senkte sich der Meeresspiegel. Dadurch wurde die Soester  Börde, das Münsterland und Norddeutschland frei von Meerwasser. Die Salzlager am Haarstrang wurden mit der Zeit durch eine starke und fruchtbare Schwemmbodenschicht überdeckt. Schon im 8. Jahrhundert entdeckten die damaligen Bewohner des Landes die Salzquellen bei Unna – Königsborn, Werl, Sassendorf, Westernkotten, usw. Mit primitiven Mitteln versuchte man die Quellen zu nutzen. Urkundliche Nachrichten über die Salzfunde und die Aufbereitung der Sole zu Salz sind sehr dürftig, da das Sälzer - Archiv in Werl 1382 verbrannte.

Die Stadt Werl war schon in alter Zeit Sitz einer Grafenfamilie. Auch die Grafen von Arnsberg stammten aus diesem Geschlechte. Aus späteren Urkunden geht hervor, dass die Arnsberger Grafen auf ihrem Grundeigentum in Werl Salzbrunnen hatten. Die Salzbrunnen wurden von bestimmten Familien nach einem Erbrecht betrieben. Dieses Erbrecht ließen sich die Werler Sälzer mehrfach durch die Erzbischöfe von Köln als Landesherren und 1356 sogar durch den Kaiser Karl IV als Manneslehen bestätigen. Die goldenen Bulle (Urkunde, in Gefäß eingeschlossen)von 1356 regelte u.a. die Rechte der deutschen Kurfürsten. Dazu gehörte auch das Recht der Fürsten zur Salzgewinnung.  Salzregal.  In Diesem Zusammenhang entstand der Begriff - Erbsälzer -. Nur diese waren berechtigt, Salz zu sieden. Die Salzgewinnung in Werl hatte eine große Bedeutung und Entwicklung.

Beispiel: Herr von Luerwald   zur  Borg  hatte einen Anteil an einem Salzwerk geerbt. Die Ausbeutung überließ er den Erbsälzern. Die jährliche Pacht betrug am Ende des 14. Jahrhunderts 15.- M  und stieg bis 1752 auf 400.- M (Mark) für den Anteil.

 

 

Stellung der Erbsälzer in der Stadt Werl

 

Im Mittelalter gab es in Werl 4 Gilden (Zünfte). Sälzer, Bäcker, Bauleute  und  Kaufleute. Außer den Gilden bestand in Werl eine adelige Burgmannschaft. Dies war die Besatzung der Werler Burg – Wickeder  Str.  Weisenhaus  -, die dem Erzbischof von Köln gehörte. Nach dem allmählichen Verfall der Burgmannschaft bemühten sich die Sälzer den Vorrang vor den anderen Gilden in Werl zu gewinnen. Zuerst entstand ein Streit wegen der Erhebung des Zolles und der Abgabe der  Accise -  Warensteuer (Erklärung siehe Seitenende) für das verkaufte Salz an die Stadt Werl. Diese Abgaben und dieser Streit wurden hinfällig, als der Erzbischof von Köln Friedrich III  1356 die Salzwerke in Werl für Regalien (Erläuterung siehe Seitenende) erklärte und das volle Eigentumsrecht auf die an den Salzbrunnen geltend machte.  – Recht  durch  die  Goldene  Bulle – wegen der Sachkunde und unter Berücksichtigung der langen Zeit, in der die Sälzer die Brunnen betrieben hatten, bestätigte er sie und ihre männlichen Nachkommen als Erbsälzer. Die Entrichtung des Ertragszehnten wurde ihnen auferlegt. Durch die Entrichtung des Zehnten vielen für die Stadt Werl der Zoll und die Warensteuer fort. Diese Regelung wurde somit ein Nachteil, für die Sälzer und auch die Stadt Werl. Einer der Sälzer wurde alljährlich zum Richter bestimmt, welcher die besonderen Angelegenheiten des Salzamtes zu schlichten hatte. Das Gericht bestand bis zum Jahre 1848  - Baubüro   Schule –

In der Soester  Fehde  kämpften die Werler Bürger auf der Seite des Erzbischofs. Sie Soester griffen 1445 die Stadt Werl an und zerstörten ein Salzwerk, gegen 100 Wohnhäuser und 7 Salzhäuser.

Im 15. Jahrhundert entstanden wieder Streitigkeiten zwischen den Bürgern in Verbindung mit den Gilden auf der einen Seite und den Erbsälzern in Werl auf der andren Seite. Die Erbsälzer erstrebten und erhielten auch im Laufe der Zeit  in der Stadt Werl eine Sonderstellung.

Die Salzgewinnung wurde immer weiter ausgebaut. Aber immer wieder hatten die Erbsälzer viele Mühe, die Salzbrunnen vor dem Eindringen wilden Wassers aus einem nebenher fließenden Baches zu schützen.

Im 30jährigen Kriege war die Lieferung des Lüneburger Salzes unterbrochen. Dadurch nahm die Salzbereitung in Werl einen großen, bis dahin nicht gekannten Aufschwung. Am 1.6. 1665 bestätigte der Erzbischof von Köln den Erbsälzern nochmals ihre Statuten und Privilegien. Danach musste aber auch der kurfürstliche Amtmann den für jedes Jahr ausgewählten Platzrichter bestätigen. Es war auch einem Sälzer verboten Holz zu kaufen, um es einem anderen Sälzer weiter zu verkaufen, Die Sälzergenossenschaft  - G i l d e -  führte der Sälzeroberst.

Am 15.4.1708 erhielten die Erbsälzer von Werl die bevorzugte Stellung bestätigt, auf die sie schon mehrere Jahrhunderte hingearbeitet hatten. Kaiser Joseph I. stellte ihnen in Wien das Adelsdiplom aus. Aber nur einzelne Erbsälzer lösten erst im Jahre 1756 das kostspielige Schriftstück ein.  - U.a.  von  Papen. – Die oben genannten Statuten bestanden bis zum Ende des Herzogtums von Westfalen im Jahre 1803.

Die Rechtsnachfolger des Kölner Kurfürsten  - Hessen  +  Preußen  erhielten als Ausgleich für den früher vereinbarten Zehnten eine Abgabe von den Sälzern, die durch die besondere Rentei (besonderes Rentamt=Verrechnungsstelle) verrechnet wurde, später Salzsteuer.

 

 

Förderung und Aufbereitung des Kochsalzes

 

Das für Mensch und Tier unentbehrliche, lebensnotwendige und meist gebrauchte Speisegewürz, bietet uns die Natur als Steinsalz, Meersalz und Solesalz an. Salz ist auch in natürlicher Form im Gemüse und im Fleisch vorhanden.

Das  Steinsalz   kommt in der Natur in fester Form vor. – Berchtesgaden  - Die Streusalzlager werden bergmännisch abgebaut. Zunächst werden die Sollen bis vor die Bänke getrieben. Dann sprengt man die Bänke auf, damit der Abbau überhaupt möglich wird. An andern Stellen werden die Salzbänke von außen angebohrt. Durch diese Bohrlöcher löst man dann unterirdisch  die Bänke mit Wasser auf  und fördert dann die Sole. In heißen Ländern wird das Meerwasser, welches durchschnittlich 3% Salz enthält, eingedunstet und dadurch das Meeressalz  gewonnen.

Das Solesalz  wurde in Werl aus den im Boden befindlichen Solequellen gewonnen. Die Sole hatte einen Salzgehalt von ca. 8,2%. An den bekannten Stellen errichtete man zunächst die Salzbrunnen. Die Förderung  der Sole  erfolgte in alter Zeit durch die sogenannten Schwenkruten. Später durch eine von einer Dampfmaschinen angetriebenen Pumpe. In Unna-Königsborn habe ich noch 1925 eine Pumpanlage in Betrieb gesehen. Die Dampfmaschine war etwa 100 Jahre alt und in England gebaut worden. Die Pumpenarme bestanden noch aus Holz.

Neben den Brunnen benötigte man zur Salzgewinnung die Gradierwerke. Dies waren einige Meter hohe Holzgerüste, die an allen Seiten mit Dornbüschen ausgefüllt waren. Die geförderte Sole wurde durch Holzrohre auf die Gradierwerke gepumpt. – Eisenrohre    rosteten   zu   schnell ! An den künstlichen Reisigwänden rieselte die aufgepumpte Sole tropfenweise herunter. Hierdurch verdunstet ein Teil des in der Sole enthaltenen Wassers. Die zierst aufgepumpte Sole hatte einen Salzgehalt von etwa 8%. Durch die Verdunstung des Wassers erhöhte sich der Salzgehalt  der unten wieder aufgefangenen Sohle um einige weitere Prozente. Deshalb wurde dieser Vorgang öfter wiederholt. Auf natürlichem Wege erreichte man, dass die Sole, bevor diese in die Siedehäuser kam, schon einen verhältnismäßig hohen Salzgehalt hatte. In den Siedehäusern waren große Pfannen aufgestellt, die von unten beheizt wurden. Früher mit Holz, später mit Steinkohle. Die Sole wurde in den flachen Sudpfannen, durch die Hitze weiter eingedampft. Bei fortgesetztem Eindampfen scheidet sich schließlich das Kochsalz als reines Siedesalz aus.

 

 

Verwendung

 

Wie schon gesagt, ist das Kochsalz lebensnotwendig. Auch für das Blut bei Mensch und Tier. Kochsalz ist im menschlichen Körper mit etwa 170g enthalten. Das Kochsalz ist mit einem gewissen Bestandteil für den Geschmack der Nahrung unentbehrlich. Es wird weiter dringend gebraucht für das Pökeln (haltbar machen)von Fleisch und Fisch; für das Auftauen von Eis und Schnee; das Glasieren von Steinzeugwaren; als Hausmittel zum Gurgeln bei Katarrhen (Schleimhautentzündung); in der katholischen Kirche bei der Bereitung von Weihwasser und bei der Taufe.

In den Badeorten werden Bäder mit 1-5% Salzzusatz verabreicht. Auch wird das Badewasser mit der sogenannten Mutterlauge angereichert. Natürliche  Sole -  Kohlensäure. Durch diese Bäder erreicht man eine bessere Durchblutung der Haut und regt damit den Kreislauf an.

Kalium- , Calcium  und   Ammoniumsalze   finden als Handelsdünger in der Landwirtschaft  Verwendung. Der Salzverbrauch für die Ernährung betrug 1953 in Deutschland  6,88kg je Einwohner. Das mindestens 85%ige Speisesalz unterliegt in Deutschland der Besteuerung. 1938 betrug die Salzsteuer 12,0 RM (Reichsmark) je 100 kg.

Um 1850 wurden in Werl jährlich gegen 175 000 Zentner Salz gewonnen = 87 500 Tonnen = 4370 Güterwagen à 20 Tonnen.

Weitere Salzorte in Deutschland: die o.g.(oben genannten) Königsborn,  Sassendorf, Westernkotten, Lüneburg,  Halle,  Reichenhall, usw.

In Salzuflen ist die Salzgewinnung seit 1048 bezeugt. Täglich wird das Kochsalz gebraucht. Sehr selten machen wir uns Gedanken darüber, wie wertvoll und unentbehrlich das Speisesalz ist. Mögen diese Ausführungen dazu beitragen, in der Zukunft dem einfachen Kochsalz etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

 

Blätter  zur  näheren   Kunde  Westfalens.  Jahrg .   1879 – Dr. K. Tücking

Der   Große   Brockhaus  –  Ausgabe  1955

Eigenes   Wissen

 

 


Aufschlag (Accise) nennt man insbesondere in Süddeutschland und Österreich die indirekte Aufwandsteuer, welche auf im Inland erzeugte und in den Verkehr gelangende Waren gelegt wird (Malzaufschlag, Branntweinaufschlag).    Accise = Stadtzoll

 

Handelsregalien:  Salzregal

Handelsregalien sind Regalien, auf Grund deren dem Staate der Alleinhandel mit gewissen Produkten zusteht, wie der Verkauf von Tabak, Branntwein etc. Wo sie heute vorkommen, bilden sie eine besondere Form der Erhebung von Auswahl Aufwandsteuern (s. d.). Quelle: Meyers Konversationslexikon

Unter Salzregal versteht man ein mittelalterliches Monopol auf den Handel mit Salz.

Vom 12. bis über das 15. Jahrhundert hinaus bestand für die Stadt Lüneburg ein Salzmonopol, das als "königliches Recht" (= Regal gegen Zahlung einer entsprechenden Summe) an die Stadt verliehen wurde. Es handelt sich hierbeivor um ein Monopol, das für Norddeutschland und die Ostseeanrainer galt. Es wurde gegen konkurrierende Salinen z. B. in Schleswig-Holstein auch mit Gewalt durchgesetzt.