Referate von Anton Kaiser   (Archivnr.: VRN-3.009)

Referat Nr. 3.009.05  Gedanken  - Löhne, Preise, Gewerkschaft……

 

 

Gedanken

 

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges lag  Deutschland   in Trümmern. Die damalige Bundesregierung versuchte zuerst durch viele Vergünstigungen bei Investitionen usw. die Industrie wieder in Gang zu bringen. Warenangebote für den Erwerb und Verbrauch der Arbeiter, Angestellten, Beamten waren von 1945 bis zur Währungsreform 1948 in den Geschäften nicht vorhanden. Die Arbeiter haben in dieser Zeit für ein Taschengeld gearbeitet. Es bestand ein ausgesprochener Tauschhandel.  Gibste  -  Gibste . 

Auch nach der Währungsreform 1948 wurde die Industrie weiter gefördert. Als aber dann die Arbeitnehmer vorsichtig und bescheiden Lohn- und Gehaltsverbesserungen forderten, entstand in Arbeitgeberkreisen sogleich ein Alarmzustand. Dafür bestand aber kein Grund. Der Zinssatz für Spargelder betrug damals 3,5 – 4,5%. Die Nettogewinne (Dividende) der Aktienbesitzer dagegen erreichten schon zweistellige Zahlen. Die kleinen Lohn- und Gehaltsforderungen wären durch die gute Ertragslage der Erzeuger zu verkraften gewesen. Weit gefehlt. Die Warenerzeuger stellen unter Berücksichtigung der ersten Lohnforderungen sofort neue Kalkulationen auf. Die Waren wurden beim Hersteller teurer, der Handel folgte diesem Beispiel. Anstatt schon damals, eine gewisse Relation zwischen Löhnen und Preisen herzustellen, wurde jede Lohnforderung mit einer entsprechenden Preissteigerung quittiert. Industrie, Handel und Verbrauchern ging es gut. Der Wohlstand wuchs.

Jetzt (1974) ist in diesem Kräftespiel die Höhe erreicht. Jede Lohnerhöhung wird durch die Inflation aufgefressen. Weitere Lohnerhöhungen und Preissteigerungen beschränken den Wohlstand.

Ein Umdenken ist auch bei den Gewerkschaften notwendig. Zuerst haben sich die Gewerkschaften mit Recht für die berechtigten Forderungen von Arbeitern, Angestellten und Beamten eingesetzt. Auf dem in den letzten 20 Jahren begangenem Wege geht es nicht weiter. Es müssen nun Wege gefunden werden, wie der Inflation ein Halt geboten werden kann, damit die Sparer nicht um die Früchte ihrer Arbeit und Einschränkung gebracht werden. Die Gewerkschaften sind eine große Macht im Staate. Deshalb haben sie auch die Pflicht einzugreifen zur Wiederherstellung geordneter Verhältnisse.

In einem demokratischen Staate kann keine Regierung mit diktatorischen Mitteln in das zeitige Geschehen eingreifen. Als ehrlicher Makler zwischen den verschiedenen Interessentengruppen entschieden aufzutreten ist aber ihre Pflicht.

 

                                                                                                                        1974