Referate von Anton Kaiser   (Archivnr.: VRN-3.009)

Referat Nr. 3.009.06  Gerichtsbarkeit im Mittelalter:  Die Feme

 

 

Gerichtsbarkeit im Mittelalter

 

„D i e   F e  m e“

 

Die unterste Einheit der karolingische Landeseinteilung war im Mittelalter der Go. Der Go entsprach in seinem Umfange dem Großkirchspiel. Dieser Bezirk bildete auch die Zuständigkeit des Gogerichtes, des  Niedergerichtes. In erster Linie hatte es polizeiliche Funktionen. In Notzeiten konnte der vom ‚Volke gewählte Gograf durch Geschrei oder Glockenschlag das Volk zu den Waffen rufen. Eine Blutgerichtsbarkeit besaß das Gogericht in seiner Frühzeit nicht. Über einen auf frischer Tat ergriffenen Verbrecher konnte der Gograf das Todesurteil sprechen. (Hö. S. 33)

In Westfalen bildeten durchweg zwei  Goe  einen  Cominitat  über den ein Graf als Inhaber der Hochgerichtsbarkeit  gesetzt war. Später wurden auch größere Verwaltungseinheiten geschaffen. (Werl 15) . Die vom König ernannten Amtsgrafen richteten im Namen des Königs Königsbann  (Gerichts-  und  Befahlsgewalt), Blutbann  (Recht  über   Leben  und   Tod). Freigerichte hießen diese Gerichte, an denen  Freigrafen  als Richter und  freie  Bauern  als Schöffen urteilten.

Die Nachfolger Karls  des  Großen  entzogen dem Amtsgrafen einen Teil ihrer Gerichtsbefugnisse, indem sie hohe Immunitäten an Bischöfe, Äbte usw übertrugen. Der gesamte Kirchenbesitz, die Güter und alle Hintersassen ( Hintersassen = früher vom Feudalherren abhängige Bauern) unterstanden nicht mehr der Gerichtsbarkeit der Amtsgrafen. Bischöfe und Äbte ließen sich in ihrer Zuständigkeit als Richter durch ihre Vögte, die aus dem hohen Adel standen, vertreten. Es entstanden die sogenannten Vogteigerichte. Die von Karl dem Großen geschaffene Grafenverfassung  konnte sich nicht halten. Die Nieder- und Vogteigerichte setzten sich immer mehr durch, obschon die Freigrafen die ihnen vom König verliehenen Rechte vertraten (Eng 51-Rü. 245). In Westfalen, zumal in unserer sauerländischen Heimat, befanden sich noch viele freie Bauern. Dieser Umstand war die Voraussetzung der Entwicklung der Freigerichte zur Gestalt der „Feme“.

 Für die Weiterentwicklung der Freigerichte war die Beteiligung der bestehenden Freistühle (Femgerichte) der Freigrafen und Schöffen gegeben. (Rü 251). Die Feme führte dann zu einem Wiederaufleben der Freigerichtsbarkeit. Beim Freigericht hatte immer schon der Schwerpunkt in der Strafgerichtsbarkeit gelegen. Dies traf auch für die Femgerichte zu. Es wurden vorrangig Verbrechen abgeurteilt, die mit dem Tode bestraft wurden:  schwerer  Diebstahl;  Raub; Notzucht;  Mord;  Mordbrand;  Meineid;  Verrat  und  Treuelosigkeit; Münzfälschung;  Vergehen  gegen  Kirche  und   Glauben;  Entheiligung   von  Kirchen   und   Friedhöfen; böswillige  Beseitigung  von   Grenzsteinen.

Ein weitere Kreis kleinerer Vergehen die normalerweise mit 60 Schilling Buße bestraft wurden: Vergehen,  welche  die   Sicherheit   der   Königstraßen   und   anderer  Straßen      beeinträchtigten; kleiner   Diebstähle;  Ehebruch   und   Unzucht;  Schlägereien,  bei   denen   größere   Wunden   entstanden;   Scheltwort,  die   schwere  Ehrenkränkungen 

enthielten;  alle  Grenzvergehen   durch   Abpflügen,  Abgraben   und  unberechtigtes    Einzäunen  ( Hö 40 Ents.).

Da die Feme als Königsgericht betrachtet wurde, nahm sie auch das Recht für sich in Anspruch, dort Recht zu sprechen, wo es bei anderen Richten versagt wurde. Dieses weite ausgreifen der Feme förderte die Angst vor ihr.

In der weitern Entwicklung ist noch besonders hervorzuheben, dass die Freischöffen als      Wissende  in persönlichen Sachen im „heimlichen   Gericht“ unter sich, ohne Zulassung von Nichtschöffen Recht sprachen. Der Schöffenstand gelang dadurch an Bedeutung. Wissende mussten Aufnahmegelder zahlen und den Eid zum Schweigen leisten. Höchste Persönlichkeiten waren Feischöffen.

In Keinem Berichte über die Freigerichte „die  Feme  fehlt der Name Arnsberg,  denn hier war der Hauptsitz dieses Gerichtes. Die Gerichtstätte  - Oberfreistuhl – befand sich in einem Garten oberhalb der Jägerstraße am Südwesthang des Schlossberges. Noch heute ist an dieser Stelle ein kleinerer Tisch zu sehen und eine Umrandung aus Bruchsteinen, die als Sitzgelegenheit benutzt werden kann. Diese Einrichtung wurde durch den Arnsberger Heimatbund wiederhergestellt.

Nach Angabe des Historikers  Feaux  de  Lacroix  wurde der Arnsberger Freistuhl erstmalig im Jahre 1174 geschichtlich erwähnt. Der Erzbischof von Köln führt als Stuhlherr die Aufsicht über die einzelnen Gerichtsstühle. Die Femgerichte wurden nur auf westfälischer Erde abgehalten. Wie schon gesagt, hatten sich in Westfalen neben den Adeligen die bäuerlichen Grundbesitzer ihre Freiheit bewahrt. Sie waren Richter im Feigerichte welches über freie Personen und freies Eigentum richteten.

Der Freigraf, der Vorsitzende des Gerichtes, wurde von den Stuhlherren dem Erzbischof von Köln ernannt. Die Freischöffen stammten durchweg aus dem westf. Ritter- bzw. dem freien Bauernstande. Aber auch jeder unbescholtene Deutsche von freiem Stande und ehelicher Geburt konnte als Schöffe aufgenommen werden. Die Aufnahme erfolgte vor einem Freistuhle auf „Roter  Erde“ also in Westfalen. Er musste knieend die linke Hand auf zwei, kreuzweise gelegte Schwerter und dem Stricke des Freigrafen schwören: Die Feme heimlich zu halten vor Weib und Kind, vor Sand und Wind. Falls ein vereidigter Freischöffe von der Heimlichkeit der Losung etwas sagte, konnte er vom Freigrafen und den Freischöffen ergriffen und unverklagt gehängt werden. Durch eine geheime Losung erkannten sich die Freischöffen untereinander. Die Losung wurde streng geheim gehalten und war „Strick,  Stein,  Gras,  Grein“. Ihre Bedeutung war und ist unklar. Der heimliche Schöffengruß bestand darin, dass der ankommende Schöffe seine rechte Hand auf die linke Schulter des anderen legte und sagte: “Eck   grüt   ju,  lewe  Man  -  wat   fang       e    ji    hi    an“. Hierauf erwiderte der Gegrüßte, die rechte Hand auf des anderen linke Schulter legend: “Alles   Glück   kehre   in, - wo  de  Friyen   Schöppen   syn !“ .

Freischöffen zu sein schützte zur damaligen Zeit mehr, als einen kaiserlichen Schutzbrief zu haben. Daher der Zudrang zu dem Bund der Feme. Zum offenen Gericht konnte jeder Freie erscheinen.

Im übrigen galt folgendes:

Wenn die Untersuchung ergab, dass eine Sache vor das Femegericht gehörte, wurde der Angeklagte, wenn er kein Freischöffe war, vor das offene Gericht, war er Freischöffe vor das heimliche Gericht geladen. Den Vorsitz übernahm der Freigraf. Vor ihm auf dem Tische lagen ein entblößtes Schwert und ein  weidengeflochtener Strick. Zur Verhandlung mussten wenigstens 7 Schöffen  aus dem Gebiete der Freigrafschaft anwesend sein; die übrigen Schöffen und Freie bildeten den Umstand.

Der Freigraf eröffnete die Sitzung, indem er den Fronboten – Gerichtsdiener -   fragte, ob Zeit und Stunde gekommen sei, am Stuhle des Kaisers oder Königs ein Gericht unter Königsbann zu hegen (legen ?) . Nachdem dies bejaht war und die ordnungsmäßige Besetzung des Gerichtes feststand, konnte die Gerichtsitzung beginnen. Kläger und Angeklagte konnten sich durch einen Prokurator vertreten lassen. Die Bevollmächtigten mussten Feischöffen sein. Dem Angeklagten wurde die Anklage vorgelegt und er alsdann zur Verteidigung aufgefordert. Diese konnte er auch durch seinen Fürsprecher führen lassen. Als Beweismittel diente der Eid. Der Freischöffe  - der Wissende  -  konnte sich in älterer Zeit durch einen einfachen Reinigungseid von der Anklage befreien. Später schwur der Angeklagte den Reinigungseid  von zwei Eidhelfern  unterstützt. Dieser Eid wurde vom   Beklagten mit der Unterstützung von 6 Eidhelfern überboten. (Dann konnte der Klägern von 12 Eideshelfern überboten werden; der Beklagte siegte, wenn er 20 Eideshelfer hatte.) –Feaux 135 –

Nach der Beweisaufnahme beauftragte der Freigraf einen Freischöffen mit der Findung des Urteils. Nahm dieser die Aufforderung an, so besprach er sich mit den Umstehenden. War die Beratung beendet, so kehrte er mit dem gefundenen Urteil an den Freistuhl zurück. Wenn das Urteil verdammend war, so war die gewöhnliche Strafe der Tod durch den Strang. Der Verurteilte wurde durch die Freischöffen an einem Baum, nicht an einem Galgen aufgehängt.

War ein Angeklagter trotz ordentlicher Vorladung bis 3 Uhr nachmittags vor dem Gericht nicht erschienen, beteuerte der Kläger eidlich die Wahrheit seiner Anklage. Der Freigraf sprach dann die Verfemung aus. Der Angeklagte war dann ehrlos, rechtlos, achtlos usw. =     vogelfrei. Sein Name wurde in das Blutbuch eingetragen. Das Urteil wurde geheim gehalten. Der Ankläger erhielt eine mit sieben Siegeln versehene Urkunde. Auf den Angeklagten warteten hetzt im ganzen Lande viele Henkersknechte um ihn an den Baum zu schaffen. Wenn ein Täter bei einem Mord durch 3 Schöffen auf frischer Tat und unter Eingeständnis der Schuld ertappt wurde, konnten ihn diese ohne weiteren Prozess ergreifen und hinrichten.

Im Jahre 1373 verordnete Kaiser Karl IV, dass im Herzogtum Westfalen niemand ohne Wissen des Erzbischofs von Köln eine Freigrafschaft haben und ausüben dürfte.1383 erhielt der Erzbischof vom Kaiser Wenzel das Recht Freigrafen zu belehen, damit die erledigten Stühle umgehend wieder besetzt würden. Seit dieser Zeit war der Erzbischof von Köln der oberste Vertreter des Kaisers auf der „roten Erde“ in Westfalen. Er konnte im Namen des Kaisers handeln      war   Statthalter  des  Kaisers  der  heimlichen  Gerichte.  Der Erzbischof hatte auch das Recht alle Freigrafen in Westfalen jährlich an bestimmten Tagen in „gemeinen  Kapiteln  zu versammeln und ihre Handlungen zu prüfen. Zunächst fanden die Kapiteln in Soest und Dortmund statt. Die meisten Kapiteln sind in Arnsberg zusammen getreten. Der Arnsberger Stuhl erhielt allmählich ein hohes Ansehen. Im Jahre 1483 nennt Kaiser Friedrich III. den Arnsberger Stuhl „den oberen Freistuhl“

Die westfälischen Gerichte dehnten ihre Zuständigkeit  wegen  der  zerbröckelnden  Reichsgewalt  weit über die ursprünglichen Grenzen aus. Einen großen Schrecken hatten die Zeitgenossen vor diesen Gerichten ergriffen. Geistlikche und weltliche Fürsten wurden Freischöffen. Geistliche, Fürsten und Juden luden sie vor, ohne auf entgegenstehende Rechtssatzungen zu achten. Sie zogen alle Fälle bürgerlicher Gerichtsbarkeit vor ihre Stühle, Klagen und Geldschulden besonders gegen Städte. Die Freigrafen hielten schließlich ihr Gericht für das höchste im Reiche. Diese Überheblichkeit richtete sich selbst.

 

D i e    A r n s b e r g e r    R e f o r m    v o m   J a h r  e    1 4 3 7         Fe. S. 144

 

Als sich die Beschwerden über die westf. Femegerichte mehr und mehr häuften und der Kaiser Sigismund selbst 1435 auf dem Reichstage in Frankfurt eine Revision der Gerichte angeregt hatte, fand sich der  Statthalter  dieser Gerichte  - Erzbischof   Dietrich   II  von    Köln  -   bereit, eine Reformation der Femegerichte vorzunehmen.  Esentstand  die  Arnsberger   Reformation.  (Abg.-ReF).  Die Stadt Frankfurt hatte in Arnsberg Beschwerde erhoben und Auskunft über die Kompetenz des Gerichtes erbeten. Das Gericht hatte ganze Städte und Gemeinden vor Gericht geladen. Es wurde etwas geändert. Zunächst wurde die Ernennung der Freigrafen neu geregelt. Wer Freigraf werden soll, muss echt und recht frei sein, ehelich auf westf. Erde geboren und einen guten Leumund haben.

Der Freigraf darf keinen Freischöffen machen, wenn sein Leumund nicht durch zwei ehrbare wissende Leute bezeugt ist.

Das Vorladungsverfahren wurde neu geregelt.

Wenn ein Freigraf einen Mann verfemen will, kann der Kläger 6 Zeugen mitbringen. Nur diese 6 Zeugen kann der Freigraf vernehmen.

Der Freigraf kann nur dem Kläger den Brief mit 7 Siegeln geben, mit dem Inhalte, dass er einen Mann verfemt hat.

Jeder Freigraf soll ein Register anlegen, in dem alle Männer verzeichnet sind, die er zu Schöffenmachen will und auch deren Bürgen.

Jedermann soll die Vorladung in seiner Wohnung erhalten. Wenn man seine Wohnung nicht kennt, soll an 4 Orten  - Osten,  Westen,  Süden,  Norden - an den Wegscheiden vorgeladen werden.

Wenn die Boten am Tage die Vorladung aus Angst nicht bringen können, muss die Vorladung in der Nacht in den Türring gesteckt werden. Ein aus der Tür geschlagener Span dient als Urkunde der Zustellung.

Eine angefangen Sache kann an keinen anderen Stuhl zur Aburteilung abgegeben werden.

Alle Stuhlherren, Freigrafen und Freischöffen sollen in allen vorgeschriebenen Punkten Recht sprechen. Alle Arglist soll ausgeschieden sein.  Auz.   a.d.  Abg. Ref.

Auf dem Reichstage 1442  in Frankfurt erließ der Kaiser Friedrich III. im Einverständnis mit dem Erzbischof in Köln ein Landfriedensgesetz   (Feaux  S. 139) welches auch die heimlichen Gerichte umfasste. - Frankfurter  Reformation -  Es wurde angeordnet: Die Gerichte sollen mit frommen, verständigen Leuten besetzt werden, wie Karl der Große und die Arnsberger Reformation vorgeschrieben haben. Vorladungen vor die Freigerichte dürfen nur ergehen in Sachen, die dorthin gehören. Das erste Reichsgesetz über die Femegerichte war geschafft. Die Oberstuhlherrschaft wurde dennoch streitig. Der Bischof von Münster wurde tätig. Auf die Beschwerde des Erzbischofs von Köln bestätigte Kaiser Friedrich diesem die Oberstuhlherrschaft und ihn auch weiter als Statthalter. Nur der Erzbischof von Köln dürfe Kapitelstage an dem Oberfreistuhl in Arnsberg berufen. Die westf. Gericht und die Kapitelstage in Arnsberg blieben eine bleibende Einrichtung.

 

Kapitel- und Gerichtssitzungen am Oberfreistuhl in Arnsberg

 

Am 26. Juni 1438 hob der Freigraf  Gerhard  Seynern   in Arnsberg ein Urteil des Freistuhles in Lüdenscheid auf. Durch dieses Urteil tritt Arnsberg schon als Berufungsinstanz hervor.

1439 kann der Prokurator – Sachwalter – des Erzbischofs von Köln zum Oberfreistuhl nach Arnsberg um eine Entscheidung in Sachen  Peter  Wentze  gegen die Stadt         M a i n z   herbeizuführen.

Am 24. November 1439 hielt  der Erzbischof   Dietrich   von   Köln  in Arnsberg ein Generalkapitel ab. Die Stadt Frankfurt hatte den Schöffen   von   Schwarzenberg      delegiert.  Dieser hatte Beschwerden der Stadt gegen die Vornahme von Handlungen des heimlichen Gerichts vorzubringen.

1440, 1441 und 1442 fanden wieder Kapitel in Arnsberg statt.

1458 die  im Kapitel beim Oberfreistuhl zu Arnsberg versammelten Freischöffen erklärten ein vom  Bochumer  Freischöffen gesprochenes Urteil für nichtig.

1460 Ein Bürger von Nürnberg hatte gegen den Bürgermeister der Stadt Nürnberg beim Freigericht Klage erhoben. Der Rat der Stadt Nürnberg hatte den Kläger zum Schwur gezwungen das Kapitel nicht zu besuchen. Der Erzbischof ließ über die Stadt richten. Das Gericht verurteilte die Stadt Nürnberg zur Zahlung von 31 000 Gulden an den Erzbischof.

1461 Am 14. Sept. beschwerte sich der Erzbischof von Magdeburg beim Stuhlherren des Oberfreistuhles in Arnsberg. Bürger von Halle hatten geklagt, sie seinen vor den Freistuhl in Arnsberg geladen worden. Er bat, die Klage an einen gewöhnlichen Richter zu verweisen. Das Gericht in Arnsberg nahm trotzdem die Klage an und verurteilte die Stadt   Halle  zu

50 000 Gulden und 200 Pfund Goldes. Die Hälfte der Summe wurde dem Kurfürsten von  Sachsen  und die andere Hälfte der kaiserlichen Kammer zugesprochen.

Der Verfall der Femegerichte bereitete sich immer weiter vor. Freischöffe zu werden, war für jeden der Geld genug hatte, eine leichte Sache. Die Zahl der  zu  dieser  Zeit  wirklich vollzogenen Todesurteile war gering. Man konnte es getrost wagen, eine Verfemung über sich ergehen zu lassen. Durch reichliche Vergebung von Privilegien  der Städte, Landesherren, Erzbischöfe usw. gegen die Femegerichte wurden diese immer mehr geschwächt. 

Zuletzt erkannten sie nur noch über geringfügige Sachen, Schmähungen, Schlägereien, Feldschaden usw. Aber noch immer ernannten die Erzbischöfe Oberfreigrafen. Das letzte Patent lautete vom 11.Sept. 1784: Sein Inhaber war der Hofgerichtsassessor Franz Willhelm  Engelhard  zu Werl, der das letzte Stuhlgericht zu Allendorf abhielt. Er starb 1835 zu Werl.

Reste der Femgerichte bestanden bis zum Untergange des hl. (heiligen) römischen Reiches Deutscher Nation; am 12. Juli 1806 durch den geschlossenen  R h e i n b u n d  (Bündnis mehrerer westdt. Fürsten geg. den Kaiser . Rheinbund = dt. Fürstenbund).

Im Jahre 1803 kam das Sauerland zu Hessen-Darmstadt; 1816 zu Preußen. Diese neuen Regenten führten ihre eigene Gerichtsbarkeit ein.

 

L i t e r a t u r:

 

Feaux de Lacroix :             Geschichte Arnsbergs 131-151

Rüther:                         Heimatgeschichte des Landkreises Brilon S. 245, S. 251

Engel:                           Politische Geschichte Westfalens S.51

Hömberg:                     Grafschaft, Freigrafschaft, Gografschaft S. 5, S. 58

Hömberg:                     Die Entstehung der West. Freigrafschaften S.1, S. 126