Geschichte Ninives



Soester Fehde

Im Jahre 782 führte Karl der Große durch ein Gesetz in Westfalen die Grafenverfassung zur Verwaltung des eroberten Sachsenlandes ein.

Diese Grafschaften verloren aber schon frühzeitig ihren Amtscharakter. Sie wurden in das Lehnswesen- d.h. die N u t z u n g a n f r e m d e n E i g e n t u m - einbezogen und waren erblich. Zunächst sollte jeder Graf nur eine Grafschaft besitzen. Trotzdem kam es im 10. und 11. Jahrhundert zur Vereinigung mehrerer Grafschaften in einer Hand. Die Grafen von Werl besaßen zu dieser Zeit etwa 15 Grafschaften - d.h. V e r w a l t u n g s b e z i r k e - beiderseits des Hellweges bis hoch hinauf nach Norden. (Eng 51). Zu dem Geschlecht der Grafen von Werl ist mit einigen Vorbehalten noch folgendes zu sagen: Eine große Zahl der vornehmen Sachsen erkannten schon früh die militärische Überlegenheit Karl des Großen. Sie schlugen sich deshalb auf seine Seite. Es erfolgte auch schnell eine Versippung mit fränkischen Adelsfamilien. Unter diesem Gesichtswinkel übergab Karl d. G r. seinem Freunde, dem sächsischen Edelinge E g b e r t, einem Verwandten W i d u k i n d s, einen größeren Landbesitz zwischen Rhein und Weser. Er machte ihn zum Herzog über die Sachsen. Egbert residierte mit seiner Gemahlin Ida - der 1. westfälischen Heiligen - in Werl . Ida war eine Enkelin Karl M a r t e l l s. Egbert und seine Gemahlin I d a begründeten somit das Geschlecht der westfälischen Grafen zu Werl - P ü t t e r . Aus diesem Geschlecht stammten auch die Grafen von Arnsberg. Die Herzogin Ida starb im Jahre 813 in Herzfeld a. d. Lippe. Die unübersichtlichen Herrschaftsräume der alten Geschlechter lassen sich kartographisch nicht darstellen (E n. 77).

Die Amtsgrafen übten die hohe Gerichtsbarkeit im Namen des Königs aus -B l u t b a n n ( R e c h t ü b e r L e b e n u n d T o d ) K ö n i g s b a n n ( A u s w e i s u n g, m i l i t ä r i s c h e r E i n s a t z u.s.w.)

Schon im 10. Jahrhundert wurde der Wirkungskreis der Amtsgrafen stark durchlöchert. Otto der Große (936-973) verlieh den Bischöfen und Äbten eine hohe Immunität - G e r i c h t s- f r e i h e i t , F r e i h e i t d e s Kl e r u s v o n ö f f e n t l i c h e n A b g ab e n + D i e n s t e n . Dadurch wurden der gesamte Kirchenbesitz und die darauf wohnenden Menschen der gräflichen Gerichtsbarkeit und Einflussnahme entzogen. Schließlich waren die Grafengerichte nur noch zuständig für die Grundstücksauflassungen, Verkäufe, Schenkungen, u.s.w. Da der mittlere Adel zum Herrenstande gehörte, war auch dieser Adel, mit seinen Hintersassen (unselbstständige Kleinbauern) der Grafengewalt entzogen.

Von der einstigen Größe des Werler Grafenhauses blieb im südlichen Westfalen nur die Grafschaft Arnsberg übrig. Die Grafschaft Arnsberg ist 1368 an das Erzstift Köln verkauft bzw. verschenkt worden.

Die Städte D o r t m u n d und S o e s t nahmen im alten Westfalen eine besondere Stellung ein. Dortmund war eine freie Reichsstadt. Soest war schon zur Sachsenzeit als größerer stadtähnlicher Ort bekannt. Diese Stadt hatte mit der fruchtbaren Soester Börde einen territoriumähnlichen Status. Soest bildete mit der Börde ein zusammengehöriges Gebiet unter der Oberhoheit des Hzgt (Herzogtums) Westfalen bzw. der Erzbischöfe von Köln ( En 109). Diese Oberhoheit bedeutete für die Stadt Soest ein verpflichtendes Verhältnis gegenüber den Erzbischöfen. Bei dem wachsenden Wohlstande der bedeutenden, reiche n Hansestadt - 13. Jahrh. - und ihrem selbstbewussten Bürgertum - H e r r e n v o n S o e s t - führte das Abhängigkeitsverhältnis zu erhebliche Spannungen. In Soest entstanden Bestrebungen, aus dem Hzgt. Westfalen auszuscheiden. Im Rate der Stadt Soest bestand für das Aussteigen aus dem Herzogtum Westfalen und der damit verbundenen und voraus zu sehenden bewaffneten Auseinandersetzung, keine einheitliche Meinung. In der Stadt bestanden zu dieser Zeit erhebliche Schwierigkeiten zwischen den P a t r i z i e r n (reichen Kaufleuten) und den Zünften ( H a n d w e r k e r g i l d e n ). Deus 1437 vereinigten sich die Landstände des Hzgt. Westfalen unter Führung der Stadt Soest gegen die kostspieligen Pläne des Erzbischofs von Köln (D i e t r i c h von M o e r s 1414 - 1463). Durch kluges Einlenken und Nachgeben konnte der Erzbischof die Landstände besänftigen, nicht aber die Stadt Soest. (Höm. 169). EB (Erzbischof) Dietrich war bestrebt, wie alle Fürsten seine Zeit, absolut zu regieren, auch in Soest. Ein Entgegenkommen sie noch vermerkt: In Arnsberg bestand damals das "W e s t f. O f f i z i a l g e r i c h t" . Das Gericht war für das ganze Herzogtum Westfalen zuständig. Es stand unter dem unmittelbaren Einfluss des Erzbischofes. Im Jahre 1434 verlegte der Erzbischof dieses bedeutende Gericht von Arnsberg nach Soest. Er wollte der Stadt Soest damit eine Gefälligkeit erweisen. Auch diese Gefälligkeit hatte keinen Erfolg. Nach dem Abfall der Stadt Soest vom Erzstift verlegte der Erzbischof das Gericht nach Werl. Hier bestand es offiziell bis 1821. Die Bürger der Stadt Werl waren dem Erzbischof treu ergeben. Sie kämpften auch in den Reihen der erzbischöflichen Streitmacht gegen Soest. (S c h u m. WP 1969).

Es kam zu einer gewaltsamen Lösung, als der EB (Erzbischof) den wachsenden Unabhängigkeitsbestrebungen ein Ende machen wollte. 1435 schrieb der Erzbischof eine Kopf- und Vermögenssteuer für seine Länder aus. Er stellte seine Gerichtshoheit wieder her und wollte seine Landeshoheit über die Stadt und Börde in vollem Umfange wieder anerkannt und respektiert wissen ( En 130). Soest und viele andere Städte waren mit dieser Maßnahme nicht einverstanden (29). Die Stadt Soest war Mittelpunkt des Widerstandes und setzte sich auch noch für die Rechte der kleineren Städte ein (31). Schon 1441 verhandelten die Räte der Stadt Soest mit dem Herzog Adolf von Kleve und ließen durchblicken, dass sie mit seiner tatkräftigen Hilfe rechneten und sich mit dem Gedanken befassten, ihn als Landesherren anzuerkennen (Deus). Die Stadt Soest sagte dem EB D i e t r i c h den Gehorsam auf. Nach 1444 unternahm der EB mit der kurkölnischen Streitmacht Verwüstungszüge in die Börde, welche die Bürger von Soest im kölnischen Gebiete - also in unserer Heimat - beantworteten. Das war der B e g i n n d e r "S o e s t e r F e h d e". Da die Stadt Soest der erzbischöflichen Streitmacht militärisch nicht gewachsen war, wählten sie den Jungherzog J o h a n n von K l e v e, der zugleich Graf von der Mark war, als Schutzherren. - K l e v e: D ü s s e l d o r f - H ö m. 161; M a r k: A l t e n a - B e r g e n t. 18 - . Herzog Adolf von Kleve war 1444 schon 70 Jahre alt. Deshalb überließ er die kriegerische Auseinandersetzung mit dem EB von Köln seinem 25jährigem Sohn, dem Jungherzog Johann I. - Deus.

In der Soester Fehde hat auch das büdericher Zollhaus eine besondere Rolle gespielt. Das Zollhaus war eine Zollschranke zwischen Kurköln und der Grafschaft Mark. Am 12. August 1444 wollten die Soester ihren Schutzherren, den Jungherzog von Kleve, in Büderich abholen, um ihn durch das feindliche Gebiet des Herzogtums zu begleiten. Im Büdericher Zollhaus saß eine kölnische Besatzung, Beim Anblick der Soester stimmten sie auf den Jungherzog von Kleve ein Spottlied an und bezeichneten ihn als Kind. Die verspotten rächten sich, indem sie Dorf- und Zollhaus beschossen, ausraubten und in Brand steckten. Die historische Stätte liegt am westlichen Dorfausgange von Büderich. Auf dem Gelände ist später eine Kapelle erbaut worden, die heute noch besteht.

Unweit dieser Stelle soll auch an einem weiteren Grenzdurchlass bei Holtum ein Wirtshaus "Am Birkenbaum" gestanden haben. Dieser alten Grenzstätte hat sich die Sage bemächtigt, die uns in unserer Kinderzeit recht oft von unseren Eltern wie folgt erzählt wurde: Ein weißgekleideter Fürst mit goldenem Kreuz auf der Brust soll in dieser Schlacht Sieger bleiben. Der Fürst hört, bzw. liest selber am Morgen der Schlacht im Bremen (bei Soest)die Messe. Er steigt von der linken Seite aufs Pferd, blickt von der Haar bei Werl mit dem Fernrohr in die Richtung des Birkenbaumes, betet in Holtum vor dem Kreuz, das zwischen zwei Linden steht. Nach dieser Sage soll am Birkenbaum die große Völkerschlacht der Zukunft geschlagen werden. Wie gesagt eine Sage. Trotzdem haben sich mehrere gelehrte Männer mit der Bedeutung von Sagen beschäftigt haben (P r o f. Z u r b o n s e n, Münster "D a s z w e i t e G e s i c h t" . - M ö h n e t a l s p e r r e - Os t r.(Oberstudienrat) R u- d o l f P r e i s i n g, W e r l "G e s c h i c h t e d e s K i r c h s p i e l s B ü d e r i c h"). Nach der Abholung von Büderich ritt der Jungherzog mit 200 bewaffneten Reisten in die Stadt Soest ein. Er wurde mit Jubel empfangen. Die Stadt Soest schrieb dem EB den Absagebrief auszugsweise etwa folgenden Inhalts: "Wisset Bischof Dietrich, dass wir den Junker von Kleve lieber haben als Sie und hiermit wird Euch abgesagt." Der Jungherzog hatte dem EB schon am 19. Juni 1444 den Fehdebrief geschickt. Der Erzbischof hatte die Kräfte der wohlbefestigten Stadt Soest und Entschlossenheit seiner Bürger unterschätzt. Die Fehde zog sich jahrelang hin und her, kostete viel Geld und Gut und brachte den EB keinen Schritt weiter. Jetzt wäre die Frage berechtigt: "Was hat das alles mit unserm Dorf bzw. mit unserer sauerländischen Heimat zu tun?" Antwort: Im Jahre 1446, am Montag nach St. W a l b u r g a (25.2.), unternahmen die Soester einen großen Raubzug bis vpor Arnsberg. In den Orten Neheim, Lüttgenbrockhuisen - K l e i n B r u c h h a u s e n -, Müschede, Herdringen und Niedereimer brannten sie alles nieder, was ihnen im Wege war. Der Ort K l e i n b r u c h h a u s e n lag etwa in dem Viereck: N a g e l f a b r i k S c h n e t t l e r, U m g e h u n g s s t r a ß e , M a y e r + Co. Und der Ruhr. Bei diesem Raubzug soll auch die Junkerbesitzung - H a u s B r u c h h a u s e n und der H o f V a r n h a g e n in Niedereimer sein. Das Haus Bruchhausen soll auf der Klosfuhr etwa im Raum Forsthaus Knaup - Badeanstalt - Rosenbaum gestanden haben. Der Standort des Hofes V a r n h a g e n steht nicht genau fest. Im Volksmunde wurde gesagt, der Hofe hätte etwa an der Stelle gestanden, wo früher - F r i t z e n s h ö l t k e n - war. - D i r e k t o r B r ü n n i n g - F e a u x d e L a c r o i x schreibt, in der Nähe der dicken Eiche. Von da aus gibt es aber 4 Himmelsrichtungen. Wahr ist, dass der Name V a r n h a g e n in der Besitzung Bösterling in Bruchhausen bis in die neue Zeit weiter bestanden hat. Aus den Unterlagen des Pfarramtes Hüsten und dem Landständearchiv in Arnsberg lassen sich ab 1600 für Niedereimer nur 5 Hofbesitzungen nachweisen. Wenn in unserer Gemeinde ein 6. Hof bestanden hat, ist er (1972) vor 526 Jahren zerstört worden. Nach den Angaben der Herren Pfarrer Schmidt, Hüsten, Pfarrer Schnettler, Oelinghausen bzw. Hellefeld und der Historiker Prof. F e a u x de L a c r o i x raubten die Soester bei diesem Überfall in unserer Gegen folgendes: außer vielem Hausgerät, 160 Pferde, 6 Wagen, 500 Kühe, 100 Kälber, 400 Schweine, 300 Schafe und viele Ziegen. 54 gefangene Frauen ließen sie erst vor den Toren der Stadt Soest wieder laufen. Auf dem Rückwege wurden die Soester von kölnischen Soldaten aus Arnsberg verfolgt. Die Beute konnte ihnen aber nicht abgenommen werden.

Die Bauernschaft Klein-Bruchhausen wurde vollständig zerstört. Hierdurch waren die armen Bauersleute aller Mittel beraubt, die niedergebrannten Häuser wieder aufzubauen und die verwüsteten Höfe weiter zu bewirtschaften. Die hilfsbedürftigen Bewohnen zogen in die Freiheit Hüsten, wo ihnen gestattet und geholfen wurde, ein neues Häuschen zu bauen. Von da aus konnten sie dann nach und nach die eigenen Felder und Pachtungen wieder in Bewirtschaftung nehmen. Ob eine Teilansiedlung der alten Bewohnern den Bauernschaft Klein-Bruchhausen, soweit sie nicht Hofbesitzer waren, im heutigen Gebiet der Gemeinde Bruchhausen erfolgte, konnte ich nicht feststellen. Eine Geländebezeichnung im heutigen Bruchhausen - H ü t t e n a u w e r - deutet allerdings auf eine primitive Ansiedlung hin. Am 29. Oktober des Jahres 1446 wurde die kurkölnische Streitmacht bei Neheim von den Soestern schwer geschlagen.

Alle Bemühungen des EB um Waffenhilfe waren umsonst. Schließlich verpflichtete er für schweres Geld ein berüchtigtes Heer von 8000 bis 12000 thüringischer und böhmischer Söldner zur Waffenhilfe. Dieses Heer wurde schon beim Anmarsch von den Soestern und Märkern vor Lippstadt einmal geschlagen. Der EB verfügte einschließlich der eigenen Truppen über ein Heer von ca. 15000 Mann. Das war für die damalige Zeit ein sehr großes Heer. Die Stadt Soest wurde regelrecht eingeschlossen und 14 Tage lang aus 300 Geschützen beschossen. Am 19. Juli 1447 sollte die Stadt im Sturm genommen werden. Der Angriff brach zusammen. Die Söldner gaben auf. Als 2 Tage später die Verpflegung ausblieb und der EB mit der Zahlung der geforderten 200 000 Goldgulden in Verzug geriet, zogen die Söldner ab (En 140). E i n G o l d g u l d e n = 4 R e i c h s t a l e r

Die Feindseligkeiten zogen sich noch über ein Jahr hin. Durch Vermittlung des Papstes kam es 1449 in M a a s t r i c h t / H o l l a n d zum Friedensschlusse (Eng 141). Der Papst hatte den Kardinal Johann C a r v a j a l als Friedensvermittler gesandt. Nach vielen Verhandlungen verkündete dieser am 27. April 1448 seinen Schiedsspruch. Damit war die Waffenfehde zu Ende. Herzog Adolf von Kleve hat den Friedensschluss noch erlebt. Er starb am 19. September 1448. Der EB behielt die Länder B i l s t e i n und F r e d e b u r g, die er in diesem Kriege erobert hatte (Höm 189). Der Eigentumswechsel wurde aber erst durch einen Vergleich mit dem Nachfolger des EB D i e t r i c h dem EB Pfalzgraf R u p r e c h t b e i R h e i n im Jahre 1464 rechtskräftig. Die Stadt Soest war einverstanden. Das Ergebnis der Fehde und ihrer Schrecken war das Ausscheiden seiner bedeutendsten Stadt aus dem Herzogtum Westfalen. Die Fehde selber war eine Reihe gegenseitiger Schandtaten. Brennen und Plündern was alles (war alles, was) unsere engen Heimat besonders mittraf (Rü). Der Erzbischof D i e t r i c h hatte dem Erzstift durch diese Fehde eine schwere Schuldenlast aufgebürdet.

Die Stadt Soest ist als besiegter Sieger aus der Fehde hervorgegangen. Den EB hat sie abweisen können. Aus eigener Kraft konnte sich Soest aber nicht aus der Vorherrschaft des EB lösen. Durch die Suche nach Militärischer Hilfe geriet sie weiter in Abhängigkeit. In der Folgezeit ist Soest ein Stück der Grafschaft Mark geworden und geblieben. Die einstige wirtschaftliche Blüte hat sie nie wieder erreicht (Eng 131). Das war der Schluss und das Endergebnis als man mal versuchte, Streitigkeiten und Machtansprüche mit dem Schwerte in der Hand auszutragen.



Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. -3.007.08 Aufgrund welcher Voraussetzungen entstand die "Soester Fehde" 1444 - 1449 und Einzelheiten aus den Städten Arnsberg, Soest und Werl