Geschichte Ninives



Unsere Gemeinde, unsere Heimat

Noch vor Abschluss der kriegerischen Auseinandersetzungen zum Zwecke der Eingliederung des Sachsenlandes in das fränkische Reich, gab Karl der Große eine Anzahl Verwaltungsanordnungen, die "K a p i t u l a r i e n" heraus.

Mir der Eingliederung Sachsens war die Einführung des Chirstentums verbunden. Um den Sachsen die Möglichkeit zu geben, den Anordnungen Karls des Großen Folge zu leisten, (Besuch der Messe an den Sonn- und Feiertagen) mussten unverzüglich Kirchen gebaut werden. Durch die "C a p i t u l a t i o d e p a r t i b u s S a x o i a e" wurde bestimmt, dass 120 Familien eine Kirche zu bauen und den Unterhalt des Geistlichen sicher zu stellen hatten.

In den letzten Jahren des 8. Jahrhunderts ermordete B r u n i k o im Rivalenstreit den B o- s o k o. Beide waren Bauernsöhne aus dem Dorfe Hüsten. Durch ein Urteil des zuständigen Gaugerichtes wurde dem Vater des ermordeten Bosoko - T h a n c g r i m - das ganze Gut des B r u n i k o zugesprochen. T h a n c g r i m und seine Söhne, die schon Christen geworden waren, schenkten die durch Gerichtsurteil erhaltene Besitzung dem Abte L u d g e r u s bezw. (beziehungseise) der Kirche zu Werden a.d. Ruhr. Diese Schenkung ist im Jahr 802 in die Hände des Abtes L u d- g e r u s vollzogen worden. Vermutlich wurde aus dieser Zuwendung zu Anfang des 9. Jahrhunderts die erste Kirche in Hüsten erbaut.

Die Besiedlung des Landes bestand zu dieser Zeit nur aus zerstreut wohnenden Bauernfamilien (H ö f e n). Wahrscheinlich bestanden auch schon damals Ansiedlungen (H ö-f e) in Niedereimer ( E m b e r e genannt). Wegen der kurzen Entfernung dieser Höfe zu der Kirche in Hüsten, ist weiter anzunehmen, dass die Besitzer dieser Höfe aus der Bauernschaft Niedereimer für die neue Kirche in Hüsten Abgabepflichtig waren.

Ursprünglich gehörten zum Pfarrbezirk Hüsten auch die Gemeinden Arnsberg, Rumbeck, Neheim, Vosswinkel, Sundern und Enkhausen.

Die Kirche in Niedereimer war noch bis zum Jahre 1951 Filialkirche der Pfarrei Hüsten. Schon im 10. und 11. jahrhundert entwickelten sich aus den Bauernschaften die Markenverbände. Diese Markenverbände waren die ältesten Genossenschaften, die man sich denken kann. An der Spitze des Markenverbandes stand der Bauernrichter oder Holzgraf. Nach sächsischem Recht hatte zu dieser Zeit jede Hofstelle das Recht zur Markennutzung (Holzbedarf, Weide und Mastrecht). Marken waren Reste, des zwischen den einzelnen Rodungen verbliebenen Waldlandes, das noch nicht unter Kultur genommen und somit herrenlos war (A l l m e n d e).

Die Niedereimer Mark gehörte zu den Ruhrmarken. Durch Rodung im Markenwalde konnte die Zahl der Morgen eines Hofes vergrößert werden, dafür musste dann der Rottzehnte oder auch Neubruchzehnte genannt, entrichtet werden. Die Marktordung der Niedereimer Mark wurde alljährlich in der Pfarrkirche in Hüsten verkündet.

Der Ort Niedereimer wird meines Wissens zuerst im Jahre 1191 urkundlich erwähnt, als der Probst Gerhard zu Werden a.d. Ruhr, auf Bitten des Abtes Arnold aus dem Kloster Wedinghausen dem Kloster Güter in E m b e r e übergibt.

Die Zehtberechtigung in Niedereimer hatte zunächst die Mutterkirche in Hüsten; später die Herren vom R ü d e n b e r g e (alte Burg in Arnsberg).Im Jahre 1359 verkauften die letzteren den Zehnten als Kölner-Lehen an das Kloster Wedinghausen, obgleich der Erzbischof von Köln erklärte, es sei Recht, dass derselbe an die Mutterkirche in Hüsten zurückfalle. Da der Herr vom Rüdenberge sich nicht umstimmen ließ, gab der Erzbischof 1360 seine Einwilligung zum Verkauf.

Anscheinend haben die Zehntherren in den folgenden Jahrhunderten die Zehntberechtigung noch öfter verkauft oder verschenkt. Auch nach dem Verkauf bezw. Teilschenkung der Grafschaft Arnsberg an das Erzbistum in Köln (Bildung des Herzogtums Westfalen) im Jahre 1368 blieb die Zehntgerechtigkeit bestehen. Zu schweren Kämpfen und Auseinandersetzungen kam es in unserer Heimat durch die Soester Fehde (1444 - 1449).

Am Montag nach Walburgis (im Februar 1446) dehnten die Soester einen Raubzug bis vor das befestigte Arnsberg aus. Niedereimer wurde schwer heimgesucht. Der Hof Varenhagen, in der Nähe der ehemaligen "dicken Eiche" gelegen, soll ausgeplündert und verbrannt worden sein. Die kurkölnische Schlossbesatzung wurde eingesetzt und schlug die Soester in die Flucht. Das in der ganzen Gegen gemachte Beutegut - 500 Kühe, 100 Kälber, 400 Schweine, 300 Schafe und viel Getreide konnte ihnen aber nicht entrissen werden.

Der Kampf zwischen Reformation und Gegenreformation wurde auch in unserer Heimat in der Hauptsache zwischen den Fürsten geführt. Der Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens " C u i u s r e g i o , e i u s r e l i g i o (wessen das Land, dessen die Religion) bestätigt diese Auffassung. Noch im Jahre 1583 verfügte Gebhard Truchsess, Erzbischof und Kurfürst von Köln, die Abgeordneten des Landtages in Arnsberg zu bewegen, die neuen Lehen anzunehmen. Da er sein Ansinnen nicht durchsetzen konnte, wollte er mit Gewalt seinen Willen durchführen. Es kam im Herzogtum Westfalen zu erbitterten Kämpfen. Die Kämpfe endeten schließlich zu ungunsten des Kurfürsten.

In weitere Bedrängnis kam unsere Heimat im 30jährigen Kriege (1618-1648). Das durchziehende Kriegsvolk plünderte und nahm der Bevölkerung die letzte Habe. 1634 erschien der hessische Söldnerführer B e c k e r m a n n , um seine Vaterstadt zu zerstören.

Wegen eines großen Unwetters (Hochwasser) konnte er seinen Plan nicht ausführen. Die Schwedenschanze in der Herbreme, die vermutlich als Lagerplatz benutzt wurde, - zwischen dem Holzabfuhrweg und der Kläranlage gelegen - ist heute noch zu erkennen.

Der Siebenjährige Krieg 1756 - 1763 hinterließ in unserer Gegend viel Leid und Weh. Das Schloss in Arnsberg hatte im Wechsel französische, hessische und preußische Besatzungen. Auch unser Ort litt schwer unter der Einquartierung, zumal die Höfe die Truppenverpflegung zu liefern und die Kontribution (Kriegslasten)zu zahlen hatten.

Die Auswirkungen der französischen Revolution waren in unserer Heimat nicht sofort spürbar. In den späteren Verordnungen der hessischen Regierung war das Gedankengut dieser Revolution deutlich zu erkennen.

Der letzte Beschluss des Reichstagsausschusses (R e i c h s d e p u t a t i o n s h a u p t- s c h l u s s) im Jahre 1803 f o r d e r t e die S ä k u l a r i s a t i o n .Dadurch wurde K i r- c h e n g u t eingezogen, das der E n t s c h ä d i g u n g weltlicher Fürsten für deren Ver-lust linksrheinischer Gebiete diente. Das Herzogtum Westfalen fiel ebenfalls unter diesen Beschluss und wurde 1803 dem Großherzog von Hessen-Darmstadt zugesprochen.

Die alten Grundbegriffe des westfälischen Bauernstandes waren der hessischen Regierung fremd. Selbst die durch Jahrhunderte bestandene Markenordnung kam in Gefahr. Mit Zähigheit verteidigten die Beerbten ihre Rechte. Die Landstände wurden aufgehoben. In der Bevölkerung erfreute sich die hessische Verwaltung keiner großen Beliebtheit. Zu dem im Jahre 1807 errichteten Schultheißenbezirk Niedereimer gehörten noch Breitenbruch, Bruchhausen, Uentrop und Wintrop.

Am 5. November 1809 wurden alle Bauerngüter für teilbar erklärt und bestimmt, dass die Gutsabgaben mit ihrem 25fachen Betrag abgelöst werden konnten. Der Zunftzwang und die Zunftmonopole wurden 1811 ebenfalls aufgehoben. Einfluss der französischen Revolution.

Durch den "W i e n e r K o n g r e s s 1814/15" sollte die zerstörte Ordnung in Europa wiederhergestellt werden. Die linke Rheinseite wurde zum größten Teile wieder deutsch. Im Jahre 1816 kam unsere Heimat zu Preußen. Durch die Markenteilungsverordnung vom 7. Juni 1821 förderte auch Preußen, die schon von der hessischen Regierung betriebene Markenteilung, um damit klare Rechtsverhältnisse zu schaffen.

Die fünf Beerbten aus Niedereimer stellten im Jahre 1822 den Antrag auf Generalteilung der Niedereimer Mark. Das dadurch eingeleitete Prozessverfahren fand erst am 6. April 1844 seinen Abschluss.

Auf der rechten Seite des Wannebaches erhielten die fünf Beerbten aus Niedereimer 1250 magdeburgische preußische Morgen zugesprochen. Zum Zwecke der Verteilung dieser Fläche auf die einzelnen Höfe, fand etwa zehn Jahre später eine Spezialteilung statt. Der übrige Teil der Niedereimer Mark wurde dem Fiskus zugesprochen mit der Maßgabe, alle übrigen Interessenten abzufinden.

Die Verwaltung des Landes lag bereits seit 1816 in den Händen des Landkreises. Im Jahre 1837 wurden die Amtsverwaltungen gebildet. Niedereimer gehört seitdem zum Amte Hüsten. Die Verwaltung der Gemeinde besorgten der Gemeindevorsteher und die Gemeindevertreter. Die Vertreter der Gemeinde wurden von den Einwohnern der Gemeinde nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt. Diese Rechtslage bestand bis nach Beendigung des ersten Weltkrieges. Bis zum Kriege 1870/71 konnte die Gemeinde Niedereimer als eine reine Landgemeinde angesehen werden. Die Bevölkerung war bis dahin durchweg in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt. Nach und nach entstanden in unserer Gegend Fabrikbetriebe, die es den Einwohnern ermöglichten, auch dort Arbeit zu finden.

Erst nach dem ersten Weltkriege entstand eine grundlegende S t r u k t u r ä n d e r u n g. Das allgemeine, geheime Verhältniswahlrecht wurde eingeführt. Nach diesem Wahlrecht wählten die Einwohner die Parlamente der Gemeinde, des Amtes und des Kreise. Die demokratische Neuordnung war in unserem Vaterlande von Anfang an mit Hypotheken aller Art belastet. Die verantwortlichen demokratischen Kräfte rieben sich schließlich an den extremen Gruppen auf.

Nach 1933 beseitigte die NSDAP die parlamentarische Regierungsform vollständig und regierte autoritär bis nach Beendigung des zweiten Weltkrieges. Am 9. April 1945 besetzten amerikanische Soldaten unsere Gemeinde. Die Vertretungen der Gemeinden, Ämter und Kreise wurden zunächst durch die Militärregierung ermächtigt, konnten aber später auf demokratischer Grundlage frei gewählt werden. In den Jahren 1945 - 1948 war das Bemühen der Bevölkerung nur auf den Erwerb von Nahrung, Kleidung und sonstigen Gebrauchsgegenständen ausgerichtet. Alle lebensnotwendigen Dinge waren für Geld kaum zu erwerben.

Nach der Währungsreform trat eine tiefgreifende Änderung ein. Jedermann konnte die, für den täglichen Gebrauch notwendigen Gegenstände, frei kaufen. Durch die Einführung der freien Marktwirtschaft fand die noch bestehende K o n t i g e n t i e r u n g ein schnelles Ende. Seit dieser Zeit ist der Wohlstand auch in unserer Gemeinde stets gewachsen bis auf den heutigen Tag.

Quellenangabe:

Referate von Anton Kaiser (Archivnr.: VRN-3.007.)
Referat Nr. -3.007.02 (Referat gehalten 07.03.1980 im Pfarrheim Niedereimer)