Original-Urkunde über erste Erwähnung des heutigen Niedereimer



800 Jahre Niedereimer

Nun kann man die Tage bis zum Dorfjubiläum in Niedereimer zählen. Seit etwa zwei Jahren plant und stimmt ein siebenköpfiges Team den Verlauf des Jubiläumsjahres 2007 ab. Natürlich kann dieses Team nicht den gesamten Ablauf des Jahres koordinieren. Dank der Mitarbeit vieler Vereine, Gruppierungen und Organisationen wird über das ganze Jahr ein Strauß vieler bunter Aktionen ablaufen. Die Termine reihen sich wie eine Perlenschnur aneinander und ein gemischtes Programm wird entstehen. Aber nicht nur die Termine stehen im Vordergrund. So wurde bereits der Dorfkalender für das Jubiläumsjahr von heimischen Künstlern gestaltet. Des weiteren soll ein Buch mit Fotografien aus Alt- und Neuzeit und einer darin enthaltenen Chronik entstehen.

Worauf ist dieses Jubiläum zurückzuführen, werden sich viele fragen. Im Jahre 1207 überlässt die Äbtissin Jutta von Meschede dem Kloster Wedinghausen ein Hof in Arnsberg. Hiermit im Zusammenhang werden auch Güter in Imbere (Nieder- und Obereimer) genannt. Diese Urkunde ist die bisher älteste bekannte Urkunde mit der Namensnennung "Niedereimer". Dieses nehmen die Niniviten zum Anlass zu feiern.

Das Motto des Jubiläumsjahres lautet: "800 Jahre Niedereimer * eine lebendige Dorfgemeinschaft * gestern - heute - morgen". Es will zum Ausdruck bringen, dass in Niedereimer alle bereit sind mitzuwirken. Gleichzeitig soll es zeigen das man nicht nur das "Gestern" aufarbeiten möchte, sondern "Heute" gemeinsam feiern will und damit Impulse für "Morgen" setzen kann.

Im Jubiläumsjahr wird es, wie bereits genannt, viele verschiedene Aktionen geben, sie alle hier aufzuzählen wäre nicht möglich. Doch einige Höhepunkte sollen bereits verraten werden. So startet das Jahr am 7. Januar um 15.00 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche und dem anschließendem Neujahrsempfang im Stephanushaus. Den Gottesdienst zelebrieren gemeinsam Propst Dr. Achim Funder und Pfarrer Volker Horstmeier. Die Begrüßung der Gäste erfolgt anschließend durch den Propst Dr. Achim Funder, der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Olga Haakshorst und dem Ortsheimatpfleger Detlev Becker. Die Festrede an diesem Nachmittag hält Altabt Stephan Schröer aus Meschede, der für seine humorigen Reden bekannt ist. Grußworte von Seiten der Stadt überbringt Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel. Pfarrer i.R. Jochen Schwabedissen richtet die Grußworte der evangelischen Gläubigen aus. Hierzu sind, neben den geladenen Gästen, die gesamte Dorfbevölkerung, ehemalige Niniviten und Gäste herzlich willkommen.

Als nächster großer Termin steht der Ostermarkt der Kreativen Niniviten am 17. März auf dem Plan. Am 19. April gastiert das Luftwaffenmusikkorps III aus Münster in Niedereimer. Die Schützenbruderschaft und Siedlergemeinschaft laden zu einem historischen Markt am 5. Mai ein. Zu dem großen Schnadegang des Vereinsrings rund um Niedereimer treffen sich die Teilnehmer am 16. Juni. Der Gipfel des Jubiläumsjahres wird wohl das Dorfgemeinschaftsfest am 18. August werden. Hier erwarten die Besucher viele Überraschungen. Den Abschluss des Jahres bildet das Weihnachtskonzert heimischer Musikgruppen am 30. Dezember 2007, im Anschluss sind Akteure und Besucher noch ins Stephanushaus eingeladen. Genauere Angaben zu den geplanten Veranstaltung werden frühzeitig bekannt gegeben.

Eingeladen zu sämtlichen Veranstaltungen sind natürlich alle Einwohner, ehemalige Niniviten und Gäste. Die Ausrichter einer jeden Aktion würden sich über eine rege Beteiligung freuen. Ein kompletter Terminkalender für das Jubiläumsjahr 2007 wurde an jeden Haushalt in Niedereimer verteilt. Falls jemand noch keinen Kalender haben sollte, liegen noch einige Exemplare in der Sparkasse aus.





Und hier die Übersetzung der Urkunde:

Ich, Jutta, von Gottes Gnaden Äbtissin in Meschede, mache allen zukünftigen wie auch gegenwärtigen Christgläubigen kund, dass ich mit Zustimmung meiner Kanoniker und Kanonissen und meiner Ministerialen (1) den Hof in Wettere (2), der acht weniger als 100 Joch umfasst (3), mit allem, was dazu gehört, für immer den Brüdern in Wedinchusen (4) zu eigen überlassen habe, jedoch unter der Bedingung, dass sie alljährlich aus diesem Besitz abgeben zu Mariä Geburt (5) zwei Malter und zwei Scheffel (6) Hafer, zwei Scheffel Weizen, zwei Scheffel Rogen, zwei Malter Brot, als man vier für einen Heller (7) kauft, vier Pfennig wertes Wachs (8), vier Schafe, zu St. Thomas (9) sechs Solidi von den drei Höfen (10) in Unningthorp, in Imbere und Imbere (11) und zwei Speckschweine, die drei Finger fett sind (12), zu Mariä Reinigung (13) vier Malter und vier Scheffel Hafer, vier Scheffel Roggen, vier Scheffel Weizen, vier Malter Brot, derer man vier für einen Heller kauft, acht Pfennig wertes Wachs, vier Schweine, die einen Finger dick sind (14). Damit aber diese (15) geglaubt und unverändert bleiben, solange sie (16) diese vorgeschriebene Verpflichtungen (17) erfüllt haben, übergeben wir ihnen dieses vorliegende Blatt, das zur Bestätigung mit unserem Siegel versehen ist, als Beweis. Verhandelt wurde dies im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1207, 20. Epakte, 10. Indiktion, 7. Konkurrenz.

(Dr. Helmut Böhm)



Legende und Anmerkungen:

  1. Kanoniker: Geistlicher, der Mitglied des Kapitels an einer Bischofskirche ist bzw. an einer Abteikirche war; Kanonisse: Stiftsdame, d.h. unverheiratete Frau, die, ohne Gelübte abgelegt zu haben, in einem Kloster lebte und dies unter Mitnahme ihres Vermögens wieder verlassen konnte, etwa um zu heiraten;
    Ministerialer: ursprünglich leibeigener Dienstmann eines Hochadeligen, eines Bistums oder Klosters, der mit Verwaltungsaufgaben oder Kriegsdiensten betraut und seit dem 13. Jh. zum niederen Adel gerechnet wurde.
  2. Wettere: Wetterhof in Arnsberg
  3. Der Hof umfasste also 92 Joch zu je 0,57428 ha
  4. Wedinchusen: Kloster Wedinghausen bei Arnsberg
  5. Mariä Geburt: 8. September
  6. Malter: ca. 150 Liter, Scheffel: ca. 41 Liter
  7. Heller: Münzeinheit mit regional und durch Münzverschlechterungen unterschiedlichem Wert; ebenso Pfennig und Solidus (d.i. Schilling). Offenbar sollte das Brot aus zwei Maltern Getreide gebacken werden.
  8. vier Pfennig wertes Wachs: Wachs im Wert von vier Pfennig
  9. St. Thomas: 21. Dezember
  10. Uentrop, Obereimer und Niedereimer bestanden im Mittelalter vermutlich aus jeweils nur einem Gutshof. Die Lage des Gehöfts in Niedereimer lässt sich nicht bestimmen, in Obereimer dürfte es sich um das spätere Haus Obereimer, seit 1816 staatliches Forstamt, gehandelt haben, in Uentrop um den früheren Hof Schulte-Uentrop
  11. Unningthorp: Uentrop, Imbere und Imbere: Obereimer und Niedereimer
  12. die drei Finger fett sind: die eine Fettschicht von drei Fingern Dicke besitzen
  13. Mariä Reinigung: 2. Februar
  14. Vgl. Anm. 12. Die Dicke der Fettschicht hing von der Jahreszeit ab, in der die Abgabe zu erbringen war.
  15. diese: diese Bestimmungen
  16. sie: die Mönche in Wedinghausen
  17. diese vorgeschriebene Verpflichtung: diese oben geschriebene Verpflichtung
(Dr. Helmut Böhm)