75 Jahre Kriegsende – 6. Tafel: Kriegserinnerungen

Aus den teilweise erschütternden Zeitzeugenberichten:

Verdunkelung war Pflicht

„In den Kriegsjahren war die Verdunkelung aller Fenster im Haus, vor Einbruch der Dunkelheit bis zum Hellwerden, Pflicht. Um die Fenster dicht zu bekommen, nahm man Decken oder einfaches, dunkles Papier. Falls doch einmal ein Lichtschein zu sehen war, wiesen uns die Nachbarn darauf hin. Hierauf reagierte man dann äußerst schnell und pflichtbewusst.“

 

Der liebe Gott hält die Flugzeuge nun fest

„An den Krieg kann ich mich nur bruchstückhaft erinnern, aber einiges ist mir tief im Gedächtnis geblieben.

Wenn wir die Sirenen hörten, liefen wir voller Angst zu unserem Nachbarn in den Keller. Dort saßen wir zusammen auf Bänken. Ich spielte mit einem Holzvogel, den mir unser Pole Vinzenz gebastelt hatte. Wenn der Lärm der Flugzeuge immer näher kam, beteten alle: „Hilf Maria, es ist Zeit, hilf Mutter der Barmherzigkeit“. Einmal bin ich vergessen worden. Alle waren bei Hoppes im Luftschutzkeller. Da stellte man fest, dass ich fehlte. Meine Tante hat mich dann noch geholt.

Es gab auch tagsüber Angriffe auf die Bauern auf den Feldern, so zum Beispiel auf meinen Vater und Opa. Mein Vater flüchtete in den Graben an der Wannestraße, mein Opa ins Feld.

Eine Bombe ging bei der heutigen SGV-Hütte runter.

Bevor die Amerikaner kamen, wurde uns gesagt, wir sollten nicht oben in unserem Haus schlafen, falls es zu Gefechten käme. Darum schliefen wir auf der Kartoffelbanse, ich zusammen mit unserer Russin Sina.

An einem schönen Sommertag, nach dem Krieg, saß ich mit meinem Vater vor unserer Deelentür auf einem großen Stein. Plötzlich hörte ich ein Flugzeug. Schreiend bin ich ins Haus gelaufen. Mein Vater lief hinter mir her, nahm mich in den Arm und sagte: „Du brauchst keine Angst mehr zu haben. Der liebe Gott hält die Flugzeuge nun fest.“

aus „Der Ninivit“ – Heft 12

 

 

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