Schnadegang 2003
mit Historienspiel



     Am 28.06.2003 fand wieder der traditionelle Schnadegang statt, nachdem er im letzten Jahr wegen der Amtseinführung von Probst Funder und Pastor Siepe ausfallen mußte.

     In diesem Jahr wartete aufgrund zweier Jubiläen eine zusätzliche Überraschung auf die vielen Besucher. Aber auch dieses mal hatte der Wettergott, wie auch schon vor zwei Jahren, kein Einsehen mit den zahlreich erschienenen Schnadegängern.

     Pünktlich zu Beginn des Schnadegangs um 14:30 Uhr öffneten sich die Schleusen zu einem sintflutartigen Regen, der Manchen, der über 100 Teilnehmer, wieder frustriert den Rückzug antreten ließ. Die übrig gebliebenen 67 Unentwegten machten sich dann aber doch mit Galgenhumor auf den Weg Richtung Bruchhausen.

     Auf halbem Weg wurde eine erste Rast eingelegt, bei der auch gleich die obligatorischen Pohläsungen vorgenommen wurden. Hierbei erhalten die zum ersten mal am Schnadegang Teilnehmenden "Schläge" auf das Hinterteil, wobei sie gleichzeitig noch einen Treueschwur aufsagen mußten. Als kleines Entgegenkommen ersparte man den Delinquenten jedoch das Herunterlassen der Hosen. Als Belohnung für die erduldete "Prügel" erhielten alle "Pohläser" einen stärkenden Schnaps.

     Dann trafen sich die die ca. 70 Schnadegänger mit den "Fußkranken und Wasserscheuen" am ehemaligen Standort der Dicken Eiche am Himmelpfortener Weg. Über 240 Schaulistige hatten sich an der geschichtsträchtigen Stelle im Wald eingefunden. wo die Hauptattraktion dieses Tages - das Historienspiel aus Anlaß des 150jährigen Besuches des damaligen Königs und weiterer Majestäten sowie des 80jährigen Jahrestages der Vernichtung unserer "Dicken Eiche" durch Feuer - auf alle eingeladenen Einwohner wartete.

     Das Wetter zeigte sich ab diesem Zeitpunkt auch wieder von seiner trockenen Seite, so daß die gebotenen Aufführungen unter großem Applaus trocken über die Bühne gehen konnten. Das Historienspiel erinnerte an zwei große Ereignisse in der Geschichte des kleinen Ortes, den königlichen Besuch 1853 und den Brand der Dicken Eiche 1923, der einst drittgrößten Eiche Deutschlands.

     Vor 150 Jahren besuchte der König von Preußen, der auf dem Weg zur Schlosseinweihung in Herdringen war, die "Dicke Eiche", die 24 Schulkinder in ihrem ausgehöhlten Inneren beherbergen konnte. Näheres zur Geschichte der "Dicken Eiche" kann hier bzw. über den obigen Menüpunkt "Geschichte" nachgelesen werden. Dort findet man auch alten historische Fotos von der "Dicken Eiche".

     Eine Schule gab es damals in Niedereimer allerdings ebensowenig wie eine Kirche. Der Ort hatte gerade mal 240 Einwohner und die Bezirksregierung ließ vor Ankunft der Majestäten schnell noch die kargen Häuser weißeln.

     Sieben Niniviten spielten diesen hohen Besuch in sehr realistischen Kostümen nach. Bernhard Drees spielte König Friedrich-Wilhelm IV., Thorsten Haack den Kronprinzen und späteren Kaiser Wilhelm I. und Schützenhauptmann Friedel Sölken Kanzler Otto von Bismarck. In ihren dunkelblauen Uniformen fuhren die Drei in der Pferdekutsche vor und wurden von Uwe Schwanke als Ortsvorsteher Bienstein in Frack und Zylinder begrüßt. Die Dorfbewohner Jürgen Bläsing, Bianca Haack und Michael Schäfer überreichten den Gästen je einen kühlen Krug Bier, während die rund 250 Zuschauer den König hochleben ließen.

     Im zweiten Teil des Historienspiels hatte Michael Roth als Brandstifter seinen Auftritt. Er spielte den bis heute Unbekannten, der vor 80 Jahren den schon stark vom Alter gezeichneten Baum im Morgengrauen anzündete. Die Feuerwehr konnte damals nichts mehr retten, obwohl sie ebenso ihr Bestes gab wie diesmal die Mitglieder der Herdringer Wehr mit ihrer historischen Ausrüstung.

     Im Anschluss an das Historienspiel durfte dort dann der jüngste SchnadegangTeilnehmer, der vierjährige Cedrik Bläsing, einen von Schieferschnitzer Ernst Bierbaum gestalteten Gedenkstein enthüllen, der künftig an die beiden denkwürdigen Ereignisse erinnert. Neben zahlreichen Helfern, Sponsoren und Mitwirkenden dankte Detlev Becker ganz besonders Christina Lüttich. Die Theaterschneiderin, die aus Niedereimer stammt und in Kassel arbeitet, hatte in rund 200 Arbeitsstunden die historischen Kostüme genäht und saß noch anderthalb Stunden vor Beginn des Spiels an der Nähmaschine.

     Nach verdientem Beifall zogen alle in die SGV-Hütte, wo ein gemütlicher Ausklang bis tief in die Nacht gefeiert wurde.

     Neben den sieben oben bereits erwähnten Schauspielern sei auch folgenden Personen noch einmal recht herzlich gedankt:

Wer Warum und Wofür

Franz-Friedrich Bienstein Grundstückseigentümer
Christina Lüttich Kostüme
Feuerwehr Herdringen historische "Löscher"
Bernhard Grüne Kutsche und Pferde
Ernst Bierbaum Gedenkplatte
Bernd Pöthe Gedenkstein
Ralf Hilligsberg Steinbearbeitung und Aufstellung
Norbert Blöink Kostüm
Jagdhornbläser Hegering Arnsberg Begrüßungsmusik
Horst Glaremin Holzplatte
Günter Lichte Sägearbeiten Eiche
Josef Hagedorn Malerarbeiten
Andreas Bertram Holzrücken und Freischneidearbeiten
Michael Kaiser Wassertank und Notstromaggregat
Dirk Sölken Nebelmaschine
Schützenbruderschaft Bereitstellung Umkleidemöglichkeiten
Frank Schneider Zeichnungen


Schnadegang 2003      Wer sich nicht durch alle Bilder durchklicken will, der kann sich hier oder durch Anklicken des links stehenden Fotos von der "Dicken EIche" zunächst einen Überblick verschaffen und dann gezielt einzelne Bilder anklicken, die sich anschließend vergrößern.

     Und hier nun in Form unserer bewährten Diashow zu den Bild-Impressionen des Schnadegangs vom 28.06.2003.



     Viel Spaß!

(Text und Fotos: Dietmar Eickhoff und Nikolaus Hütter)



Dia-Show vom Schnadegang am 28.06.2003


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