Kriegs- und Nachkriegszeit in Niedereimer

Erinnerung an Kriegsende
vor 60 Jahren



Nachdem der Arbeitkreisdorfgeschichte Niedereimer vor wenigen Wochen Heft 7 des Heimatblattes "Der Ninivit" in Form einer Sonderausgabe publiziert hatte, wurde nun eine Ausstellung in der Halle Friedrichshöhe eröffnet, welche sich ebenfalls mit den Themen Kapitulation, Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit, Flucht und Vertreibung sowie Kriegserinnerungen befasst.

Aus Anlaß des 60. Jahrestages der Kapitulation hielt Propst Dr. Achim Funder einen Gedenkgottesdienst für die Kriegs- und Ziviltoten in Niedereimer in der St. Stephanuskirche ab. Die schrecklichen Erlebnisse der Menschen im Krieg sollte Anlaß sein, eine Wiederkehr extremer totalitärer Systeme zu vermeiden und die fundierte Demokratie in Deutschland zu unterstützen.

Im Anschluß an den Gottesdienst eröffnete Ortsheimatpfleger Detlev Becker vor rund 150 Gästen in der Halle Friedrichshöhe die Ausstellung. Neben Bürgermeister Hans-Josef Vogel konnte er neben zahlreichen Zeitzeugen sowie Abordnungen der heimischen Vereine und Organisationen insbesondere den polnischen Bürgermeister der Arnsberger Partnerstadt Olesno Edward Flak begrüßen.

Becker, auch Vorsitzender des AKD Niedereimer e.V., gab den Anwesenden einen kurzen Einblick zu den einzelnen Inhalten der Ausstellung. Als Konsequenz einer menschenverachtenden Ideologie, haben viele Menschen alles verloren, Familien sich erst Jahre später wieder gefunden, insofern man den Krieg und seine Folgen überlebt hatte. Zwangsarbeit, Hungermärsche, Elend sind nur einige Schlagbegriffe aus der Schreckenszeit. Frauen, Kinder, alte Leute und Kranke überlebten oft nicht die Strapazen, die Flucht und Vertreibung mit sich brachten. Die Ausstellung dokumentiert eindrucksvoll, wie insbesondere die Niedereimerer Zeitzeugen die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebten.

Bürgermeister Hans-Josef Vogel bestätigte dies dem AKD. Man habe es geschaftt in ausdrucksvoller Form, die Erlebnisse Einzelner darzustellen. Aber auch das wenige Gute, dass sich zwischen Soldaten, Zivilisten und Zwangsarbeitern im Kriegsalltag abspielte, darf nicht unerwähnt bleiben. Papst Benedikt XVI. habe in seiner Kardinalszeit einmal treffen formuliert: "Aus der Kraft der Erinnerung handeln." Für die heutige Generation sei es eine Verpflichtung an das Schreckliche erinnert zu werden, um Derartiges in Zukunft zu verhindern und um für eine menschliche Welt zu arbeiten. In den 60 Friedensjahren nach dem 2. Weltkrieg sei die Versöhnung mit den damaligen Kriegsgegnern stetig vorangeschritten. Der Besuch des Bürgermeisters aus der polnischen Stadt Olesno ist nur ein Beleg hierfür. Bürgermeister Vogel dankte Ortsheimatpfleger Becker im Auftrag der gesamten Stadt für diese Veranstaltung. Man habe hiermit ein Zeichen gesetzt.

Über die"Zwangsarbeit im Dritten Reich" , vor allem in der heimischen Region, berichtete im Anschluß der Leiter der Geschichtswerkstatt Reiner Ahlborn. Fremdarbeiter aus vielen Ländern wurden zu Arbeiten in industriellen Großbetrieben, in der Landwirtschaft, bei den Kommunen usw. verpflichtet. Frauen wurden als Kindermädchen und Haushaltshilfen fern der Heimat eingesetzt. Armut, Krankheit und der Krieg ließen die Zwangsarbeiter eine schwere Zeit durchleben. Wie sehr diese Menschen unterdrückt wurden, hang von dem Aufenthaltsort des Einzelnen ab. Oftmals widersetzten sich couragierte Zivilisten den Anweisungen der Nazis und bemühten sich menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen. Plünderungen, Raub, Gewalttaten waren in Niedereimer nach Zeitzeugenaussagen selten. Niedereimer ist einer der wenigen Ortsteile, wo die Zwangsarbeit relativ lückenlos nachgezeichnet werden konnte. Insgesamt ca. 5.000 Zwangsarbeiter hielten sich im Arnsberger Stadtgebiet auf. Eingepfercht in Behausungen mussten diese unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen ihre Arbeit verrichten. Grausam war teilweise der menschenverachtende Umgang mit Frauen und Mädchen sowie Schwangeren.

Die Ausstellung, welche noch bis zum 16. Mai 2005 geöffnet ist, verdeutlicht zum Beispiel anhand von Gefangenenbriefen, Dokumenten wie Dienstbescheinigungen und Flüchtlingsausweise, persönlichen Gegenständen, z.B. selbstgefertigte Messer, Poesiealbum u.ä. und einigen Fotos, sehr eindrucksvoll was einzelne Zeitzeugen erlebt haben. Die Besucher, vor allem die jüngere Generation, lernen zu verstehen, wie grausam diese Zeit für die Betroffenen war.

Die Ausstellung ist täglich von 10.-12.00 Uhr und 15.-18.00 Uhr geöffnet. Freitag den 13.05.2005 bis 21.00 Uhr. Am 10.05.2005 um 19.00 Uhr berichtet Theo Gronert von seinen Erlebnissen zum Thema Flucht und Vertreibung. Der Antikriegsfilm "Die Brücke" wird am 12.05.2005, ab 19:00 Uhr in der Halle Friedrichshöhe gezeigt.

Natürlich ist der AKD daran interessiert noch weitere Erlebnisberichte von Zeitzeugen niederzuschreiben um sie vielleicht später zu veröffentlichen. Hierzu steht der Ortsheimatpfleger den Zeitzeugen in der Ausstellung gerne zur Verfügung. Als Begleitmaterial für die Ausstellung wird jedem Besucher das Heimatblatt "Der Ninivit" angeboten. Damit hat jeder nochmals die Gelegenheit die Schicksale der Menschen aus damaliger Zeit nachzuvollziehen.

Der Arbeitskreis Dorfgeschichte Niedereimer e.V. würde sich freuen wenn möglichst viele Gäste die Gelegenheit zum Besuch nutzen würden. Selbstverständlich sind auch interessierte Schulklassen, nach vorheriger Anmeldung, willkommen.



Bilder von der Ausstellung

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Was bedeutet der
9. März 1945 für Niedereimer?



Mit diesem 9. März 1945 bringt man in Niedereimer schreckliche Ereignisse in Verbindung. An jenem Tag fanden auf einen Schlag 21 Menschen im Ort Niedereimer den Tod. Doch wissen heute nur noch wenige alteingesessene und geschichtsinteressierte Niniviten, was es damit auf sich hat.

Am Nachmittag des 9. März 1945 wird durch die Alliierte Luftwaffe ein Angriff auf Niedereimer geflogen. In den ehemaligen Gebäuden der Ziegelei, an der heutigen Dieselstraße, stehen Fahrzeuge im sogenannten "Heereskraftfahrpark" unter. Hier sammelte die Deutsche Wehrmacht kurz vor Kriegsende noch Automobile zum Transport von Soldaten. Mit dort untergebracht waren auch die zusammengezogenen Landser. Sie sollten von hier aus zu ihren neuen Einsatzorten transportiert werden.

Um ca. 17.00 Uhr nahm das Schicksal seinen Lauf. Die Bombenschächte der Flugzeuge öffneten sich und kurz darauf fielen etwa 80 Sprengbomben auf dieses Gelände nieder. Gegen 17.10 Uhr erfolgten die flächendeckenden Einschläge, die den Tod brachten. Das in der Nähe stehende Haus von Anton Kaiser, an der heutigen Niedereimerstraße, erhielt zwei Volltreffer. Alleine in diesem Haus fanden 18 Menschen den Tod. Die meisten der Opfer waren entweder noch Kinder oder Jugendliche bzw. junge Soldaten.

Noch Tags zuvor hatte man das Haus, weil es als besonders sicher galt und von den Familien der umliegenden Häuser gern als Schutzraum aufgesucht wurde, noch besonders abgestützt. Doch auch diese Abstützung konnte den todbringenden Bomben nicht standhalten. Die Menschen wurden unter den Stein- und Geröllmassen begraben. Nur ein junges Mädchen konnte aus den Trümmern des Hauses schwer verletzt gerettet werden.

Des weiteren starben zwei Menschen auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei. Ein weiteres Haus - das der Familie Bienstein an der heutigen Sauerlandstraße - wurde durch die Bomben selbst zwar nicht getroffen, stürzte aber dennoch durch die Wucht der Bomben ein. Aus diesem Haus erlag einen Tag später ein älterer Mann im Arnsberger Krankenhaus seinen Verletzungen. Die anderen Bewohner und Schutzsuchenden konnten sich retten.

Nach der Bergung der Leichen aus den Häusern wurden diese in der damaligen Volksschule aufgebahrt. Vier Tage später fand die Beisetzung der Verstorbenen auf dem Friedhof in Niedereimer statt. Während der Beerdigung gab es wiederum Fliegeralarm.

Seit diesem Tag wird jährlich eine Heilige Messe für diese Bombenopfer abgehalten. Ansonsten erinnert nur wenig an den grausamen, aber für Niedereimer gewichtigen Tag.

Bei dem Gedenken an diesen Tag sollen aber selbstverständlich die übrigen Kriegs- und Ziviltoten nicht vergessen werden. Auch für ihre Familien bedeutete es den schmerzlichen Verlust eines geliebten Menschen.

Die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges hat uns gezeigt, dass wir dankbar sein müssen für den nun 60 Jahre währenden Frieden in Deutschland.

(Detlev Becker)





Der neue Ninivit

Hier noch einige Textauszüge zu den Themen Zwangsarbeit, Kriegsgefangenschaft, Flucht und Vertreibung sowie Erinnerungen, mit denen sich der neue Ninivit beschäftigt.

Zwangsarbeit
Kurz vor Kriegsende wurde noch ein Haufen Zwangsarbeiter mit zerlumpter Kleidung, ich schätze etwa 16 bis 20 Personen, an der Grothoff´schen Fabrik vorbeigetrieben. Ein Bewacher war mit dabei. Während des Vorbeimarsches riss einer der Gefangenen ein Grasbüschel aus und aß es, solch einen Hunger hatten die Menschen.

Etwa in der Zeit zwischen 1941 und 1945 waren drei Zwangsarbeiter, wo bei ich das Wort Zwangsarbeiter eigentlich ablehne, auf dem Hof meiner Eltern August und Elisabeth Grüne an der Wannestraße. Da war die Russin Sina, die schätze ich auf 17/18 Jahre, der Russe Nikolaus war 19 Jahre und der Pole Vincent war etwa 22/23 Jahre.

Die Zwangsarbeiter und Gefangenen führten landwirtschaftliche Tätigkeiten aus. Ohne sie hätte der Betrieb in den Kriegsjahren nicht weitergeführt werden können. Die meisten deutschen Männer waren während dieser Zeit als Soldaten eingesetzt. Weitere Hilfskräfte gab es auf dem Hof nicht. Einer der Franzosen, der Chevignac, verstand es unheimlich gut mit Pferden umzugehen. Dagegen konnte Richeux sehr gut den Traktor bedienen ...

Die bei uns arbeitenden Zwangsarbeiterinnen waren schon einige Zeit in der Fabrik. Diese Mädchen stammten alle aus Rostov am Don und einige besuchten dort die höhere Schule. Auf dem Nachhauseweg wurden sie direkt abgefangen und nach Deutschland abtransportiert. Sie waren alle durchweg noch recht jung. Ludmilla war mit 14 Jahren die Jüngste, die übrigen Mädchen waren zwischen 16 und 18 Jahren alt.

Vor dem Einmarsch der Amerikaner in Niedereimer zog noch eine große Menschenmenge, ich vermute russische Zwangsarbeiter, in Richtung Breitenbruch.

Nach dem Krieg kam er noch einmal zu meinen Eltern zurück und brachte meinem Vater Tabak mit. Damit wollte der Russe seinen Dank zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig lud er meine Eltern ein, einmal nach Russland zu kommen

Kriegsgefangenschaft
Als Unteroffizier in einer schweren Maschinengewehrkompanie hatte ich die Aufgabe, Tag und Nacht die Wachtposten zu kontrollieren, die Zielpositionen der Gewehre zu vermessen und die Richtdaten zu errechnen. Auf einem solchen nächtlichen Kontrollgang wurde ich Anfang Februar im Kampf mit einem gegnerischen Stoßtrupp verwundet. Ich verlor das Bewusstsein für eine Weile. Als ich wieder zu mir kam, wurde mir zu meinem großen Schrecken klar, dass ich in den Händen von Rotarmisten war ...

Nachdem wir entwaffnet waren, kamen wir in ein amerikanisches Auffanglager. Nach zwei Tagen hieß es, wir werden den Russen übergeben - was auch geschehen ist. Ich hatte beim Tross einen guten Kameraden gefunden. Da das Lager nur mit einem Posten bewacht war, bestand die Möglichkeit zu verschwinden. Diese Gelegenheit haben wir ausgenutzt und uns in Richtung Heimat davon gemacht.

Es waren mehr Schiffe, die in der Geltinger Bucht lagen, als der Befehl erging, sowohl unser U-Boot U 2360 als auch die anderen U-Boote in deutschen Gewässern selbst zu versenken. Dieser Befehl wurde von den U-Boot Besatzungen auch selbst ausgeführt.

Am 09. Mai 1945 gelangte ich in amerikanische Gefangenschaft. Als geschlossene Einheit brachte man uns zu einem Sammelplatz südlich von Mailand - in Kedi. Zu diesem Zeitpunkt stand die Truppe noch unter deutschem Befehl. Im Lager erfolgte dann die Erfassung der deutschen Einheiten. Die Gefangenen selbst wurden nach den heimischen Orten erfasst. Wer zur Waffen-SS, zur Fallschirmtruppe oder zur Polizei gehörte, wurde von den Amerikanern zu Kriegsverbrechern erklärt.

Erst am 20. Mai 1945, am Pfingstsonntag, wurden wir auf der Insel Alderney durch die Engländer gefangen genommen. Die "Liberty"-Schiffe (Invasions-Schiffe) waren am 14.05.1945 eingetroffen. Wir mussten uns morgens um 9 Uhr im Hafen versammeln. Gegen 14 Uhr erfolgte die Abfahrt in Richtung England. Am Pfingstmontag sah ich morgens um 5 Uhr den Hafen von Southampton und die vorgelagerte Ferieninsel Isle of Wight im strahlenden, schlohweißen Sonnenschein. Ein herrlicher Anblick! Nachmittags fuhren wir mit einem Sonderzug nach Kampton Park bei London. Von dort ging es am 25.05. per Bahn weiter nach Yorkshire. Ich kam in das Lager "Camp 158". Das sehr große Zeltlager lag mittig in einem Kornfeld und war ca. 500 Morgen groß. Es waren dort etwa 15.000 deutsche Kriegsgefangene untergebracht. Das Lager lag in der Nähe der Stadt Hull - Bridlington.

In der französischen Kriegsgefangenschaft war die Situation anders: Da auch für die französische Bevölkerung die Lebensmittel streng rationiert waren, ist es verständlich, dass die vielen Millionen deutscher Kriegsgefangener kaum ordentlich versorgt werden konnten. In den Stammlagern wurde arg gehungert. Das trieb alle an, sich zu Arbeitskommandos zu melden. In diesen Arbeitslagern war die Verpflegung meist geringfügig besser. Aber auch dort reichte die Verpflegung nicht für eine ausreichende Ernährung aus.

Die Verpflegung war recht dürftig, was bei der Anzahl der Gefangenen nicht zu verwundern war. Das Lager war auch Entlassungslager, und nachdem es bei mir beim ersten Versuch als angeblicher Landarbeiter nicht geklappt hatte, wurde ich im August 1945 als angehender Bauarbeiter entlassen. Auf Lastwagen stehend zusammengedrängt, wurden wir über Bremen nach Arnsberg gebracht, wo wir dann auf der Hammerweide unsere Entlassungspapiere bekamen. Da war ich noch 17 Jahre alt.

Flucht und Vertreibung
Als die Russen abzogen, kamen die Polen ins Dorf und nahmen Besitz von Höfen und Häusern. Gerüchte jagten sich, aber es gab keinerlei verlässliche Informationen. Ich wurde nach Bedarf bei der Ernte eingesetzt oder zum Geschirrspülen in der Gastwirtschaft und wünschte mir nichts mehr, als den Anschluss an eine Schule und ein geregeltes Leben; ich war damals 16 Jahre alt.

Mit beginn des Jahres 1945 wurde die Situation immer bedrohlicher. Die russischen Truppen begannen Ostpreußen komplett ein zukreisen. ... Am Freitag, dem 16. Februar 1945 machte sich meine Mutter mit uns vier Kindern (14, 13, 12 und 10 Jahre ) auf den Weg zum "Frischen Haff". Die Großelter blieben zurück. Sie sind seitdem verschollen. ... Wir mussten zwangsläufig bei Minusgraden im Freien übernachten. Am 18. Februar 1945 erreichten wir zu Fuß den Hafen Pillau. Dort gelang es meiner Mutter den Zugang zum Frachter "Karoliner" zu erkämpfen.

Am 15. Mai 1945 sind wir wieder in Liptin angekommen. Alle Wohnungen waren ausgeplündert und die Möbel waren alle in anderen Häusern und Höfen verstreut. Bis zum 8. September 1945 haben wir dann wieder schlecht und recht in unseren Wohnungen gelebt. Dann mussten wir die Wohnungen abermals verlassen.

Wir lebten dort bis zu unserer Vertreibung im April 1946. Unseren Unterhalt bestritten wir mit Gelegenheitsarbeiten sowie aus dem Verkauf von Wertgegenständen (Schmuck, Besteck, Nähmaschine etc.) an polnische Juden, die damit Geschäfte machten. Im April 1946 mussten wir unsere Heimat verlassen. Wir durften Lebensmittel, soweit vorhanden, mitnehmen, außerdem, was wir tragen konnten.

Im Auffanglager Uelzen wurden wir registriert, ärztlich untersucht, entlaust! Es gab die erste Verpflegung - eine warme Suppe! Am nächsten Morgen wurden die Waggons doppelt belegt mit nun 70 Personen. Die Fahrt ging weiter, mit für uns unbekanntem Ziel. ... Unsere Familie, meine Mutter mit drei Kindern, wurde auf offenem Lastwagen in ein kleines Dorf kurz vor Hameln gebracht. Man wies uns eine schräge Dachkammer zu. Dort lebten wir drei Jahre in bitterer Armut.

Erinnerungen
Bevor die Amerikaner in Niedereimer einmarschierten, schlugen die ersten Granaten, aus Richtung Breitenbruch kommend, im Dorf ein. Ich befand mich während dieses Beschusses nichts ahnend in unserem Garten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Noch heute höre ich, wenn ich daran denke, die Granaten über meinen Kopf hinwegzischen. Nach dem Beschuss fuhren die ersten Panzerspähwagen durch das Dorf ...

In den Kriegsjahren machten immer wieder Frauen, teils sogar mit Kindern, einen Kurzurlaub auch in Niedereimer. Dieser Aufenthalt wurde dazu genutzt, sich mit den Ehemännern und Vätern zu treffen, die damals als Soldaten auf der Hammerweide stationiert waren. Auch meine Eltern boten, trotz der räumlichen Enge, den Frauen und Kindern diese Möglichkeit an.

Im Laufe des Krieges waren immer wieder Soldaten in Privatquartieren zum Erholungsurlaub untergebracht, so auch bei uns. Nach dem Frankreichfeldzug 1941 kamen als Erstes Soldaten aus Sachsen zu uns. Es war immer eine unterschiedliche Anzahl von Personen im Haus. Nach den Soldaten, kamen dann ausgebombte Privatpersonen.

Bei Fliegerangriffen suchte ich mit meiner Tochter Monika Schutz im Keller des Nachbarhauses. Dieser Keller war damals besonders abgestützt worden. Viele der Nachbarn waren dort anzutreffen. Als mein Bruder Heini einmal auf Heimaturlaub in Niedereimer war, flüchteten wir bei einem Fliegerangriff in den Wald bei "Fritzens Fuhr". Der Angriff galt natürlich wieder einmal dem Viadukt in Obereimer.

Die ehemalige Ziegelei von Franz Bienstein in der heutigen Dieselstraße diente während der letzten Kriegsjahre als Sammelplatz für den Heereskraftfahrpark. Diesem Objekt galt auch der Angriff vom 9. März 1945, bei dem es so viele Tote im Haus von Anton Kaiser gab. Mit hier untergebracht waren ebenfalls die Soldaten, die die Flakstellungen auf dem Schreppenberg (ht. Marianhill) und auf der Hammerweide bedienten.

Die Amis hatten ihre Feldküche auf unserem Hof, zwischen dem Wohnhaus und der Scheune, aufgestellt. Ich konnte den Feldköchen von meinem Zimmer aus bei der Arbeit zusehen. ...Während ich ihnen zusah, warfen sie mir Süßigkeiten ins Fenster. Mein Opa war darüber sehr erbost und schimpfte deswegen mit mir ...






Das Angriffsziel - die ehemalige Ziegelei an der heutigen Dieselstraße







Weiter Informationen zu der Ausstellung finden Sie hier.