II. Weltkrieg in Niedereimer



Auf dieser Seite wollen wir an das kleine Ehrenmal in der damaligen Kirche und an unseren ehemaligen Pater Linus Kötter erinnern. Eine kurze Legende zu den Fotos finden Sie am Ende der Seite.

Und hier zunächst nun die Erinnerungen an ein heute nicht mehr existentes Ehrenmal nach den Angaben von Magdalene Happel und Franz Becker.


Das kleine Ehrenmal in der Kirche

Es war zu Beginn des Jahres 1944, der Krieg hatte auch in Niedereimer schon viele Opfer gefordert. Insgesamt 16 junge Männer aus Niedereimer waren seit Beginn des Krieges im Jahre 1939 irgendwo an den versch. Kriegsfronten gefallen und, wie es hieß, "in fremder Erde" bestattet worden. Und das bedeutete, daß sie von ihren Familien auch nach ihrem Tode noch räumlich getrennt waren, denn es gab kein Grab in Niedereimer. Die Angehörigen in der Heimat hatten keine Möglichkeit, einen Blumengruß aufs Grab zu stellen, man konnte nicht mal eben zum Grab gehen und am Grab mit den Toten sprechen oder für sie beten.

Das kleine Ehrenmal in der alten Kirche (12.03.1944) Diesen traurigen Zustand, der viele Familien bedrückte, wollte P. Linus Kötter etwas erleichtern. Zusammen mit Alfons Menne, beide waren eng befreundet, entwickelte er die Idee, für alle heimischen Soldaten, die gefallen und nicht in Niedereimer bestattet worden waren, in der Stephanuskirche eine Gedenkstätte einzurichten. Wenn die gefallenen Soldaten aus Niedereimer schon nicht in ihrer Heimat bestattet werden konnten, so sollten sie doch zumindest in der Kirche einen Ehrenplatz erhalten. Hier konnten dann die Mütter, Ehefrauen und Angehörigen für ihren gefallenen Sohn / Mann / Vater beten, hier konnten sie ihm ein Blumengruß bringen und mit ihm sprechen. Dadurch könnte, so hofften die Initiatoren, die Trauer über die räumliche Trennung doch etwas gemildert und die Erinnerung an die Gefallenen wach gehalten werden.

Die Idee wurde auch gleich in die Tat umgesetzt. Alfons Menne fertigte als Schreiner die insgesamt 16 kleinen Kreuze an, die jeweils mit dem Namen des Gefallenen versehen wurden. Ein würdiger und passender Platz in der Kirche war auch schnell gefunden: den Mittelpunkt dieses gemeinsamen Ehrenplatzes sollte die schmerzhafte Mutter Gottes bilden, deren Skulptur in einer kleinen Wandnische an der rechten Kircheninnenseite stand.

Am Heldengedenktag des Jahrs 1944, Sonntag, den 12.03., wurde am Nachmittag ein feierlicher Gedenkgottesdienst in der Stephanuskirche gefeiert. Während dieses Gottesdienstes wurden die 16 Kreuze feierlich gesegnet. 16 Jungmänner trugen anschließend die Kreuze in feierlicher Prozession zur schmerzhaften Mutter Gottes, wo sie dann ihren Ehrenplatz erhielten.

Hitlerjugend im Jahre 1943 Auch im weiteren Verlauf des Krieges wurde, wenn ein Sohn Niedereimers gefallen und in fremder Erde bestattet worden war, nach der jeweiligen Totenmesse, Exsequien genannt, ein Kreuz mit dem Namen des Toten feierlich an dem Ehrenmal angebracht. Während der Totenmesse war ein sog. "Soldatengrab" mit Birkenkreuz und Stahlhelm in der Kirche aufgestellt, das kleine Kreuz für das Ehrenmal hing an dem Birkenkreuz. Als Meßdiener fungierten nach Möglichkeit Soldaten auf Heimaturlaub. In feierlicher Prozession wurde das Totenkreuz dann zur schmerzhaften Mutter Gottes gebracht und erhielt seinen Ehrenplatz. Der Jungfrauenkreis sang zum Abschluß der Meßfeier am Josefsaltar das Lied: "Wir sind nur Gast auf Erden".

Auch nach Kriegsende wurde dieses Ehrenmal stets in Ehren gehalten, immer wieder standen dort Blumen und brennende Kerzen. Erst als die alte Stephanuskirche im Jahre 1981 abgerissen werden sollte, wurden die Kreuze für die gefallenen Soldaten sorgfältig abgenommen und den Familienangehörigen zur weiteren Verwendung übergeben. Man hatte sich entschieden, in der neuen Stephanuskirche dieses Ehrenmal nicht wieder aufzubauen.








Nun übernehmen wir hier wie schon die Sonderausgabe zum 50jährigen Kriegsende des Heimatblattes für Niedereimer "Der Ninivit, Heft 4" das Protokoll aus der Westfalenpost vom 13. und 17.07.1985.


Das Protokoll - "Pater aus Niedereimer wurde Parlamentär"
In Arnsberg entging er nur knapp dem Tod

Über seine (P. Linus Kötter msc) Mission als Parlamentär der Amerikaner am 10. April 1945 gab er am 8. Juni des gleichen Jahres in Arnsberg folgendes zu Protokoll:

Am 11. April 1945 kam der amerikanische Kommandeur in meine Wohnung in Niedereimer mit der Aufforderung, nach Arnsberg zu gehen, um zu erfragen, ob die Aussage der Ausländer, - Arnsberg wolle sich als offene Stadt erklären, richtig sei. Ich wehrte mich gegen die Ausführung, bekam aber dann von ihm den Auftrag und schriftlichen Befehl, mit der weißen Fahne nach Arnsberg zu gehen, um beim Bürgermeister oder Verteidigungskommandanten die Richtigkeit dieser Frage zu überprüfen. Ich fand den Bürgermeister im Luftschutzkeller der Frauenklinik, dem von einer Übergabe der Stadt nichts bekannt war.

Pater Linus Kötter m.s.c. - Pfarrer in Niedereimer von 1943 - 1945 Er rief jedoch sogleich den Verteidigungskommandant an, um sich selbst zu erkundigen. Der Verteidigungskommandant ließ mich an den Apparat kommen und fragte nach meinem Begehren. Ich las ihm die Note vor. Sogleich stellte er die Frage: "Wissen Sie auch, daß Sie sich in den Dienst des Feindes gestellt haben und somit Vaterlandsverräter sind?"

Er sprach dann weiter mit dem Bürgermeister. Das Ergebnis dieser Besprechung war, daß ich mit dem Bürgermeister zum Rathaus gehen mußte. Dort wurden folgende Anordnungen getroffen: Ein Wagen mußte verdunkelt werden. Mir wurden mit einer schwarzen Binde die Augen verbunden. Von der Kommandantur kam ein Offizier namens Westermann, der den Wagen fahren sollte.

Blind nahm ich in dem Wagen Platz, wurde durch die Stadt gefahren, bis der Wagen hielt. Schließlich landete ich in einem Keller, der nur mittels einer kleinen Kerze erhellt war. Nach etwa 20 bis 30 Minuten kam der Verteidigungskommandant, ein junger, forscher Mensch (wie ich später erfuhr im Dienstgrade eines Majors), um das Verhör vorzunehmen. Ich mußte nochmals den Auftrag des amerikanischen Kommandeurs vorlesen und vorlegen. Dann wiederholte er, was er schon am Telefon über Vaterlandsverrat und ähnlichen Dinge gesagt hatte. Anschließend fuhr er mich an, als Würdenträger der katholischen Kirche müßte ich wissen, was ich dem Vaterland schuldete. Vom Militärdienst befreit, hätte ich mich weigern müssen, diesen Weg zu machen. Aber die "Schwarzen" waren ja immer bereit gewesen, gegen den Staat zu arbeiten. Gerade als Geistlicher hätte ich mich als studierter Mann auf keinen Fall auf solche Verrätereien einlassen dürfen. Leider ist es mir nicht möglich, die Tonart dieser Unterhaltung wiederzugeben.

Nachdem so die erste Schimpfkanonade über mich ergangen war, forderte er meine Ausweispapiere und nahm den Befehl des amerikanischen Kommandanten an sich, doch das genügte ihm nicht, da leider kein Lichtbildausweis zur Verfügung stand, - der Wehrpaß war vom Wehrbezirkskommando eingefordert, statt eines Lichtbildausweises, - legte ich die Bescheinigung über Abgabe meines Wehrpasses vor. Er erkundigte sich nach Auskunftspersonen und drohte dann, "Sie wissen was Ihnen blüht. Sind Sie nicht der, für den Sie sich ausgeben, dann garantiere ich, daß Sie diesen Keller nicht lebend verlassen." Daraufhin wurde der Propst Kampschulte von Arnsberg herbeigerufen. Innerhalb von fünf Minuten mußte er erscheinen. In der Zwischenzeit hörte ich aus dem Nebenraum, wie der Kommandeur mit dem Bürgermeister über die Sprengung einer Brücke verhandelte. Ich hörte, wie der Bürgermeister flehentlich bat, von einer Sprengung abzusehen, da die Wasser- und Lichtfrage zu unlösbaren Problemen würden, besonders, da die Stadt mehrere tausend Kranke hatte.

Aber der Kommandeur ließ sich nicht beirren und sagte wörtlich: "Damit Sie es wissen, ich habe bereits den Befehl zur Sprengung gegeben." Dann kam er zu mir zurück. Es dauerte ihm zu lange, bis der Herr Propst kam. Er sagte dann zu mir: "Ich habe keine Zeit zu verlieren, ich kann nicht mehr länger warten." Das Urteil lautet folgendermaßen: "Vorläufig werden Sie im Lazarett untergebracht und in Haft gehalten, bis ich anderes befehle oder nichts mehr zu sagen habe. Seien Sie sich bewußt, daß das eine Gnade ist. Sie wissen, was auf Vaterlandsverrat steht."

vermutlich beim Treffen der Sudetendeutschen 1938 im Saal der Gastwirtschaft Schulte Er gab Befehl, die schwarze Binde wieder anzulegen. Der Offizier war gerade dabei, den Befehl auszuführen, als der Herr Propst eintraf. Bestürzt über die Umstände erkannte er mich in dem nur von einer kleinen Kerze erhellten Raum nicht. Da der Kommandant mich als Vaterlandsverräter vorstellte und von mir als einem Menschen sprach, der sein "schwarzes Ehrenkleid" zu Vaterlandsverrat mißbrauche und in den Kot ziehe, wurde der Herr Propst noch bestürzter. Er bat, mich ans Licht zu führen. Diesem Wunsch wurde Folge geleistet. Sogleich erkannte er mich.

Da er nun glaubte, es ging sofort zum Standgericht, fragte er mich, ob ich noch beichten wolle. Zwei Minuten gab uns der Kommandant dazu, so daß ich nicht die Möglichkeit hatte, dem Propst in kurzen Worten die Sachlage zu erklären. Als ich dann mit verbundenen Augen wieder nach draußen geführt wurde, hörte ich den Propst mit dem Kommandanten verhandeln. Es ging um mich. Der Wagen fuhr wieder kreuz und quer durch die Stadt. Als er endlich hielt, wurde ich, immer noch mit verschlossenen Augen, über einen Steg geführt. Auf einer Straße angekommen, nahm mir der Offizier die Binde ab. Wir befanden uns im Alten Feld. Der Offizier brachte mich dann ins Lazarett der Kaserne. Schon am nächsten Tag befreite mich der Amerikaner aus meiner unfreiwilligen Haft. Am Freitag, 13. April, konnte ich in meine verwaiste Gemeinde zurückkehren, wo ich jubelnd empfangen wurde."








Es folgt - soweit uns vorliegend - eine kurze Legende zu den auf dieser Seite publizierten Fotos in der Reihenfolge ihres Auftretens von oben nach unten.

  1. Das kleine Ehrenmal in der alten Kirche bei seiner Einweihung (12.03.1944)
  2. Hitlerjugend im Jahre 1943
  3. Pater Linus Kötter m.s.c. - Pfarrer in Niedereimer von 1943 - 1945
  4. Das Foto, vermutlich entstanden beim Treffen der Sudetendeutschen 1938 im Saal der Gastwirtschaft Schulte, belegt in eindrucksvoller Weise, wie allgegenwärtig der Führer war und wie er sich verehren ließ. Der Personenkult um die Figur des "Führers" Adolf Hitler wurde - auch in den Kriegsjahren noch - sehr intensiv gefordert und gefördert.



Wer mehr über das Leid jener vergangenen Tage erfahren möchte und zur nächsten Seite gelangen will, muß hier oder rechts den Pfeil anklicken.

oder wählen Sie direkt eine Seite über den 2. Weltkrieg in Niedereimer: