II. Weltkrieg in Niedereimer



Hier nun ein Bericht über die letzten Kriegmonate, zusammengestellt nach Originalunterlagen, Berichten und Erinnerungen von Zeitzeugen. Eine kurze Legende zu den Fotos finden Sie wie bereits auf den vorherigen Seiten am Ende dieser Seite.


... aus den letzten Kriegsmonaten

Nachdem Niedereimer in den Jahren 1942/43 noch weitgehend vom Kriegsgeschehen verschont geblieben war, änderte sich die Lage im Jahre 1944, als englische und amerikanische Flieger ihre Angriffe auf die Nachschubwege der deutschen Truppen flogen. Ein besonderes Ziel war natürlich die Ruhrtalbahn, insbesondere der Viadukt vor Arnsberg.

Jugendliche im Schützengraben "Fliegeralarme wurden zum täglichen Ereignis. ... Die Menschen verbrachten viele Stunden täglich im eigenen Luftschutzkeller. Viele zogen morgens in die Wälder und kamen erst abends wieder zurück, oder blieben in den natürlichen Höhlen oder den gebauten Bunkern." (Aus: Fritz Schumacher, Heimat unter Bomben; S. 40).

Nach den Aufzeichnungen von Sanitätsrat Dr. Lohmann, der die Alarme sorgfältig in ein Buch eingetragen hat (eingesehen im Stadtarchiv Arnsberg), wurde in Arnsberg in der Zeit vom 27.01.1945 - 13.02.1945 insgesamt 57 mal Luftalarm gegeben: im Durchschnitt gab es also 3 mal Alarm pro Tag! In diesen 18 Tagen war nur ein Tag ganz ohne Alarm, an anderen Tagen wurde bis zu 7 mal Fliegeralarm gegeben. Die durchschnittliche Dauer eines Alarms betrug für die o.g. Zeit 106 Minuten. (Spontane Reaktion eines jungen Mannes während der Bearbeitung dieses Textes: "Wann haben die eigentlich geschlafen? Die hätten ja sofort in den Bunkern bleiben können!")

Diese Angaben müssen nicht unbedingt auch für Niedereimer gegolten haben. Aber die Gesamtsituation dürfte in etwa vergleichbar gewesen sein, so daß ein "normales" Leben unter den Umständen nicht mehr möglich war. Viele Stunden täglich mußten im Keller oder Bunker verbracht werden. Dazu kam die Angst vor Zerstörung und Tod durch weitere Bombenabwürfe, denn der Arnsberger Viadukt war nicht besonders weit weg und noch nicht zerstört, die Zielgenauigkeit der Bomben war nicht gerade groß, und der Abwurf der Bomben geschah oft flächendeckend.

Am 09.02.45 schließlich schlug dann ein Blindgänger in der verlängerten Schulstraße (heute Stephanusweg) ein. Die entsprechende Luftschutztagesmeldung an den Regierungspräsidenten lautete:

"... Gemeinde Niedereimer, 9.2., 13.00 Uhr,
12 Sprengbomben, davon 4 Blindgänger.
Mehrere Häuser mit 16 Familien mußten geräumt werden."
(Zitat aus dem "Abdruck der vollständigen Luftschutztagesmeldungen des Regierungsbezirks Arnsberg". )

Die Anwohner der Oberstraße von Kaiser bis Vernholz wurden daraufhin vorsichtshalber ins Unterdorf evakuiert. Am 14.02.45 konnten die Bewohner aber Gott sei Dank wieder einziehen, weil sich herausgestellt hatte, daß der vermeintliche Blindgänger nur ein Granatsplitter war.

Reichsarbeitsdienst (RAD) in Ferndorf / Siegerland Ein besonderer Gefahrenpunkt für Niedereimer war der Heereskraftfahrpark, der in der alten Ziegelei an der heutigen Dieselstraße eingerichtet war. Hier standen viele Fahrzeuge der deutschen Wehrmacht, mit denen die ebenfalls hier zusammengezogenen Soldaten dann an ihre neuen Einsatzorte transportiert wurden. Das mußte eigentlich zwangsläufig ein lohnendes Ziel für einen Luftangriff der Alliierten sein. Am 09. 03. 1945 etwa gegen 17 Uhr wurde dann auch der befürchtete Luftangriff geflogen, der für Niedereimer so schreckliche Folgen haben sollte.

In der üblichen Luftschutztagesmeldung vom 12.03.1945 heißt es kurz und knapp:
".. Amt Hüsten, Gemeinde Niedereimer, 9.3., 17.10 Uhr.
80 Sprengbomben.
17 Gefallene. 1 Verwundeter. 1 Toter.
2 Häuser völlig zerstört 4 mittelschwer, 30 leicht beschädigt.
1 Wirtschaftsgebäude zerstört.
1 Wehrmachtanlage (Heimatkraftfahrpark) beschädigt.
Reichsstrasse 7 gesperrt."
(Zitat aus dem "Abdruck der vollständigen Luftschutztagesmeldungen des Regierungsbezirks Arnsberg".)

Diese Meldung soll kommentarlos hier stehen bleiben, der Leser dieses Textes mag sich seine eigenen Gedanken machen!


In der Kirchenchronik der St. Stephanus-Gemeinde in Niedereimer heißt es dazu wörtlich:

"Freitag, 9. März 1945
Ein schwarzer Tag für Niedereimer.


Grab der Familie Kaiser, fünf der Bombenopfer Dass die Ziegelei des Herrn Franz Bienstein als Kraftfahrpark vom Militär benutzt wurde, wurde zum Verhängnis. Gegen 5 Uhr nachm. wurde dieser Kraftfahrpark von einem Bombenteppich belegt. 20 Personen fielen diesem Angriff zum Opfer.

Das Haus des Herrn Viosarius neben der Ziegelei wurde zerstört. In dessen Nähe kamen Maurice Delormes, franz. Kriegsgefangener, und Maschinist Max Brummel aus Dortmund ums Leben. Und der Polizeiwachtmeister Wilhelm Wolber wurde so schwer verletzt, dass er tags darauf im Krankenhaus zu Arnsberg starb.

Das schwerste Unglück ereignete sich im Hause des Anton Kaisers, Oberstr. 32. Es erhielt 2 Volltreffer. Noch am Tage zuvor war der Keller abgestützt worden, da er mit Vorliebe als Zufluchtsstätte bei Luftgefahr aufgesucht wurde. Und so auch heute.

Von den 18 Personen, die dorthin geflüchtet waren, konnte nur eine, Frl. Gertrud Körner, lebend geborgen werden. Mit schwerem Nervenschock und leichten Verletzungen kam sie nach Hüsten ins Krankenhaus.

Zu Tode kamen in diesem Hause:
Die Familie des Herrn Anton Kaiser: Frau Helene Kaiser, geb. Glaremin, mit ihren Kindern: Margarete Elisabeth, Hildegard und Ingeborg und Heinz Dieter.
Die Familie des Herrn Lehrer Anton Körner: Frau Johanna Körner, geb. Stemmer, mit ihren Kindern Winfried, Berthold und der Schwester des Herrn Lehrers Elisabeth Körner.
Sodann die Frau des Herrn Fritz Kelle: Elisabeth, geb. Kaiser mit ihrem Töchterchen Erika. Ferner Antonie Rampelmann, geb. Stemmer, Schwester der Frau Lehrer Körner.
Franz Josef Reuther, Sohn des Fritz Reuther, Mittelstr.
Margarete Winkelmann, Köchin des Kraftfahrparkes
und drei Flakhelfer von der Abteilung: Leichte Flak Batl. 1/1/745: nämlich Heinrich Jakobskrüger, Paul Tönsmann und Heinrich Brinkmann, alle drei aus Lippe. ...

Noch am gleichen Tage wurden die Leichen geborgen und in der Schule aufgebahrt. Nur die Leiche des Heinrich Brinkmann fand man erst bei Aufräumungsarbeiten am 30. März.


9. März 1945
Die Toten dieses Unglücks sind:


Gertrud Körner - einzige Überlebende der Katastrophe Frau Helene Kaiser, geb. Glaremin, geb. 20. Nov. 1924 Niedereimer
Margarete Elisabeth Kaiser, geb. 17. Jan. 1929 Niedereimer
Hildegard Henriette Kaiser, geb. 7. April 1935 Niedereimer
Ingeborg Annemarie Kaiser, geb. 7. April 1935 Niedereimer
Heinz Dieter Kaiser, geb. 25. August 1936 Niedereimer
Johanna Körner, geb. Stemmer, geb. 9. August 1903
Winfried August Körner, geb. 12. Mai 1927 Arnsberg
Berthold Johannes Körner, geb. 18. Januar 1945 Niedereimer
Elisabeth Körner, geb. 17. September 1886
Elisabeth Kelle, geb. Kaiser, geb. 10. Mai 1913 Niedereimer
Erika Kelle, geb. 28. Februar 1944
Margarete Winkelmann, aus Goch, geb. 27. August 1910; Köchin im Kraftfahrpark
Antonie Rampelmann, geb. Stemmer, geb. 4. Juli 1895 Arnsberg, Grafenstr. 80 wurde in Arnsberg begraben
Flakhelfer Heinrich Jakobskrüger aus Salzuflen, geb. 2. Febr. 1927
Flakhelfer Heinrich Brinkmeyer aus Humfeld Kr. Lemgo, geb. 20. Oktober 1928
Flakhelfer Paul Tönsmann aus Salzuflen, geb. in Paderborn 4. Mai 1927
franz. Kriegsgefangener Maurice Delorme aus Montary/St. Loire geb. 8. Dez. 1909
Polizeimeister Wilhelm Wolber, geboren 27. Jan. 1892, starb am 10. März an den Verletzungen im Krankenhaus zu Arnsberg
Maschinist Max Brummel, Dortmund Schlosserstr. 65, geb. 4. Juni 1897



Dienstag, 13. März 45
Begräbnis unserer Kriegsopfer.


6.45 Uhr morgens werden die Leichen von der Schule abgeholt. Voran geht das Militär, zu Ehren der gefallenen Flakhelfer.

Dann folgen die Behörde, die Schulkinder, 6 Engelchen mit Kerzen zu Ehren der 6 Kinder, und drei Jungfrauen mit Kerzen zu Ehren der drei Jungfrauen unter den Gefallenen. Dann kommen die 4 Totenwagen. Auf jedem Wagen je 5 bzw. 4 Särge. Es sind einfache Flachwagen, würdig mit Tannengrün geziert. Sodann folgt die Feuerwehr in Uniform neben den Wagen, und anschließend die Verwandten der Verstorbenen. Der Geistliche geht mit den Ministranten vor den Totenwagen. Den Schluss des Zuges bildete die zahlreich angetretene Gemeinde.

Auf dem Friedhof sind zur Linken des Eingangs zwei grosse Gräber bereitet. Vom Eingang aus gesehen werden die Särge in f. Reihe in die Gräber gesenkt:
I. Grab: Max Brummel, Wilhelm Wolber, Margarete Winkelmann, Franz-Josef Reuther, Elisabeth Körner, Winfried Körner, Frau Johanna Körner mit dem kleinen Berthold in einem Sarge.
II. Grab: Hildegard Kaiser, Ingeborg Kaiser, Frau Helene Kaiser, Dieter Kaiser, Margarete Kaiser, Frau Else Kelle mit der kleinen Erika Kelle in einem Sarge, Heinrich Jakobskrüger, Heinrich Brinkmeyer, Paul Tönsmann.
Später wurden diesen zur Seite die beiden Soldaten Johann Hartmann und August Bergmann bestattet.
Der Franzose Delormes wurde neben den anderen bereits vorhandenen Gefangenengräbern bestattet.
Zu bemerken sei noch, dass Paul Tönsmann erst am 20. März geborgen wurde und am 22. März zu seinen Kameraden bestattet wurde.

Nach der Beerdigungszeremonie wurde vom P. Kötter eine kurze Ansprache gehalten. Darauf sprach der Hauptmann der beiden Flakhelfer und der Major des Kraftfahrparkes. Als letzter sprach Herr Amtmann Remberg von Hüsten.

Während der Kranzniederlegung und der Ehrensalve erschien bereits ein Feindflugzeug in der Luft und während der Rückkehr vom Friedhof kam Voralarm. So war es nicht zu verwundern, dass nicht alle Teilnehmer vom Begräbnis auch zum Seelenamt in die Kirche gingen."

Soweit der Text aus der Kirchenchronik, dessen Veröffentlichung mit Genehmigung der Kirchengemeinde geschieht. Den Text hat P. Antonius Riedl, msc im Herbst 1945 nach den Tagebuchblättern des P. Linus Kötter aufgeschrieben. (P. Riedl war Pfarrvikar in Niedereimer in den Jahren 1945/46 und Nachfolger von P. Kötter, der die Kirchengemeinde in den Jahren 1943-1945 geleitet hat.)

Die Luftangriffe auf Arnsberg, vor allem den Viadukt, gingen aber weiter, " .. ihre Zahl betrug bis zum März 1945 insgesamt 1600. Dann konnte man sie nicht mehr zählen." (Zitat aus: Fritz Schumacher, "Heimat unter Bomben" S. 40). Die Bewohner von Niedereimer hatten jetzt natürlich noch mehr Angst. Bedingt durch die Ereignisse des 09.03. trauten sich viele Bürger nicht mehr, in Kellern Schutz zu suchen, und so flüchteten sie in die umliegenden Wälder.

Herr Vernholz, damals 14 Jahre alt, erzählt in seinen "Erinnerungen" (Tonbandaufnahme vom Januar 1995; liegt dem AKD vor.):

Antreten auf dem Sportplatz März 1941 "... wir rückten nachher bei den Angriffen immer mehr ab und zogen in den Wald mit Koffern und Paketen, das Notwendigste bei uns habend, um da vor eventuellen Angriffen sicherer zu sein. Bei der Gelegenheit kam es natürlich auch vor, daß einer unserer Jungen ... auch etwas retten wollte und mit dem ganzen Arm voll leerer Kleiderbügel ... hochschoß in den Wald, um Sicherheit zu suchen. Er hat es sicherlich gut gemeint, ... aber was Panik und Hektik und Angst so alles bewirken kann."

Weitere Bombenabwürfe auf Niedereimer sind nicht mehr verzeichnet, aber die Bombardierung von Arnsberg mit Viadukt und Tunnel der Ruhrtalbahn hatten auch ihre Auswirkung auf Niedereimer. Durch den enormen Luftdruck bei den Bombenexplosionen wurde z.B. an der Kirche von einem großen Fenster eine Platte herausgedrückt. Es ist anzunehmen, daß auch an weiteren Gebäuden in Niedereimer noch Schäden durch diese Druckwellen entstanden sind. Die Luftangriffe hörten dann schließlich auf, als der Viadukt in Arnsberg "endlich" getroffen und zerstört war (19.03.1945). Herr Vernholz erzählt:

"Wir sahen ein Flugzeug über die Hebreme kommen, in Richtung Arnsberg/Uentrop fliegen, und plötzlich löste sich etwas unter diesem Flugzeug. Es sah aus, als sei ein kleineres Flugzeug dort verankert gewesen, was sich jetzt selbständig gemacht hätte. So groß und unförmig war dieses Gebilde. Und dieses war dann halt eben die große Bombe, die dann letztlich doch auch den Viadukt getroffen hat. ... Endlich, es war so ein Freudenjubel, der da aufkam."

Die militärische Gesamtlage wurde jetzt zunehmend kritischer, denn das Sauerland war am 01.04.1945 von den Amerikanern praktisch eingekesselt. Niemand wußte, was geschehen wird und niemand konnte auch nur erahnen, ob und wie es weitergehen würde. Es war ein Leben voller Angst und Schrecken.

Und trotz aller Sorgen und Nöte versuchten die Menschen in Niedereimer, ihr Alltagsleben so normal wie möglich zu gestalten. Es ging auf Ostern zu, bzw. "weißen Sonntag". Trotz Krieg sollten die Kinder ihren "weißen Sonntag" feiern. Also wurde die Erstkommunionfeier kurzerhand auf Ostermontag (02.04.1945) vorverlegt. Früh am Morgen, gegen 6 Uhr, fand die Feier in der Stephanuskirche statt. Gott sei Dank verlief dieser Tag recht ruhig, erst gegen Abend gab es einen Luftalarm. Am gleichen Tag wurden auch 11 Kinder offiziell aus der Schule entlassen, die kleine Entlaßfeier fand aber erst 1 Woche später statt.

Die Amerikaner rückten immer näher heran, am 07.04.1945 war Warstein "gefallen", wie es hieß, und einen Tag später war Meschede besetzt, oder, wenn man so will, "befreit" worden. Vom Möhnesee her kamen die Amerikaner schließlich nach Niedereimer. Auch die noch schnell in der Wanne errichteten Panzersperren stellten keinerlei Hindernis dar, man hatte das Kriegsgerät der "Amis" grenzenlos unterschätzt. Durch Artillerie-Beschuß vor der Einnahme wurden in Niedereimer noch zahlreiche Anwesen beschädigt. Am Abend des 10. 04.1945 besetzten schließlich amerikanische Truppen Niedereimer, es wurde kein Widerstand geleistet, und so ging die Besetzung eigentlich "still und friedlich" vor sich. Wahrscheinlich war man insgesamt froh, daß der "Spuk" ein Ende hatte. Einige Häuser mußten für die Besatzer geräumt werden, so u.a. auch die gesamte Schule. Die betroffenen Familien hatten dadurch schließlich manchen Schaden zu verzeichnen, aber große Plünderungen durch die Besatzer hat es in Niedereimer nicht gegeben.

Der 11.04.1945 wurde dann auch zu einem aufregenden und denkwürdigen Tag: P. Linus Kötter msc., Pfarrvikar der St. Stephanus-Kirchengeminde in Niedereimer, wurde von den Amerikanern mit der "weißen Fahne" als Parlamentär nach Arnsberg geschickt. Dieser Auftrag hätte ihm fast das Leben gekostet. (Die näheren Einzelheiten können Sie auf der vorhergehenden Seite nachlesen.) Am Nachmittag des 13. April schließlich kehrte P. Linus Kötter wieder wohlbehalten nach Niedereimer zurück.

Natürlich gab es zunächst einige Auflagen der Besatzungsmacht, so durfte die Bevölkerung nur in der Zeit von 9 - 12 Uhr auf der Straße sein. Vor dem amerikanischen Kommandanten mußten u.a. der Bürgermeister, Geschäftsleute, Fabrikbesitzer, Gastwirte, sowie der Ortsgeistliche erscheinen. Der Kommandant stellte sich vor und gab dann die entsprechenden Auflagen der Besatzer bekannt. Während der Geistliche sich frei bewegen durfte, galt für die anderen Bürger und Bürgerinnen eine Ausgangssperre für die Zeit von 19.00 bis 6.00 Uhr. Offensichtlich war der Kommandant recht großzügig, denn die Landwirte durften ihren notwendigen Arbeiten auch noch nach 19 Uhr nachkommen.

Bei den Besprechungen und Verhandlungen wirkte Frl. Marietheres Grothoff als Dolmetscherin mit und hat auf ihre persönliche Art und Weise viel dazu beigetragen, daß das Leben in Niedereimer wieder erträglich wurde und sich ein lockeres Verhältnis zu den Besatzungstruppen ergab.

Einquartierte Soldaten auf Schultens Treppe Eigentlich erstaunlich schnell sollten die Kinder Ende April schon wieder Unterricht erhalten. Die Schule war Anfang Oktober 1944 von der Wehrmacht beschlagnahmt worden, der Unterricht konnte zunächst noch behelfsmäßig weitergeführt werden, bis die Schule schließlich ganz geschlossen werden mußte. Ostern 1945 waren deutsche Soldaten in der Schule einquartiert, und nach der Besetzung brauchten die Amerikaner die Schule. Die Schuleinrichtung war fast völlig zerstört, die Schulräume "verdreckt und versaut". So bekamen die Kinder in der Stephanuskirche, bzw. in der Sakristei täglich Religionsunterricht. Der "normale" Unterricht in der sog. "Kleinen Schule" (Klasse 1-4) konnte erst wieder Anfang September aufgenommen werden. Die Oberklassen mußten sogar noch bis Weihnachten 1945 warten, bis hier wieder ein normaler Schulbetrieb möglich war. Am 08.05.1945 war dann der 2. Weltkrieg schließlich auch offiziell vorbei, und es konnte der mühsame Wiederaufbau beginnen, und der sollte schwierig genug werden, aber jetzt war wenigstens Frieden!


Es folgt - soweit uns vorliegend - eine kurze Legende zu den auf dieser Seite publizierten Fotos in der Reihenfolge ihres Auftretens von oben nach unten.

  1. Jugendliche Soldaten in einer Schützenstellung
  2. Reichsarbeitsdienst (RAD) in Ferndorf / Siegerland
  3. Grab der Familie Kaiser, fünf der Bombenopfer
  4. Gertrud Körner - einzige Überlebende der Katastrophe
  5. Antreten auf dem Sportplatz in Niedereimer im März 1941 - alle in Niedereimer Privathaushalten untergebrachten Soldaten mußten zum Exerzieren antreten
  6. Einquartierte sächsische Soldaten auf Schultens Treppe



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