Künstler aus Niedereimer
Schieferschnitzer Ernst Bierbaum




Ernst Bierbaum beim Schnitzen      Ein besonderes Werk fertigte jetzt der Schieferschnitzer Ernst Bierbaum aus Niedereimer. In fünfwöchiger mühevoller Kleinarbeit schnitzte er die Arnsberger Altstadt in ein 60 x 40 cm großes Schieferbild. Das Foto hierzu hatte Franz-Jörg Schulte bereits vor 10 Jahren vom Sparkassenhochhaus aufgenommen. Doch bisher hatte sich Ernst Bierbaum nicht an das Bild ran gewagt und immer wieder zur Seite gelegt. Nun aber hat er ein Unikat geschaffen, welches vom Schaffenswerk einmalig ist.

     Ernst Bierbaum ist ein Künstler - dieses Wort "Künstler" gefällt ihm persönlich zwar überhaupt nicht - besonderer Art. Arnsberger Altstadt Denn bisher hat er weder in Deutschland noch Europa jemanden gefunden, der diesem außergewöhnlichen Hobby noch nachgeht. Das Schieferschnitzen hat er ohne fremde Hilfe selbst entwickelt und hat zudem nie einen Kunstkurs besucht. Im Gegenteil, in der Schule war er eher ein mittelmäßiger Kunstschüler.

     Sein Werkzeug für das Bearbeiten der Fredeburger Ölschieferplatten hat sich Herr Bierbaum selbst geschaffen. Denn nur mit besonders hartem Stahl lassen sich die Platten bearbeiten. Die Platten müssen ca. ein halbes Jahr ablagern, bevor er mit der Arbeit beginnen kann. Blick durch den Glockenturm Vor dem Bearbeiten werden die Platten mittels Fußbodenheizung angewärmt. Denn nur so ist es möglich die Vorlage in den Schiefer zu stechen. Sobald die Platte wieder kalt und feucht wird, fängt der Schiefer an zu schmieren.

     Bevor er mit dem Schieferschnitzen anfing, schnitze er verschiedene Bilder und Figuren aus Holz. Diese Arbeit wurde ihm zu eintönig, da es bereits eine Vielzahl von Holzschnitzern in Arnsberg gibt. So machte er sich an den Schiefer heran. Zuerst entstanden Zeichnungen auf Schiefer und später leichtes Einritzen in den Schiefer. Ernst Bierbaum bei der Arbeit Heute entstehen in seiner Werkstatt an der Wannestraße in Niedereimer die verschiedensten Arten von Reliefs. Teilweise werden bis zu fünf Schichten aus dem nur ca. 8 mm starken Schieferplatten herausgeholt. Fensternischen und -kreuze, wie auf dem neuen Bild, werden detailgetreu nachgearbeitet. Zwischen den Arbeiten verschwindet Herr Bierbaum immer wieder im nahegelegen Wannebach. Hier werden die Bilder dann mittels einer Wurzelbürste vom Schieferstaub gereinigt. Erst wenn alles ausgearbeitet ist, wird das Bild angemalt und mit einem Schutzspray überzogen.

     Als Ernst Bierbaum noch 2. Vorsitzender des SV Arnsberg 09 war, lag das besondere Augenmerk natürlich auf Fußball- bzw. Sportbildern. So wurden von ihm Gastgeschenke für den Deutschen Fußball-Bund, für Länderspiele, die Fußballweltmeisterschaft oder die Tischtennisweltmeisterschaft geschnitzt. Weichscher Hof Mittlerweile sind in 22 Ländern, wie z.B. in Kanada, Finnland, Polen, Spanien oder England, seine Bilder zu sehen und zu bestaunen. Aber nicht nur sportliche Motive gehören zu seinen Arbeiten.

     So hat er im Laufe der Zeit viele Arnsberger Ansichten, wie die "Glucke", die "Gute Stube" oder verschiedene Fachwerkbauten in Schiefer gearbeitet. Weitere Motive sind Portraits, Tierbilder, historische Bauten oder Landschaftsbilder. Aber auch besondere Wünsche werden von ihm erfüllt. Zu diesen Wünschen gehörten bisher das Kölner Dreigestirn, die Schwarze Madonna von Tschenstochau oder das Coesfelder Kreuz. Arnsberger Glockenturm Darüber hinaus hat er auch schon für viele Vereine und Organisationen im Umkreis ihr ganz persönliches Wappen/Emblem in dem schwarzen Stein nachgestellt.

     Ernst Bierbaum ist durch sein Hobby bekannt wie ein "bunter Hund". Immer wieder sind seine Bilder bei Ausstellungen, wie der Landesgartenschau in Rheda-Wiedenbrück, in Michelstadt im Odenwald, in Berlin, St. Peter Ording, in Soest oder in seiner Heimatstadt Arnsberg zu sehen.

     Auch durch Funk und Fernsehen wurde Ernst Bierbaum bekannt. Auftritte bei "Der Große Preis" (ZDF), Hier + Heute (ARD), Umschau (SFB) oder Bühne Düsseldorf (RTL) seien hier nur genannt. Zu lesen über seine Arbeit gab es auch schon in der internationalen Presse, wie in den Niederlanden, Belgien oder Amerika. Arnsbergs Gute Stube

     Auch für wohltätige Zwecke hat Ernst Bierbaum schon Schieferbilder geschaffen. So konnte die Aktion Sorgenkind sich damals über einen Betrag von 8000,- DM, für ein Bild mit Arnsberger Bauten von einem heimischen Unternehmer, freuen. Des weiteren schnitzte er für den Dietsteinhof in den Tiroler Bergen ein Bild, da die Caritas dort seit 25 Jahren Urlaubsgast ist. Mit einem Fußballmotiv unterstütze er damals auch die Kroatienhilfe. Natürlich durften das Vereinsemblem beim 90. Dt. Wandertag in Arnsberg und eine Jagdszene als Sonderpreis für Sundern-Stockum/ Dörnholthausen beim Dorfwettbewerb nicht fehlen.

     Immer wieder fallen dem Künstler neue neue Motive zum nacharbeiten ein. In seinem Haus in Niedereimer hängen, zur Freude aller Gäste, 40 verschiedene Schieferbilder von verschiedenen Formaten und Ausführungen. Teilweise sind die Bilder einfach mit einer Kordel aufgehängt oder in einem Eichenrahmen gefasst, je nach Geschmack des Betrachtenden. Doch so ganz aufgegeben hat er die Holzschnitzerei nicht. So entstehen zur Abwechselung immer mal wieder verschiedene Schnitzereien. Portrait

     Auf eines musste Ernst Bierbaum und seine Familie in den letzten dreißig Jahren jedoch verzichten. Seitdem er mit dem Schieferschnitzen angefangen hat, blieb keine Zeit für den Urlaub. Zuerst konnte er, als er noch berufstätig war, nur an Sonn- und Feiertagen arbeiten. Doch das hat sich nun zur Freude der Familie geändert und man findet ihn überwiegend vormittags in seiner Werkstatt. Er selbst meint dazu: "Nur durch das Verständnis meiner Familie konnte ich dieses zeitaufwendige Hobby so durchführen, dafür möchte ich mich besonders bei ihnen bedanken".

     Übrigens pünktlich zum Schützenfest 2002 wurde sein neuestes Werk fertig: "Niedereimer im Wandel der Zeit"

Niedereimer im Wandel der Zeit



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