Natur und Umwelt

Aus dem heimischen Wald

Nachdem im Jahre 1995 innerhalb der Landesforstverwaltung Nordrhein- Westfalen eine Neuorganisation stattgefunden hat, bei der die Anzahl der Forstämter sich von 45 auf 35 verringerte, bedeutete dies für den Bereich Arnsberg, daß die zwei bestehenden Forstämter FA Arnsberg und FA Ober- eimer zum Staatlichen Forstamt Arnsberg zusammengefaßt wurden. Im zu sammenhängenden Staatswald im Raume Niedereimer! Möhnesee wurden von den 5 Förstereien (Forstbetriebsbezirken) 2 Förstereien aufgelöst. Die drei bestehenden Förstereien sind nunmehr zuständig für die Wahrnehmung der forstlichen Aufgaben im Bereich des Staatswaldes (Größe 3.300 ha) sowie die Umsetzung der Aufgaben im Wald.

Naturschutzgebiet Arnsberger Wald

Für den Bereich der Försterei Niedereimer ergibt sich eine Ausdehnung von 1.100 ha; diese erstreckt sich von Niedereimer in östlicher Richtung bis zu einer Linie Breitenbruch (B229) Windstich; im nördlichen Bereich grenzt das Revier an den Privatwald Fürstenberg sowie im südlichen Teil entlang einer Linie Bodendeponie Berbke 1 Bockstall 1 Schillingsweg. Die Baumarten- zusammensetzung beträgt bei Laubholz (LH) 57% (ca.600 ha), wobei ein Schwerpunkt bei der Eiche und Rotbuche zu finden ist; sowie 43% Nadelholz (Nil) (460 ha) mit einem überwiegenden Anteil von Fichte. Die restlichen Flächen (ca. 40 ha) ergeben sich aus Wegen und Wiesenflächen, wobei die Wege insgesamt eine Länge von 27,2 km haben.

Interessant in der Betrachtung der Bäume ist das Alter der Baumarten: Die ältesten Bestände finden wir bei Eiche und Buche mit ca. 160-200 Jahren, während die ältesten Bestände bei der Fichte sich im Bereich 120-140 Jahren befinden. Einzelne Laubbaum-Exemplare erreichen ein höheres Alter (250/ 350 Jahre) und sind wichtige Naturzeugen der damaligen Baumarten- zusammensetzung (zum Beispiel zwei Eichen im Bereich der SGV-Hütte oder zwei Buchen im Bereich der Abteilung 293* Kampraweg 1 Eselsbrücke.)

Aufgaben heute

Aufgabe der heutigen Forstwirtschaft ist die nachhaltige Bewirtschaftung und Entwicklung des Waldes mit den Methoden des naturnahen Waldbaues. Dies bedeutet:

  • Vermeidung aller Kahlschläge
  • Ausnutzung des Wachstumspotentials der einzelnen Bäume
  • natürliche Verjüngung aller Baumarten
  • Begünstigung des Mischbestandes
  • Sicherung von Umwelt- und Erholungsfunktion.

Im Bereich des Naturschutzgebietes "Arnsberger Wald", wozu auch die Försterei Niedereimer zählt, ergeben sich zusätzliche Aufgabenschwerpunkte:

  • Verringerung des Nadelholzanteiles durch Förderung von Buche und Eiche
  • Erhaltung, bzw. Vermehrung von Totholz durch Verzicht auf Nutzung (zum Beispiel für den größten einheimischen Käfer, den Hirschkäfer)
  • Ausweisung und Betreuung von Flächen, auf denen keine forstwirtschaftliche Nutzung stattfindet, zum Beispiel Laubholz Waldrand entlang der ehemaligen "süßen Wiese" entlang der Wannestraße
  • Pflege der Waldbestände nach den Vorgaben der "Waldpflegepläne".

Haupteinnahme auch heutzutage bildet der Verkauf von Holz. Nachhaltig werden im Niedereimer Wald ca. 4.000 Festmeter (m3) Holz bereitgestellt, wobei auf der Grundlage heutiger Preise ca. DM 350.000 pro Jahr erwirt schaftet werden.

Durchgeführt werden die oben genannten Aufgaben mit der Belegschaft der Försterei Niedereimer, die zur Zeit folgenden Personenkreis umfaßt: 1 För ster - 1 Forstwirtschaftsmeister - 2 Forstwirte - 4 Auszubildende.

Rückschau

Nachdem nunmehr der gegenwärtige Aufgabenbereich heutiger Forstwirtschaft dargestellt wurde, lohnt sich ein kurzer Blick in vergangene Zeiten. Dies ist speziell für den Forstbereich eine wichtige Rückschau, denn aus dem Alter der Bäume (200-300 Jahre) ist zu entnehmen: Wer im Walde pflanzt und sät, tut dies für die Zukunft, und wer erntet, nutzt die Ideen und Uberzeugungen und wirtschaftlichen Zwänge unserer Vorfahren. Diese Zeitspanne zwischen Saat und Ernte beträgt in der Regel 100-250 Jahre.

Bei dem Anblick unserer heutigen geschlossenen, stammzahlreichen und er tragreichen Wälder, die uns ausreichend mit Holz versorgen können, ist häu fig in Vergessenheit geraten, welche wichtige Bedeutung die Wälder für die Entwicklung der Landwirtschaft und dem einheimischen Gewerbe hatten. Sie lieferten das nötige Brenn- und Bauholz, sie dienten als Futter- und Dünger ergänzung für Ackerbau und Viehzucht. Die menschliche Einflußnahme auf die sie umgebende Natur auf der einen Seite, wie auch die Abhängigkeit von ihnen auf der anderen Seite haben in den letzten 250 Jahren deutliche Spuren hinterlassen. An einigen Beispielen aus dem heimischen Raume soll dies an deutungsweise vorgestellt werden.

Ausgangs des 18. Jahrhunderts herrschte eine Vielzahl von Rechten auf dem Wald, dies gilt insbesondere für die Marken des Arnsberger Waldes. Wald- größe und Waldverteilung sind nur bedingt zu bestimmen, da zum Waldbo den (Holzboden) Blößen wie Heide, Ginster und Flächen für die Gewinnung von Plaggen (zum Beispiel Einstreu für Vieh) rechneten. Die Interessen der Benutzer des Waldes waren nicht so sehr auf Grund und Boden gerichtet als vielmehr auf die Nutzungsmöglichkeit der Produkte, wie Brennholz, Mast von Eichen und Buchen, Bauholz, Laubgewinnung für Viehfutter. Der Zu stand der Wälder war daher mehr geprägt von den Bedürfnissen der Bevölke rung als von den Grundbesitzern. Bedingt hieraus entwickelten sich im Laufe der Zeit viele Rechtsstreite um die Nutzung beziehungsweise um den Besitz des Waldes. Verwaltet wurden die Marken des Amsberger Waldes durch das westfälische Jagd- und Forstamt in Hirschberg mit 12 Forstrevieren. Die Niedereimer Mark gehörte zur Ruhrmark mit dem zuständigen Forstrevier mit Sitz in Arnsberg.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Uberleitung der Markenwaldungen in das Eigentum der politischen Gemeinde beziehungsweise eine Auswei sung des Staatswaldes. Bedingt durch eine Ubernutzung der Waldflächen durch die Not in der Landwirtschaft stellte sich die Landschaft bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als weite und öde Fluren, oft nur mit Heide und Ginster bewach sen, dar. Der Wald bestand aus wenigen hochstämmigen Buchen und Eichen, der Boden war mit Gras und filzigem Heidekraut überzogen, welches das ein zige Sommerfutter für magere Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen war. Zum Dorf liegende Flächen zeichneten sich durch Niederwald mit Ginster und an deren Sträuchern durchwachsenem Wald aus, der hauptsächlich der Brennholz- versorgung diente. Hieraus leiteten sich Konflikte zwischen Land- und Forst wirtschaft ab, da die Bauern den Wald als Boden-, Dünger- und Futterreservoir ansahen, der ausgebildete Förster aber Hochwälder mit langen Umtriebszeiten ohne Eintrieb von Vieh bewirtschaften wollte. In diesem Zusammenhang ist es interessant zu erfahren, daß die Einführung der Fichte zu Beginn des 19. Jahrhunderts von der ländlichen Bevölkerung sehr kritisch gesehen wurde, da diese Bäume für das Vieh keine Mast lieferten und damit Heideflächen ver drängten, welche z.B. als Düngerersatz für die Felder gebraucht wurden.

Des weiteren eignete sich die Fichte nicht für einen weiteren Wirtschafts zweig, den der Köhlerei, der insbesondere für die Versorgung der Hütten- und Hammerwerke notwendig war. Viele Köhlerstellen im Niedereirner Wald (ins besondere in den LH-Beständen) zeugen noch heute von dieser wichtigen Einnahmequelle für die heimische Bevölkerung. Diese wichtige wirtschaftli che Position der Holzkohle dauerte bis in die 1860er Jahre, da in dieser Zeit, bedingt durch die aufstrebende Industrie, im großen Umfang die Steinkohle als wichtiger Energielieferant in Erscheinung trat.

In den Jahren um 1880 wurden für die Forstwirtschaft neue Absatzmärkte durch die wachsende Nachfrage des Bergbaus nach Grubenholz, der Eisen bahn nach Schwellenholz sowie anderer Holzverwerter erschlossen. In dieser Zeit verstärkten sich die Fichtenanpflanzungen, weil sie auf den devastierten Böden wachsen konnten sowie eine gute Rentabilität in kurzer Zeit erwarten ließen. Des weiteren finden wir aus dieser Zeit größere Aufforstungen, insbe sondere von ehemaligen Wiesenflächen, mit Stieleiche - WannebachtallHer renwiesenbach -, da Eichenholz auch auf Dauer eine gute Absatzchance ein geräumt wurde. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft durch Einsatz von Mineraldünger, die Einführung der Stallfütterung bei gleichzeitiger Versor gung mit ausreichenden Futtermitteln tat ein Ubriges, um die Situation des Waldes zu verbessern, da hierdurch die Ablösung vieler auf den Wäldern lie gender Lasten (Heiderechte, Streurechte, etc.) zum Abschluß gebracht wer den konnte.

Resümee und Ausblick

Aus den nur ansatzweise aufgezeigten Einflüssen des Menschen auf den Wald ergibt sich, daß romantische Vorstellungen aus der Vergangenheit über den Zustand der Wälder nicht mit der Realitübereinstimmen. Wirtschaftliche und existentielle Nöte haben bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Destabilisierung des Waldes geführt. Erst durch die bessere wirtschaftliche Situation der Bevölkerung sowie durch wissenschaftliche Erkenntnisse ist die Situation des Waldes positiv beeinflußt worden.

Als Ausblick kann hieraus festgestellt werden, daß die Entwicklung des Waldes um so günstiger ist, wenn das Wissen um ihn vermehrt und die Einbeziehung der Ansprüche der Menschen an ihm angemessen berücksichtigt werden.

Ralf Neuheuser